Verbindung zweier Welten: Hinter einer Hybrid Cloud verbirgt sich die Kombination von Private und Public Cloud.
Im Jahr 2013 haben 40 Prozent der Unternehmen in Deutschland Cloud Computing genutzt, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um drei Prozentpunkte bedeutet. Dies ist das Ergebnis des alljährlichen Cloud-Monitors, der von der Bitkom Research GmbH erstellt wurde. Das Unternehmen befragte hierzu im November und Dezember 403 IT-Verantwortliche in deutschen Unternehmen ab 20 Mitarbeitern. Laut Umfrage gehört Cloud Computing in großen Unternehmen heute schon zum Standard. 70 Prozent setzen hier Cloud-Lösungen ein, denn sie scheinen inzwischen die Vorteile eines cloud-basierten Rechenzentrumsbetriebes erkannt zu haben. „Deshalb wird die Cloud weniger als noch in den Jahren zuvor als Hype oder Trendthema diskutiert, sondern vielmehr pragmatisch angepackt“, betont Jörg Hesske, Country Manager bei VMware Deutschland. Auch Peter H. Ganten, Geschäftsführer der Univention GmbH, ist überzeugt, dass das Thema „Cloud“ mittlerweile in der Realität angekommen ist: „Es wird weniger schwarz auf weiß gesehen, sondern es gibt eine differenziertere Betrachtung der Chancen und Risiken. Großunternehmen haben schon in der Vergangenheit einen sehr professionellen Umgang mit dem Thema bewiesen.“ Das werde sich 2014 fortsetzen.
„Eine neue Studie von 451 Research sagt beispielsweise voraus, dass 69 Prozent aller IT-Verantwortlichen ihre Cloud-Budgets weiter erhöhen werden“, fügt Klaus Berle, Director Cloud Computing bei HP Deutschland, an. „Unternehmen werden mehr denn je die Vorteile nutzen, die Cloud Computing bietet: Agilität, Skalierbarkeit, Kosteneffizienz. Dementsprechend wird auch das Geschäft mit Services rund um den Globus wachsen.“ Dank Cloud Computing können sich Unternehmen schließlich zu 100 Prozent auf ihre Prozesse und Abläufe konzentrieren, ohne sich Gedanken um Installation, Betrieb, Upgrades, Sicherheit oder Wartung machen zu müssen. Überzeugen werden hier jene Anbieter, die für ihre Kunden die bestmögliche Lösung bieten bzw. deren Systeme sich flexibel an die Unternehmensanforderungen anpassen lassen.
Ob die Daten dann in eine externe Cloud ausgelagert oder intern vorgehalten und abgewickelt werden, hängt wesentlich von den Sicherheitsvorgaben und Richtlinien des Anwenderunternehmens ab. „Dabei spielen vielerlei Faktoren eine Rolle, z.B. in welcher Branche sich das Unternehmen bewegt, in welchen Ländern es operiert, wie kritisch die Daten für das Unternehmen sind und wie abgeschottet einzelne Fachbereiche agieren“, weiß Jörg Hesske. Datenschutzrichtlinien und andere Compliance-Vorgaben müssten in jedem Fall eingehalten werden.
Möchte ein Großunternehmen seine kritischen Applikationen und individuellen IT-Prozesse, die der Differenzierung am Markt dienen, in einem Cloud-Modell umsetzen, so behält es nur mit einer Private Cloud die absolute Hoheit über seine Daten. „Private Clouds erlauben den agilen und effizienten Betrieb in einer für das eigene Unternehmen isolierten Umgebung“, erklärt Frederik Bijlsma, EMEA Business Unit Manager Cloud bei Red Hat.
Je allgemeiner und weniger schützenswert die Daten und Informationen indes sind, desto eher kommt der Einsatz einer Public Cloud in Frage. Deren größter Nutzen liegt laut Dietmar Meng, Business Manager Geschäftsbereich Server, Tools and Cloud bei Microsoft Deutschland, in der Skalierbarkeit und hohen Performance der Systeme. „Insofern werden Virtualisierung, Standardisierung und Automatisierung sowie Infrastructure as a Service (IaaS) weiter an Fahrt gewinnen, beispielsweise im Kontext von Produktion und Fertigung, um Auslastungsspitzen abzufangen oder kurzfristig große Speicherkapazitäten für Simulationen zur Verfügung zu stellen.“ Office-Anwendungen, die mobiles Arbeiten unterstützen und wenig Customizing erfordern, würden typischerweise ebenfalls über die Public Cloud bezogen.
„Konzerne haben immer sehr große IT-Umgebungen, und die machen es oftmals schwer, IT-Dienste schnell und flexibel zur Verfügung zu stellen“, ergänzt Jörg Hesske von VMware. Gerade im Bereich „Test & Development“ dauere es oft viel zu lange, bis ein Unternehmen eine eigene, abgeschottete Umgebung errichtet habe. Da sei es meist schneller, wenn sie eine externe Umgebung mit ausreichend Speicherplatz mieten. Ein anderes Beispiel: Wenn die Rechenzentrumskapazität erreicht ist und der Kunde vor der Entscheidung steht, das Rechenzentrum (RZ) auszubauen bzw. ein neues zu errichten, wird rasch die Möglichkeit attraktiv, die fehlenden Ressourcen aus Kostengründen über einen Service-Provider zu beziehen.
