Digitale Transformation

„Die Digitalisierung schreitet in vielen Bereichen voran“

Im Interview erläutert Alexander Saul, Business Geschäftsführer bei Vodafone Deutschland, wie die Digitale Transformation in Deutschland vorankommt und wo noch Nachholbedarf besteht.

Digitale Transformation

„Ich bin überzeugt, dass nur jene Unternehmen, die den Wandel treiben, langfristig erfolgreich sein werden“, betont Alexander Saul.

ITD: Herr Saul, in den letzten zwei Jahren wurde die Corona-Pandemie zum Haupttreiber der Digitalen Transformation in Deutschland. Wie gut sind die Unternehmen seitdem durch die Krise gekommen?
Alexander Saul: Die Corona-Krise war ein digitaler Weckruf für Deutschland. Die Pandemie hat gezeigt, was Digitalisierung schon heute möglich macht. Sie hat aber auch schonungslos offengelegt, dass Deutschland und die Unternehmen hierzulande noch längst nicht überall gut vorbereitet sind für die Digitale Transformation. Es ist wichtig, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und Entscheidungen zu treffen, die die Digitalisierung fördern, statt sie zu bremsen. Für uns waren Homeoffice und Co. schon vor der Pandemie gelebter Alltag. Als Digitalisierungskonzern waren wir auf diese Situation sehr gut vorbereitet und konnten schnell handeln. Zudem ging für uns stets darum die Netz-Infrastruktur aufrecht zu erhalten, um Menschen miteinander zu verbinden, auch wenn sie durch das Virus getrennt waren zeitweise.

ITD: Wie ist aktuell der Status quo, wenn es um den Digitalisierungsstand in deutschen Unternehmen geht? In welchen Bereichen gibt es nach wie vor Schwierigkeiten?
Saul: Die Digitalisierung schreitet in vielen Bereichen voran. Doch vielerorts besteht noch Nachholbedarf. Zum Beispiel in mittelständischen Unternehmen. Eine große Herausforderung ist es ganzheitliche Prozesse digital abzubilden, sodass sie uns Menschen bei der Arbeit bestmöglich unterstützen. Das wichtigste dabei ist das Verständnis in den Unternehmen, dass Digitalisierung langfristig hilft und nicht für zusätzlichen Aufwand sorgt.

ITD: Laut einer aktuellen Bitkom-Umfrage will 2023 jedes dritte Unternehmen Digitalisierungsinvestitionen zurückfahren. Für wie problematisch halten Sie einen solchen Kurswechsel?
Saul: Digitalisierung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Nur wer Digitalisierung nachhaltig denkt um umsetzt wird erfolgreich sein. Es gibt diejenigen, die den digitalen Wandel gestalten und es gibt diejenigen, die der Digitalisierung hinterlaufen. Ich bin überzeugt, dass nur jene Unternehmen, die den Wandel treiben, langfristig erfolgreich sein werden.

ITD: Inwiefern bietet die Digitalisierung auch Chancen für die Unternehmen, auf die aktuellen Herausforderungen (bspw. Lieferengpässe, steigende Energiekosten, Fachkräftemangel) zu reagieren und sich besser anzupassen?
Saul: Das Internet der Dinge kann jedem Unternehmen helfen Energie zu sparen. Wenn Maschinen in den Fabrikhallen in Echtzeit miteinander kommunizieren und perfekt aufeinander abgestimmt arbeiten, werden Ausfall- und Leerlaufzeiten reduziert. Das schützt vor Engpässen, spart Strom und schont unsere Umwelt. In Branchen, die unter Fachkräftemangel leiden, können Service unterstützend zum Einsatz kommen. Beispielsweise, um in Hotels zu reinigen oder in der Gastronomie Getränke zu den Kunden zu bringen. Solche 5G-Service-Roboter entwickeln wir gerade gemeinsam mit Hyundai Robotics.

ITD: Welchen Beitrag kann die Digitalisierung womöglich auch zur Lösung des Klimawandels leisten? – Stichwort: „Green IT“?
Saul: Digitalisierung hilft Energie zu sparen. Jedes Mal, wenn wir statt mit dem Flugzeug für einen Business-Termin um die Welt zu reisen, einen Video-Call den externen Partnern machen, schützt das unseren Planeten. Zudem hilft das Internet der Dinge in Werks- und Produktionshallen den Energiebedarf zu senken, weil Maschinen und Roboter optimal aufeinander abgestimmt arbeiten können, wenn sie mi 5G vernetzt sind.

ITD: Wie wird sich unsere Arbeitswelt durch die Digitale Transformation verändern? Inwiefern sollten die Unternehmen ihre Mitarbeiter auf diesen Wandel vorbereiten?
Saul: Die Art und Weise wie wir miteinander kommunizieren wird sich verändern. Künftig werden wir vermutlich nicht mehr über einen klassischen Video-Call miteinander sprechen, sondern als Hologramme gemeinsam an einem Tisch sitzen – obwohl wir in der Realität viele tausende Kilometer voneinander getrennt sind. Das steigert die Potenziale vom digitalen Austausch: Denn so lassen sich Gesten und Mimik noch besser wahrnehmen und interpretieren.

ITD: Was müssen Unternehmen jetzt tun, um bei der Digitalisierung nicht abgehängt zu werden?
Saul: Sie müssen das Verständnis generieren, dass Digitalisierung nichts ist, vor dem wir uns fürchten müssen, sondern dass Digitalisierung uns langfristig hilft. Nur mit diesem Verständnis kann die digitale Transformation erfolgreich gelingen.

ITD: Was wünschen Sie sich von der deutschen Politik, um die Unternehmen aktiv bei Digitalisierungsvorhaben zu unterstützen und Hürden abzubauen?
Saul: Bei der Digitalisierung braucht es einfache Prozesse. Wirtschaft und Unternehmen müssen gemeinsam Hand in Hand gehen, um die Transformation erfolgreich zu gestalten. Das wünschen wir uns auch beim Ausbau der Mobilfunk-Infrastruktur: Bislang dauert es in Deutschland bis zu 2 Jahre, bis eine neue Mobilfunkstation gestartet werden kann. Weil es keine einheitlichen Prozesse gibt, die zum Ziel führen. In anderen Ländern geht das deutlich schneller. Aber hier ist Besserung in Sicht. Ich bin guter Dinge, dass wir auf einem guten Weg sind.

Bildquelle: Vodafone

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