KI erobert die Netzwerktechnik
Die Anforderungen an die Bandbreite in Unternehmensnetzwerken steigen stetig und erschweren die Einführung neuer Technologien. Laut einer Studie von Extreme Networks ist diese These tägliche Realität: Für mehr als die Hälfte (58 %) der Befragten gehören das Management und die Sicherheit von IoT- und mobilen Geräten im Netzwerk zu den größten Herausforderungen. Daher wünschen sich rund 88 % ein einheitliches Netzwerk, das für alle zukünftigen Geräte und Implementierungen geeignet ist. 58 % der Befragten nannten die Integration von KI und Sicherheit in einer Plattform als eine der wichtigsten Funktionen, die sie von einer Cloud-Netzwerkplattform erwarten. Die Ergebnisse verdeutlichen den Bedarf an einfachen, durch moderne Technologien unterstützten Netzwerklösungen.
Ob in der öffentlichen Verwaltung, bei Banken und Versicherungen, im Gesundheitswesen, in der Industrie oder im Dienstleistungssektor: Netzwerktechnologie muss für alle Unternehmen beherrschbar bleiben und einfacher werden. Dass dies möglich ist, darauf weist Nabil Bukhari, CTO & CPO des Technologieanbieters Extreme Networks, hin. Sein Credo lautet: Künstliche Intelligenz nimmt Unternehmen massiv Arbeit ab in Sachen Netzwerkimplementierung, -administration und -verwaltung. Und zwar so, dass sowohl die Netzwerkqualität als auch die Sicherheit weiterhin gewährleistet sind.
Beispiel: Das IT-Team eines Unternehmens ist mit seinen eigentlichen Aufgaben mehr als ausgelastet. Zudem sind insbesondere Prozesse, die nicht regelmäßig auftauchen, nicht fest im Wissen verankert – sei es beispielsweise bei der Konfiguration eines neuen Wi-Fi-Netzwerks oder der Einarbeitung eines neuen Teammitglieds. Das hat zur Folge, dass wertvolle Zeit dafür aufgewendet werden muss, nach entsprechenden Dokumentationen und Richtlinien zu suchen und diese umzusetzen. Anstatt diesen Mehraufwand betreiben zu müssen, fragt der Mitarbeiter das KI-System, was zu tun ist: „Wie konfiguriere ich ein sicheres Wi-Fi-Netzwerk? Oder: Wie vermeide ich bei der Konfiguration einen IP-Adressenkonflikt? Und die KI wird präzise Antwort geben“, sagt Bukhari.
Neben der Validierung der Antwort zeigt eine entsprechende Lösung dem Fragenden auch diejenigen Informationen an, die zur Generierung der Antwort verwendet wurden. „So stellen wir sicher, dass die aktuelle Dokumentation integriert ist, und geben eine Referenz, die überprüft werden kann. Dieses Vertrauen ist entscheidend, damit Nutzer jederzeit nachvollziehen können, was konkret generiert wurde“, so Bukhari. Gleiches gilt natürlich auch, wenn neue Niederlassungen, Filialen, Werke und weitere Standorte sowie neue Geräte in das Netzwerk integriert werden.
Was der CTO & CPO von Extreme Networks mit diesem Beispiel einer generativen KI beschreibt, baut Extreme Networks sukzessive auf und aus: „Mit dem Einsatz von KI in unseren Lösungen haben wir zum Ziel, die Anwendererfahrungen unserer Kunden weiter zu optimieren. Durch KI-basierte Automation können wir den IT-Teams wiederkehrende, zeitraubende Aufgaben abnehmen und gleichzeitig auch Prozesse verbessern, die anfällig für menschliche Fehler sind.“
Die KI eliminiert nach diesem Ansatz schlechte Nutzererfahrungen und setzt positive an ihre Stelle. Extreme Networks taufte dieses Vorgehen „A.R.C.-Framework“, das für „Acceleration, Replacement and Creation“ steht. Das Prinzip: Prozesse werden zuallererst optimiert und beschleunigt und anschließend gegebenenfalls durch automatisierte abgelöst. Der letzte Schritt kann dann sein, auch ganz neue Prozesse durch die Künstliche Intelligenz zu schaffen.
Um im Beispiel der oben genannten Studie zu bleiben, können dies Netzwerke sein, die sich in weiten Teilen autark administrieren und verwalten. Dem technischen Personal kommt dann lediglich noch die Rolle eines Supervisors zu, der die KI überwacht und nur noch selten eingreifen muss – aber jederzeit eingreifen kann.
Die zukunftsweisende Botschaft dabei: Der KI-Einsatz ist dabei nicht allein auf die beschriebenen Automatisierungsfunktionen beschränkt, sondern deutlich weiter gefasst: „Ich bin mir sicher, dass KI in den kommenden Jahren im Sinne des A.R.C.-Frameworks auch in vielen weiteren Bereichen eine entscheidende Rolle spielen und beispielsweise in der Robotik oder im Coding die Grenzen erweitern wird.“
Viele Unternehmen werden gar keine andere Wahl haben, als KI in diesem Sinne einzusetzen. Erster Grund: Die Zahl der Endgeräte und Applikationen steigt stetig in sämtlichen Netzwerkumgebungen. Unternehmen sind deshalb auf mehr Transparenz bei den Geräte- und Anwendungsaktivitäten angewiesen und brauchen eine einfachere Lösung für das Management – und das vom Rechenzentrum bis zum Netzwerkrand. Durch die Künstliche Intelligenz lässt sich die Transparenz von Netzwerk- und Endgeräten steigern. Anwender können damit die Implementierung und das Management von Unternehmensnetzwerken sowie deren Sicherheit optimieren. Eine daraus folgende optimierte Netzwerkleistung und dynamische Bandbreite ermöglichen die Priorisierung kritischer Geräte und die Erkennung von Sicherheitsbedrohungen sowie ein verbessertes Troubleshooting.
Darüber hinaus spielt, zweitens, der Fachkräftemangel eine entscheidende Rolle bei der Forcierung des KI-Einsatzes. „Die gesamte IT-Branche steht schon seit einiger Zeit vor der großen Herausforderung, geeignetes Personal zu finden. Ein Beispiel sind Entwickler. Insbesondere im Hardwarebereich sehen wir, dass die frisch ausgebildeten IT-Kräfte sich heutzutage eher der Software- statt der Hardwareentwicklung widmen“, berichtet der Experte.
Dieser Fachkräftemangel führt dazu, dass sich viele der Herausforderungen, mit denen IT-Teams bereits heute konfrontiert sind, in den kommenden Jahren weiter verschärfen werden. Low-Code und No-Code waren sozusagen erste „Boten“ dieses notwendigen Trends, KI ist gewissermaßen der Turbo. Es ist eine notwendige Beschleunigung der Automatisierung, die dafür sorgt, dass sich die ohnehin knappen Personalressourcen zielgerichteter einsetzen lassen.
Fazit: Mit dem richtigen Einsatz von Künstlicher Intelligenz werden Netzwerke einfach und besser – in jeglicher Hinsicht. Allein aus Eigeninteresse sollten sich Unternehmen frühzeitig damit befassen.
Bild: MJH Shikder / Pixabay