Laut Klaus Berle von HP haben bereits viele Unternehmen einen hybriden Weg eingeschlagen und setzen auf die Kombination von Private und Public Cloud. Die Marktforscher von Gartner rechnen sogar damit, dass etwa die Hälfte aller Konzerne bis 2017 hybride Umgebungen betreiben werden. Sensible Daten werden hierbei in der privaten Wolke gelagert, während die öffentliche Cloud hilft, Lastenspitzen aufzufangen und kostengünstig Rechenkapazität bereitzustellen. Gleiches bestätigt André Kürten, Partner Account Manager bei der Host Europe GmbH: „Die Hybrid Cloud ist für Unternehmen eine Möglichkeit, ohne größere Investitionen ihre bereits vorhandenen IT-Umgebungen kurzfristig um zusätzliche Ressourcen zu erweitern.“ Der Vorteil dabei sei, dass man zeitlich begrenzt auf große Rechenkapazitäten zurückgreifen könne, die in einer flexibel gestalteten Cloud-Umgebung liegen. Unternehmen können also kostentransparent auf dynamische Anforderungsänderungen reagieren und bleiben somit wettbewerbsfähig.
„Gleichzeitig ist es ihnen wichtig, auch selbst das Know-how zu besitzen, ‚up to date’ zu sein und sich eine gewisse Unabhängigkeit durch Wahlfreiheit des Cloud-Anbieters zu bewahren“, weiß Jörg Hesske. „Bei einem Hybrid-Cloud-Modell können sie selbst entscheiden, welche Bereiche sie auslagern und welche sie inhouse betreiben.“ Wichtig ist hierbei, dass sich die Unternehmen für solche technischen Lösungen entscheiden, die ihnen die versprochene Freiheit und Flexibilität garantieren – dass man z. B. jederzeit ohne größere Probleme seine Systeme von dem einen Cloud-Provider zu einem anderen verschieben kann. Dies ist dann gewährleistet, wenn die Dienstleister mit indus-trieweit verbreiteten Technologieanbietern zusammenarbeiten.
Ein Beispiel für eine Hybrid Cloud ist etwa die Darstellung einer Webseite, die keine hochsensiblen Daten anzeigt. „Der Kunde kann in diesem Beispiel aufgrund schwankender Zugriffszahlen den Ressourcenbedarf nicht vorhersagen“, erklärt Walter Hofmann, Director Cloud Solutions bei Comparex. „Tritt ein Sonderfall ein und die Zugriffe steigen dramatisch, skaliert das System über die Hybrid Cloud und es kommt zu keinen Überlastungen der Webserver.“ Ein gutes Anwendungsszenario ist aber auch „Dev-Test-Prod“ – Entwicklung, Test und Start bzw. Implementierung von Produktivumgebungen. Softwareprogrammierer benötigen einen schnellen, temporären Zugriff auf Entwicklersysteme, einschließlich der Entwicklungsumgebung beim Kunden. Deshalb ist es laut Klaus Berle bereits gang und gäbe, jene Umgebungen per Public Cloud bereitzustellen. Wenn es dann um das Testen und Implementieren einer Software gehe, also Test- und Produktivumgebung gebraucht werden, kämen meist in Private Clouds gehostete Umgebungen zum Einsatz. „Hybride Clouds bedeuten letztlich den größtmöglichen Gestaltungsspielraum und Flexibilität für Unternehmen, die einen Wechsel bzw. ein Zusammenspiel zwischen Private- und Public-Cloud-Szenarien sowie die Integration von On-Premise-Lösungen anstreben“, bringt es Dietmar Meng von Microsoft auf den Punkt. Im Grunde reflektiere die Hybrid Cloud am besten die Realität in den Unternehmen und stehe derzeit auf der Agenda vieler CIOs ganz oben.
Wie groß der Aufwand bei der Migration ist, lässt sich allerdings pauschal nicht beantworten, da er vom jeweiligen Szenario abhängt. „IaaS- an öffentliche Cloud-Umgebungen anzubinden, wird beispielsweise langsam zum Standardverfahren“, bemerkt Peter H. Ganten von Univention, „und ist dadurch relativ einfach und schnell möglich.“ Die sichere und transparente Integration von Cloud-Anbindungen mit der lokalen IT könne hingegen abhängig vom jeweiligen Dienst recht aufwendig sein. „Ohne Wissen über die bestehende Umgebung und Zielinfrastruktur ist der Aufwand der Migration nicht zu ermitteln“, bemerkt indes Mihai Morcan, Leiter Services Deutschland bei Dell Services. „Daten, Anwendungen, das Datenvolumen sowie die geforderten Service-Level tragen zum Aufwand bei, den man ohne dieses Hintergrundwissen nicht pauschal quantifizieren kann.“ Grundsätzlich sei es wichtig, den Aufwand in einem Assessment zu erfassen und in der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mit dem Ist-Zustand zu vergleichen.
