Mercedes Eisert: „Bezüglich der Cloud herrschte anfangs tatsächlich Unsicherheit.“
ITD: Frau Eisert, wann und vor welchem Hintergrund wurde klar, dass Bavaria Film eine Cloud-basierte Datenintegrationsplattform benötigt?
Mercedes Eisert: Im Jahr 2020 hat die Bavaria-Film-Gruppe eine breit angelegte und umfassende Digitalisierungsstrategie beschlossen. Fokus dieser Strategie ist die umfassende Konsolidierung der gesamten IT-Applikationslandschaft. Bei einem so groß angelegten Programm, das gleichzeitig eine Vielzahl von Applikationen betrifft und zahlreiche Interimsarchitekturen erfordert, ist es ganz klar, dass eine zentrale und leistungsstarke Integrationsplattform zwingend erforderlich ist. Ziel der Plattform war für uns, die unterschiedlichsten Technologien On-Prem und via Cloud verbinden zu können, Daten zu harmonisieren und Wiederverwendung sicherzustellen. Zusätzlich haben wir eine deutliche Effizienzsteigerung durch automatisierte Schnittstellen erwartet.
ITD: Wie sind Sie auf der Suche nach einer entsprechenden Lösung vorgegangen?
Eisert: Für die Tool-Auswahl haben wir das klassische Vorgehen genutzt: Wir haben alle ETL/ELT/EAI-Tools, die am Markt waren, im Rahmen einer konkreten Ausschreibung kontaktiert. Wir hatten keine Anbieterpräferenzen. Wir wollten für die Gruppe nur die beste und modernste Lösung. Nach den Angeboten der Anbieter wurde aus der Longlist eine Shortlist. Die Anbieter auf der Shortlist haben anschließend im Rahmen eines Proof of Concept (PoC) drei konkrete Aufgaben zur Umsetzung erhalten, die sie zusammen mit dem Angebot präsentierten. Die beste Lösung hat gewonnen – und das war Talend.
ITD: Welche Kriterien sprachen für jenen Anbieter?
Eisert: Mehrere Kriterien führten zu der Entscheidung. Das Tool musste für uns, aufgrund des Cloud-Fokus, unbedingt Cloud-Integrationen unterstützen können. Das kann Talend gut. Wir haben uns für die Hybrid-Cloud entschieden. Das Tool musste technologisch modern und zukunftsfähig sein. Zudem haben wir hohen Wert daraufgelegt, dass es eine homogene Lösung ist und nicht aus zusammengekauften Komponenten besteht. Natürlich musste das Tool alle erforderlichen ETL/ELT/EAI-Anforderungen abdecken, flexibel sein und echtzeitfähig alle möglichen Technologien anbinden können.
ITD: Mit welchen Herausforderungen bzw. Stolpersteinen ist die Einführung einer Cloud-basierten Plattform verbunden?
Eisert: Bezüglich der Cloud herrschte anfangs tatsächlich Unsicherheit. Letztlich war es aber überhaupt kein Problem. Die nötigen Server wurden schnell aufgesetzt, Ports für die Hybrid-Cloud freigeschaltet sowie Nutzer eingerichtet. Der Vorteil ist, dass wir nun kein Spezialwissen bei den eingesetzten Komponenten wie Datenbank etc. vorhalten müssen.
ITD: Wie nutzen Sie Talend anno 2022 und welche Vorteile bzw. Effekte ergeben sich dadurch?
Eisert: Wir nutzen die Lösung für „alles“. Vor allem bei der Einführung von SAP S4 Cloud Essentials war Talend eine unverzichtbare Unterstützung. Die Lösung integriert die alte Enterprise-Resource-Planning- (ERP) mit der neuen SAP-Welt, integriert Umsysteme, wandelt Daten, verarbeitet und propagiert Protokolle. Wir haben mehr als 20 Prozent der IT-Landschaft bereits mithilfe der Lösung integriert.
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ITD: Wie ist es um die Sicherheit der Daten in der Cloud bestellt?
Eisert: Wir persistieren keine Daten in der Cloud. In der Cloud findet die Verarbeitung der Daten und der Logik statt, die wir On-Prem halten.
ITD: Welche weiteren IT-Themen stehen für Bavaria Film in diesem Jahr auf der Agenda? Was sind die Zukunftspläne?
Eisert: Vor Kurzem haben wir SAP S4 Cloud Essentials produktiv gesetzt und werden die Lösung weiter für die dezentralen Finanzen und für die Medienproduktion ausbauen. Wir sind auch aktuell dabei, ein Business-Intelligence-Tool (BI), ebenfalls in der Cloud, auszusuchen. Zudem haben wir im Bereich „Medienproduktion“ einige Modernisierungsmaßnahmen geplant. Im nächsten Jahr stehen weitere Modernisierungen auf der Roadmap. Wir haben schon sehr viel erreicht, in kürzester Zeit, darauf kann die ganze Gruppe, alle beteiligten internen und externen Mitarbeiter, sehr stolz sein.
... bildet zusammen mit ihren Tochtergesellschaften eine moderne und breit aufgestellte Unternehmensgruppe in der deutschsprachigen Film- und TV-Branche. Heute gehören zum Kerngeschäft die Entwicklung, Produktion und Verwertung von Bewegtbildinhalten fiktionaler und non-fiktionaler Genres über alle Verbreitungswege. Als weiteren Schwerpunkt betreibt das Unternehmen am Medienstandort Geiselgasteig eine Mischimmobilie für Studio- und Bürozwecke. Über alle Beteiligungen hinweg beschäftigt das Unternehmen rund 1.600 feste und freie Mitarbeiter.
Bildquelle: Bavaria Film