Helge Lüthgens verantwortet seit drei Jahren das Systems-Engineering-Team in der DACH-Region.
ITD: Herr Lüthgens, welche Rolle sollten Daten anno 2023 für Unternehmen spielen?
Lüthgens: Firmen sollten Daten untersuchen, um aus den Daten Informationen zu ziehen, die den Firmen dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. Wer datenzentrisch handelt und strukturiert Wissen aus seinen gesammelten Datenbeständen ziehen kann, wird sehr wahrscheinlich qualifizierter und schneller agieren können als die Konkurrenz – und damit erfolgreicher sein.
ITD: Woher kommen die großen Datenmengen in der Regel?
Lüthgens: Die großen Datenmengen stammen aus den unterschiedlichsten Quellen, lassen sich aber in mehrere Kategorien einteilen. In Datenbanken werden die Informationen nach festen Regeln strukturiert abgelegt, ihr Inhalt ist oft klar, wie bei Kundendatenbanken. Unstrukturierten Daten fehlt diese Ordnung, sie können alle möglichen Formen haben, angefangen bei Excellisten über Word-Dokumente oder Videos und Bilder. Ihre Inhalte sind vielfältig und oft unklar. Den wahren Inhalt von mehr als der Hälfte der unstrukturierten Daten kennen Firmen in der Regel nicht.
ITD: Inwieweit und wofür machen sich Großunternehmen Big Data schon effektiv zunutze?
Lüthgens: Bei rein digitalen Angeboten wie dem E-Commerce oder Streaming wird Big Data bereits intensiv genutzt. Plattformen werten aus, was den Kunden gefällt, und ihnen werden ähnliche Produkte oder Inhalte vorgestellt. Aber auch in der Medizin oder Logistik werden massenhaft Daten analysiert, um Transportrouten zu optimieren oder die Entwicklung neuer Heilmittel zu beschleunigen.
ITD: Mit welchen Herausforderungen ist die Verarbeitung von Big Data verbunden?
Lüthgens: Die Menge der Daten nimmt massiv zu, im Schnitt um 50 Prozent pro Jahr. Zugleich nehmen ihre Komplexität und Qualität ab. Diese Daten also vorab intelligent zu filtern und zu bereinigen, wird täglich anspruchsvoller. Greifen Firmen intensiv auf personenbezogene Daten zurück, müssen sie strenge Compliance-Vorgaben wie die DSGVO einhalten und diese Daten ausgiebig schützen.
ITD: Welche Rolle spielen dabei z.B. die unstrukturierten Daten?
Lüthgens: Die meisten Firmen wissen nicht, welche Informationen in ihren unstrukturierten Daten stecken. Die Bandbreite ist enorm. Darin können sich Katzenvideos oder die letzten Menüs der Weihnachtfeier verbergen oder ganze Listen von Kreditkarten von Kunden, Forschungsergebnisse oder Kopien von Einkaufsprofilen von Kunden, die sich für Big-Data-Analysen eignen würden. Diese Daten müssen nicht nur bereinigt werden, um Big Data effizienter zu betreiben. Firmen sollten sie analysieren, um ihr Compliance-Risiko einzudämmen.
ITD: Mit welchen Technologien/Tools/Lösungen lassen sich große Datenmengen effizient verwalten/analysieren?
Lüthgens: Jede Analyse von Daten in der Produktion wird den Arbeitsalltag der Mitarbeiter und ihre Produktivität beeinflussen. Daher sollten Unternehmen die Daten auf einer Datenmanagement-Plattform analysieren, die jeden Tag aus Gründen der Widerstandsfähigkeit (Resilience) Kopien der Daten erstellt. Diese Kopien werden dann automatisiert untersucht und klassifiziert, ohne dass auch nur ein Produktionsserver mit dieser aufwändigen Analyse konfrontiert wird.
ITD: Welche Rolle spielt dabei Künstliche Intelligenz (KI)?
Lüthgens: KI spielt eine Schlüsselrolle, um die Inhalte sehr genau und damit richtig einzustufen. Denn was hilft eine automatisierte Analyse von einer Million Files, wenn am Ende zehntausende Dokumente von Dutzenden oder Hunderten von Mitarbeitern manuell nachgefasst werden müssen. Die KI kann die Klassifizierung massiv verbessern und wird dank der eigenen Lernfähigkeit mit jedem Arbeitsschritt besser.
ITD: Wer ist im Unternehmen in der Regel für die Daten verantwortlich?
Lüthgens: Das hängt von den Aufgaben der Mitarbeiter ab. Die Business-Verantwortlichen wollen mit den Daten arbeiten, während der Datenschutzbeauftragte darauf achtet, dass dabei die Gesetze beachtet werden. Die IT-Abteilung wiederum kümmert sich darum, dass die Daten vor menschlichen Fehlern, ausfallenden Geräten oder Hackern sicher bleiben.
ITD: Datenkompetenz als Schlüsselfähigkeit: Inwieweit investieren Unternehmen in die eigenen Mitarbeiter, um sie im Umgang mit Daten zu schulen?
Lüthgens: Die meisten Schulungen konzentrieren sich darauf, mit Daten sicher umzugehen. Viele der Trainings fokussieren sich dabei auf Fragen der Sicherheit und der Compliance. Welche Daten darf ich mit wem teilen, auf welchen Speicher ablegen? Spezifische Big-Data-Trainings sind oft in den Abteilungen wie Marketing angesiedelt, die mehr Wissen aus ihnen ziehen wollen, Stichwort „Kaufverhalten von Kunden“.
ITD: Inwieweit werden sich Big Data und ihr Stellenwert in den kommenden Jahren verändern?
Lüthgens: Daten zu managen und zu sichern, wird noch wichtiger werden, da immer mehr KI-getriebene Big-Data-Maschinen entwickelt werden. Diese Maschinen sind extrem datenhungrig und wollen auf so viele externe wie interne Datenquellen wie möglich zugreifen. Firmen werden Wege finden müssen, wie sie diese Künstlichen Intelligenzen kontrollieren und im Zaum halten können. Es wird wichtig werden, KI verantwortungsvoll und nach Governance-Prinzipien zu betreiben.
Bildquelle: Cohesity