Philipp Benkler, Geschäftsführer bei Testbirds
IT-DIRECTOR: Herr Benkler, wie funktioniert das Testen von Software im Rahmen des so gennanten „Crowdsourcing“?
P. Benkler: Prinzipiell kann jeder Tester werden. Man benötigt lediglich einen Computer, ein Smartphone oder ein Tablet. Nach der Anmeldung müssen neue Tester allerdings einen Qualifikationstest durchlaufen. Aus Sicht des Kunden werden dadurch sämtliche Endgeräte und Systemkombinationen sowie spezielle Nutzergruppen bereits während der Entwicklung verfügbar. Für die nötige Qualität sorgt der zuständige Projektmanager aus unserem Team, der Birdmaster.
IT-DIRECTOR: Welchen Ansporn haben private Nutzer, sich in ihrer Freizeit als Softwaretester zu betätigen?
P. Benkler: Apps und Webseiten sind Teil unseres Alltags. Umso ärgerlicher ist es, wenn Fehler auftreten oder die Benutzerführung enttäuscht. Als Softwaretester hat man die Möglichkeit, direkt und aktiv für bessere Ergebnisse zu sorgen. Jeder Tester erhält eine fixe Vergütung pro Test. Dadurch geht niemand leer aus und wer zusätzlich viele Bugs findet, kann seinen Gewinn nochmals steigern.
IT-DIRECTOR: Welche Applikationen sind besonders für ein Testverfahren geeignet?
P. Benkler: Eigentlich alle, die über das Internet erreichbar sind. Dazu gehören mobile Apps, Games, E-Commerce-Shops, Facebook-Apps, Portale und vieles mehr. Das Testen im Unternehmensumfeld erfordert eine etwas andere Herangehensweise. Durch speziell entwickelte Sicherheitsmaßnahmen bieten wir aber auch hier praktikable Möglichkeiten.
IT-DIRECTOR: Welche Funktionalitäten bzw. Programmsprachen können getestet werden?
P. Benkler: Die Anwendungen werden aus Sicht der Nutzer getestet. Daher ist die Art der Programmierung erst einmal zweitrangig. Es stehen vielmehr zwei Bereiche im Vordergrund: Usability und Funktionalität. Dabei geben spezifische Zielgruppen Feedback zur Benutzerfreundlichkeit und finden Bugs auf unterschiedlichsten Plattformen. Dabei reicht die Testerfahrung vom Neuling bis hin zum hauptberuflichen Qualitätsexperten.
IT-DIRECTOR: Welche Fehler sind am häufigsten?
P. Benkler: Grundsätzlich klassifizieren unsere Projektmanager die meisten Bugs mit dem Schweregrad „Mittel“. Bei Onlineshops sind beispielsweise Probleme mit der Suchfunktion an der Tagesordnung. Kritische Fehler, z.B. beim Check-Out-Prozess, treten glücklicherweise seltener auf, sind dafür aber umso gravierender.
IT-DIRECTOR: Ist ein Fehler gefunden, muss dieser auch behoben werden – wie läuft diese Korrektur ab?
P. Benkler: Die Umsetzung der Ergebnisse, also die Fehlerbehebung sowie eventuelle Anpassungen hinsichtlich der Usability, erledigt der Kunde selbst. Letzteres unterstützen wir durch konstruktive Handlungsempfehlungen in Form eines ausführlichen Abschlussberichts. Bugs werden von den Testern akribisch dokumentiert und stehen dem Entwickler zum Export in das jeweilige System zur Verfügung. Genaue Beschreibungen sowie Screenshots oder Screencasts gewährleisten hierbei die notwendige Nachvollziehbarkeit. Als weiteres Qualitätsmerkmal haben wir das Testbirds-Bug-Approval-Tool entwickelt. Dabei überprüfen alle Tester die gefundenen Bugs ihrer Kollegen auf den eigenen Geräten. Somit lässt sich erkennen, ob ein bestimmter Bug systemspezifisch oder aber systemübergreifend auftritt.
IT-DIRECTOR: Was passiert, wenn der Kunde für seine Applikation einmal keine Resonanz seitens der Tester erhalten sollte?
P. Benkler: Bisher haben die Nutzer und Spezialisten in jeder Applikation mindestens eine zweistellige Anzahl an Bugs gefunden. Zudem erstellt jeder Tester einen Bericht. Dieser dient der Kontrolle und enthält ein spezifisches Feedback in Anlehnung an die Testbeschreibung. Auch negative Aspekte hinsichtlich der Benutzerführung oder fehlender Funktionen werden dort vermerkt. Oftmals mit hoher Übereinstimmung.
IT-DIRECTOR: Wie teuer ist der Service? Gibt es spezielle Paketpreise?
P. Benkler: Die Tests variieren stark hinsichtlich Umfang, Inhalt und Anforderungen, wobei wir auch auf spezifische Kundenanforderungen eingehen. Paketpreise gibt es daher nicht. Bei Interesse machen wir im Anschluss an ein kurzes Gespräch ein individuelles Kennenlernangebot.
Definition Crowdsourcing
Beim Crowdsourcing handelt es sich um eine spezielle Form des Outscourcing von Unternehmensaufgaben. Firmen oder andere Institutionen rufen z.B. über elektronische Medien die Masse (Crowd) der Internetnutzer dazu auf, an einer bestimmten Problemstellung mitzuarbeiten. Dies kann z.B. im Bereich der Produktinnovation oder der Ideengenerierung geschehen. Einer der Bereiche, in denen ein Crowdsourcing erfolgreiche Ergebnisse erzielen kann, ist das Testen von Apps, Onlineshops oder Webseiten. Hier spricht man in der Regel von einem so genannten Crowdtesting.
Quelle: www.itwissen.info