Hinsichtlich der Implementierung von Cloud-Infrastrukturen gibt Kai Göttmann den Anwendern den Rat, von vornherein den Anspruch zu verfolgen, eine hybride Umgebung als einheitliche Umgebung zu betreiben.
IT-DIRECTOR: Herr Göttmann, Microsoft spricht von einem Betriebssystem für die Cloud. Was darf man sich darunter vorstellen?
K. Göttmann: Wir beobachten derzeit einen eindeutigen Trend: Menschen nutzen mehr und mehr verschiedene Endgeräte, über die sie Services konsumieren und eine Fülle von Daten generieren. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen beruflicher und privater Nutzung.
Daraus ergeben sich neue Anforderungen: Wie kann man Anwendern die beste Benutzererfahrung ermöglichen, ohne dabei Sicherheitsaspekte zu vernachlässigen? Wie können Benutzer aus riesigen Datenmengen schnell Erkenntnisse gewinnen? Wie kann man Anwendungen so gestalten, dass sie bei Bedarf optimal skalieren? Und wie kann man das Rechenzentrum so weiterentwickeln, dass es Anwendungen nach dem Cloud-Prinzip als Service bereitstellt? Das Cloud OS ist das Betriebssystem für diese neue Welt.
IT-DIRECTOR: Inwieweit spielen die vielen neuen Produkte, die Sie gerade vorgestellt haben, in diese Cloud-OS-Strategie hinein?
K. Göttmann: Windows Server 2012 spielt eine zentrale Rolle bei der Transformation des Rechenzentrums in eine Cloud. Die neue Version von Hyper-V in Windows Server 2012 virtualisiert beispielsweise die gesamte Infrastruktur, die Anwendungen benötigen – neben Servern auch Netzwerk und Storage, so dass Anwendungen praktisch komplett unabhängig von der physischen Infrastruktur werden, einfacher skaliert oder zwischen Lokationen verschoben werden können.
Es ist sogar möglich, eine Private Cloud mit Kapazitäten von Service-Providern oder Windows Azure in einer hybriden Cloud zusammenzuführen. System Center 2012 legt darüber ein einheitliches Management-Cockpit und erlaubt die zentrale Steuerung und Automatisierung. Da Anwendungen in der Regel Daten verarbeiten, ist SQL Server 2012 eine weitere wichtige Säule des Cloud OS. Und nicht zuletzt spielen etablierte Technologien eine zentrale Rolle, die eine Durchgängigkeit ermöglichen, die sonst niemand bieten kann. Denken Sie nur an Active Directory, damit alle Services – für den Anwender transparent – mit einheitlichen Identitäten arbeiten können.
IT-DIRECTOR: Cloud Computing bedeutet Standardisierung der IT. Wie geht diese mit der versprochenen Flexibilität einher?
K. Göttmann: Hier muss man differenzieren. Eine Charakteristik von Cloud Computing ist das Bündeln und Virtualisieren von Infrastrukturressourcen. In gewisser Weise findet dabei eine Standardisierung statt. Anwendungen können standardisierte, virtuelle Ressourcen flexibler in Anspruch nehmen als heterogene – und schlussendlich profitieren davon die Anwender.
Gleichwohl setzt unsere Cloud-Plattform bestehend aus Windows Server und System Center keine einheitliche Infrastruktur voraus. Eine Standardfunktionalität ist etwa die Verwaltung von Hypervisor-Technologien anderer Hersteller. Wir beobachten derzeit, dass Unternehmen vermehrt von VMware auf Hyper-V wechseln. Diese können dank dieser Interoperabilität einen sanften Migrationsweg einschlagen. Mittelfristig ist eine vollständige Standardisierung auf Hyper-V zweifellos ökonomisch sinnvoller. Das gilt natürlich auch für die zugrundeliegende physische Infrastruktur.
IT-DIRECTOR: Welche Szenarien sehen Sie derzeit bei den Anwendern. Wie hat sich deren Einstellung gegenüber Cloud Computing verändert?
K. Göttmann: Cloud Computing ist kein Trend mehr, Cloud-Infrastrukturen sind in Unternehmen in der Zwischenzeit als Zielstandard akzeptiert und werden pragmatisch betrachtet. Es geht darum, in konkreten Einsatzszenarien einen Nutzen daraus zu ziehen und – vor allem bei größeren Unternehmen – zugleich eine klare IT-Strategie zu verfolgen. Das Spektrum der Einsatzbereiche ist sehr breit. So beziehen immer mehr Unternehmen standardisierte Services wie Office 365 aus der Public Cloud. Zugleich stellen wir fest, dass kritische Anwendungen zunehmend in Private-Cloud-Umgebungen überführt werden. Und innovative Unternehmen nutzen Windows Azure, um nicht nur neuartige Services anzubieten, sondern auch ganz neue Geschäftsmodelle umzusetzen. Apropos Windows Azure: Die Software verfügt heute über mehr Rechenleistung, als der gesamten Menschheit im Jahr 1999 zur Verfügung stand. Cloud Computing ist also längst Realität.
IT-DIRECTOR: Einerseits wollen die Anwender getätigte Investitionen schützen, andererseits von bedarfsorientierter, flexibler IT profitieren. Wie organisiert man den (vorübergehenden) Mischbetrieb? Worauf ist zu achten?
K. Göttmann: Man sollte von vornherein den Anspruch verfolgen, eine hybride Umgebung als einheitliche Umgebung zu betrachten bzw. zu betreiben, indem man sich die verfügbaren Technologien zunutze macht. Ein Beispiel ist die einheitliche Verwaltung einer hybriden Cloud. Dafür sollte man von Beginn an System Center einsetzen. Ein anderes Beispiel ist Active Directory, mit dem verteilte Anwendungen auf einheitliche Benutzeridentitäten zugreifen können.
IT-DIRECTOR: Inwieweit ist gerade bei der Installierung hybrider Strukturen Beratung notwendig?
K. Göttmann: Das hängt vom konkreten Vorhaben und dem vorhandenen Know-how ab. Wenn Sie unsere Public-Cloud-Services wie Office 365 im Zusammenspiel mit Windows Server Essentials betrachten, werden Sie feststellen, dass die Einführung solcher Lösungen sehr einfach gestaltet wurde.
IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen die Microsoft-Partner in in Ihrer Cloud-Strategie?
K. Göttmann: Partner gehören zur DNA von Microsoft. Für alle kommerziellen Cloud-Angebote bieten zahlreiche Partner Services an. Damit sie ihre Kunden optimal beraten können, haben wir Cloud Computing bereits vor Jahren zu einem Schwerpunkt in unserem Partnerprogramm gemacht und dieses darauf hin angepasst.