„Wir setzen uns vehement dafür ein, dass das finale Gaia-X-Konzept echte Datensouveränität gewährleistet“, so Christian Schmitz von Owncloud.
ITD: Herr Schmitz, ukurz erklärt: Was verbirgt sich hinter „Gaia-X“?
Christian Schmitz: Gaia-X ist ein Cloud-Projekt zum Aufbau einer leistungsstarken, wettbewerbsfähigen und sicheren Dateninfrastruktur in Europa.
ITD: Wer sind die Macher und welche Ziele verfolgen sie mit dem Projekt?
Schmitz: Initiiert hat das Projekt ursprünglich das deutsche Bundeswirtschaftsministerium. Inzwischen steht die gemeinnützige internationale Organisation Gaia-X AISBL hinter dem Projekt. Sie wurde 2021 von je elf Unternehmen und Organisation aus Deutschland und Frankreich ins Leben gerufen und umfasst heute etwa 300 Mitglieder aus aller Welt. Erklärtes Ziel ist die Schaffung einer vertrauenswürdigen Alternative zu den großen Hyperscalern.
ITD: Warum braucht Europa eine eigene Cloud?
Schmitz: Um die digitale Souveränität von Bürgern, Unternehmen und staatlichen Organisationen in Europa zu gewährleisten. Das ist nur möglich, wenn ihnen Cloud-Dienstleistungen unter europäischer Kontrolle zur Verfügung stehen. Diese Kontrolle muss sowohl rechtlich als auch operativ abgesichert sein.
ITD: Gaia-X wird einerseits als europäisches Gemeinschaftsprojekt gesehen, hat aber auch außereuropäische Mitglieder wie die Cloud-Anbieter Google, Microsoft und Amazon. Wie passt das zusammen?
Schmitz: Grundsätzlich können sich natürlich auch Anbieter von außerhalb der EU an Gaia-X beteiligen. Dafür müssen sie aber die Interoperabilitätsstandards des Projekts erfüllen und ihre Lösungen für Gaia-X dürfen keiner Rechtsprechung unterliegen, die mit EU-Recht kollidiert. Problematisch ist hier beispielsweise der US Cloud Act, denn er ist mit der europäischen DSGVO unvereinbar. Wie sich dieser Widerspruch auflösen lässt, ist derzeit noch unklar.
ITD: Und wie passt die US-Firma Palantir hier als Mitglied ins Bild, die als Big-Data-Dienstleister für Geheimdienste bekannt sein dürfte?
Schmitz: Aus unserer Sicht gilt gleiches Recht für alle. Wenn Unternehmen die genannten Voraussetzungen erfüllen, sollten sie an Gaia-X teilnehmen können.
ITD: Wie datensouverän ist die Cloud demnach überhaupt gestaltet? Oder anders gefragt: Inwieweit sind die Daten in der „EU-Daten-Cloud“ in sicheren Händen?
Schmitz: Wir setzen uns vehement dafür ein, dass das finale Gaia-X-Konzept echte Datensouveränität gewährleistet. Wir sehen das Projekt nach wie vor als guten Ansatz. Aber wir sind skeptisch, ob es mit so vielen Beteiligten, die alle ihre eigenen Interessen verfolgen, wirklich funktionieren kann. Allerdings haben wir die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass aus Gaia-X konkrete souveräne digitale Angebote entstehen.
Bildquelle: Owncloud