Benjamin Schröder ist gelernter Wirtschaftsingenieur und Business Manager bei Salt and Pepper Digital aus Hamburg.
ITD: Herr Schröder, welche Rolle spielt ein abteilungsübergreifendes Arbeiten für den Erfolg eines Unternehmens?
Schröder: Die Bedeutung ist enorm gewachsen. Unternehmen aus verschiedensten Branchen kamen lange ohne oder mit einfacher Software aus. Zudem nutzten sie diese nur fachspezifisch – etwa in der Entwicklung oder Herstellung technisch aufwendiger Güter. Durch die Digitale Transformation nimmt aber in diesen Unternehmen die Bedeutung von digitalen Lösungen stetig zu. Sie kommen heute bei ehemals analogen Produkten und deren Herstellungsprozessen nicht mehr ohne Software aus. Die Folge: In den Unternehmen sind neue Skills gefragt. Das Problem: Diese Fähigkeiten werden oft in unterschiedlichen Bereichen benötigt. Die entsprechenden Fachkräfte lassen sich aber nicht immer trennscharf einer einzelnen Abteilung zuordnen. Ein neuralgischer Punkt ist besonders das daraus resultierende abteilungsübergreifende Arbeiten zwischen Research und Development (R&D) und IT. Hier müssen jeweils die richtigen Fähigkeiten verankert sein, damit sich beide Bereiche bestmöglich gegenseitig unterstützen können.
ITD: Warum ist es wichtig, die Brücke zwischen Research- und Development-Abteilung und der IT zu schlagen und den Austausch dieser Bereiche zu fördern?
Schröder: Grundsätzlich geht es darum, dass die IT den jeweiligen Geschäftszweck ideal unterstützen kann. Die Anforderungen eines Unternehmens an die IT sind dabei extrem unterschiedlich. Und auch der Einfluss der IT auf Entscheidungen der Geschäftsführung variiert stark. Besonders anschaulich wird das anhand eines Beispiels: Ein Internet-Business wird oft „um die IT herum“ aufgebaut. Bei einem Metallveredler etwa ist die IT eher interner Dienstleister, da das Kerngeschäft ein anderes ist.
Der Austausch zwischen R&D und IT ist dann besonders wichtig, wenn auch in Forschung und Entwicklung Software- und IT-Experten sitzen, die sich etwa um das Thema „Software Engineering“ kümmern. Lautet sonst der klassische Auftrag der IT, für stabile Systeme zu sorgen sowie auf Sicherheit und Kosten zu achten, kommen dann weitere Anforderungen hinzu. Denn die Entwickler benötigen Gestaltungsfreiheit bei der technischen Umsetzung ihrer Aufgaben. Und sie stellen besondere Anforderungen an die IT und die Entwicklungsumgebung. Damit stehen sie zunächst im Widerspruch zu den klassischen IT-Zielen und sind gleichzeitig in ihrer Leistungsfähigkeit von der IT abhängig. Um diesen potenziellen Konflikt zum Wohle des Unternehmens zu lösen, oder idealerweise gar nicht erst entstehen zu lassen, ist der Austausch enorm wichtig. Denn nur so können die Verantwortlichen in der IT-Strategie berücksichtigen, dass R&D sich ausprobieren kann – auch wenn das die Tool-Landschaft und Installationen nach oben treibt. Gleichzeitig kann eine R&D-Abteilung von der IT lernen. Für sie gehörte die Software schon vor Industrie 4.0 zum Alltag. Und sie ist vertraut mit der Schnelllebigkeit digitaler Lösungen.
ITD: Wie kann dabei die Unterstützung eines externen Anbieters in der Praxis aussehen?
Schröder: Damit die „Übersetzung“ zwischen den Abteilungen gelingt, braucht es jemanden, der beide Sprachen spricht: ein neutraler Partner, der verstanden hat, wie Unternehmen „ticken“. Diese Fähigkeiten vereinen externe Anbieter idealerweise. Sie kennen aufgrund von jahrelanger Erfahrung die Kernherausforderungen: Was wird benötigt, damit die Software in einem Produkt 20 oder 30 Jahre läuft? Wie funktionieren Bug-Fixes und die Update-Fähigkeit einer Maschinen-Software? Welchen Wert hat stabile Software, deren Erstellungsprozess durch eine optimale IT-Infrastruktur unterstützt wird? Zudem nehmen gute Partner eine neutrale Rolle ein. Sie vermitteln bei Bedarf zwischen den Fachabteilungen. Als Anforderungsmanager bauen sie Hürden ab und bringen alle Stakeholder an einen Tisch. Dabei positionieren sie die IT so, dass diese nicht als „Spielverderber“ der Software-Entwicklung gilt. Stattdessen setzen sie ein Setting auf, das der IT den Rücken stärkt und die Anforderungen von R&D übersetzt und verständlich macht.
ITD: Welche Problemlösungen können durch einen „Übersetzer“ zwischen den Abteilungen erzielt werden?
Schröder: Ein aktuelles Beispiel: DevOps. Hersteller von Software-Produkten waren hier Early Adopter. Sie nutzen DevOps, um alltägliche Probleme in der Software-Entwicklung zu beheben. Diese waren so spezifisch, dass IT-Administratoren sie nicht lösen konnten. Diesen Trend können auch Unternehmen nutzen, indem sie innerhalb von R&D durch DevOps eigene Architekten und Problemlöser für die Software-Entwicklungsumgebung aufbauen. Diese Experten sind dichter an der Thematik dran, als es die Unternehmens-IT sein kann. Um Lösungen professionell aufzusetzen, ist hier ein „Übersetzer“ wichtig. Er unterstützt beim Aufbau der nötigen Prozesse. Und er kann auch bei der Besetzung der Rollen beraten. Zusätzlich baut er Verständnis zwischen den Abteilungen auf, indem er Anforderungen homogenisiert – eine Win-Win-Situation für IT und R&D sowie auch für die Digitalisierung des Unternehmens.
Bildquelle: Salt and Pepper Digital GmbH