Auch beim Datentransport innerhalb einer hybriden Infrastruktur – also etwa von der Private- in die Public-Cloud-Umgebung oder umgekehrt – spielen viele Faktoren eine Rolle: In erster Linie sind das die zur Verfügung stehende Netzwerktopologie, Datenmenge und -typen. „Das alles muss in der Planung berücksichtigt werden“, betont André Kürten von Host Europe. „Nach einer Analyse lassen sich die Unterscheidungsmerkmale der Daten beschreiben, woraufhin wir entsprechende Maßnahmen umsetzen.“
Die Applikationen und Services in einer Hybrid-Cloud-Infrastruktur lassen sich grundsätzlich mit einer Cloud-Management-Plattform (CMP) von einer Private in die Public Cloud und umgekehrt verlagern. „Mit einer CMP können Administratoren die internen und externen Virtualisierungs- und Cloud-Ressourcen steuern und den Workloads zuweisen“, so Frederik Bijlsma von Red Hat. Die Managementplattform müsse dabei in der Lage sein, die zentralen Basistechnologien von den Amazon Web Services über lokale Cloud-Angebote, die KVM-basierte Virtualisierung bis hin zu Openstack und VMware zu integrieren und zu verwalten. Ein weiteres wichtiges Thema neben dem Datentransfer ist die Lizenzverwaltung bei Hybrid Clouds. Allerdings unterscheidet sich diese in hybriden Landschaften nicht grundsätzlich von der in einer traditionellen Infrastruktur. „Wenn Unternehmen bisher die Lizenzen mehrerer Lieferanten und die entsprechend genutzten Mengen im Asset Management verwalten, so haben sie nun zusätzliche Anbieter oder neue Lizenzarten von bestehenden Anbietern, die sie mit den Mengen pflegen müssen“, bemerkt Dietmar Meng von Microsoft. Insofern gewinnen die Automatisierung und die saubere Abbildung von Prozessen inklusive Asset Management an Bedeutung, um in Zukunft die Vorteile der flexiblen Bereitstellung auch nutzen zu können. Die Kosten werden dabei durch die gewünschte Flexibilität bestimmt. Laut Mihai Morcan von Dell Services werden viele Abrechnungen über ein „Pay per use“-Modell abgewickelt. Parallel dazu gebe es verschiedene Abstufungen in der benötigten Flexibilität. „Je genauer der Nutzer seinen Bedarf vorhersagen kann, desto fester kann er buchen und desto preiswerter sind vergleichbare Leistungsinhalte“, erklärt Morcan. „Cloud-Provider bieten hier oft zwei bis drei Abstufungen an. Bei Hybrid Clouds addieren sich Private- und Public-Kosten.“
Jörg Hesske unterscheidet bei den Abrechnungsmodellen zwischen „on premise“ und „off premise“. „Bei einer Hybrid Cloud wird nur das verrechnet, was als externe Kosten bei dem Service-Provider anfällt – also wie bei einem reinen Public-Cloud-Modell“, erklärt er. „Wenn man einheitliche Managementtools einsetzt, entstehen keine weiteren Kosten etwa für das Hin- und Herschieben der Workloads.“
Für Dietmar Meng sind Hybrid Clouds das „Konzept der Zukunft“. Allerdings weist er auch darauf hin, dass offene Schnittstellen und Datenstandards, die für ein Maximum an Flexibilität stehen, in der Cloud unentbehrlich sind. Fehlende Kompatibilität der Lösungen verschiedener Anbieter würde einem Rückschritt gleichen und zu IT-Inseln sowie Datensilos führen. Hier bestehe künftig noch Handlungsbedarf. So sieht es auch Klaus Berle von HP, allerdings bewege sich gerade etwas im Bereich „Standardisierung“: „Openstack setzt sich zunehmend durch – bei Service-Providern und Kunden. Damit wird er zu einer Art Quasistandard, der die Nutzung hybrider Umgebungen effizienter macht.“
Technisch gesehen bietet eine Hybrid Cloud letztlich die Vorteile aus beiden Welten – der Private und der Public Cloud. Doch organisatorisch liege die größte Herausforderung derzeit darin, „dass sich die Menschen, die hinter der internen IT stehen, neuen Angeboten öffnen und damit ihre Erfahrungen machen“, betont Jörg Hesske abschließend. Er setze jedenfalls vollkommen auf die Hybrid Cloud als das künftig dominierende Cloud-Modell. Die Kunst wird es dabei sein, die Bereiche „Private“ und „Public“ zu einer homogenen IT-Umgebung zu verbinden, die zentral verwaltet wird und in der Benutzer keine künstlichen Grenzen spüren.
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