Olaf Hagemann, Pre-Sales Director DACH bei Extreme Networks
IT-DIRECTOR: Herr Hagemann, bitte definieren Sie für unsere Leser ein „Software Defined Network, SDN“.
O. Hagemann: Software Defined Networking (SDN) zählt aktuell zu den großen Trendthemen, für das verschiedene Definitionen in Umlauf sind. Der gemeinsame Nenner aller Definitionen ist, dass beim SDN ein programmatisches Interface angeboten wird, das mittels einer zentralisierten Komponente die Netzwerkinfrastruktur konfiguriert und mit anderen IT-Systemen orchestriert.
IT-DIRECTOR: Was genau sind die wichtigsten Unterschiede zwischen SDN und bisherigen, herkömmlichen IT-Infrastrukturen?
O. Hagemann: Wir sehen grundsätzlich drei wesentliche Einsatzfelder für SDN:
IT-DIRECTOR: Welche Vorteile ergeben sich hieraus für die Anwenderunternehmen?
O. Hagemann: Wir glauben, dass der größte Vorteil von Software Defined Networks im Einsparpotential operativer IT-Kosten sowie in der Erhöhung der Agilität der IT steckt. Letztlich geht es beim Aufbau von SDNs darum, Netzwerke zentraler zu verwalten, die Konfiguration der Infrastruktur über die Applikationsintegration zu automatisieren und die gesamte IT-Infrastruktur zu orchestrieren. Unternehmen profitieren schon heute von mehr Effizienz im Netzwerk, einer verbesserten IT-Agilität und den vielfältigen Analysemöglichkeiten.
IT-DIRECTOR: Was sollten IT-Verantwortliche berücksichtigen, wenn sie von herkömmlichen Netzwerkkonzepten auf ein SDN umsteigen wollen?
O. Hagemann: Unternehmen sollten bei SDN-Konzepten nicht blindlings dem Trend folgen, sondern mithilfe von Experten die Vorteile der Architektur und des Konzepts auch im Hinblick auf den Kosten-Nutzen-Aspekt genau abwägen. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass sich SDN-Architekturen weiter durchsetzen und neue Services im Netzwerk forcieren werden.
IT-DIRECTOR: Mit welchen Aufwänden (z.B. Hard- bzw. Softwareanschaffungen, Zeit, Ausbildung) ist der Aufbau eines SDN verbunden?
O. Hagemann: Das hängt stark von der vorhandenen Infrastruktur ab und inwieweit diese bestehen bleiben oder erneuert werden soll – damit steht und fällt der Aufwand. Zeit muss vor allem in eine gute Planung eines SDN gesteckt werden, denn nur dann profitiert man am Ende auch von den zahlreichen Vorteilen.
IT-DIRECTOR: Wie lassen sich Systembausteine verschiedener Hersteller in einem SDN nutzen? Inwieweit ist das überhaupt sinnvoll?
O. Hagemann: Sinnvoll ist eine hybride Architektur für den Aufbau eines SDN: Das Management von Flows, der Topologien und Routingentscheidungen wird dezentral getroffen. Die Servicedefinition erfolgt hingegen zentral und wird auf alle Komponenten im Netz verteilt. Über Northbound-APIs erfolgt dann die Integration mit anderen IT-Applikationen. Dadurch ergeben sich die Vorteile der SDN-Architektur: Sicherheit, Stabilität und Skalierbarkeit.
IT-DIRECTOR: Welche Standards spielen im SDN-Umfeld eine Rolle? Wie ist es generell um Offenheit und Interoperabilität bestellt?
O. Hagemann: Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Jahren mehr Anwendungen mit Traffic Engineering vorgestellt werden. Die Interoperabilität zwischen allen Herstellern und Lösungen weist jedoch starke Lücken auf, da große Teile einer SDN-Architektur und deren Schnittstellen heute nicht standardisiert sind. Das Openflow-Protokoll als eventuelle Schnittstelle ist aktuell ebenfalls nicht ausreichend für eine Gesamtarchitektur, die auch noch skalieren muss.
IT-DIRECTOR: Wie können SDN-Umgebungen sicher gemacht werden? Auf welche Sicherheitslücken sollte man besonders achten?
O. Hagemann: Durch Integration offener Schnittstellen kann heute einiges mit SDN erreicht werden: Indem man neue Services wie etwa anwenderbasierte Zugangslösungen oder standortabhängige Webfilteranwendungen, Web-Proxydienste sowie URL-Filter ins Netzwerk integriert und automatisch ausführt. Mobile Geräte können über Mobile-Device-Managementlösungen unkompliziert und ohne Aufwand integriert werden.
IT-DIRECTOR: Worauf gilt es, bei Konfigurationen und Aktualisierungen im SDN besonders zu achten?
O. Hagemann: Achten sollte man auf die Programmierbarkeit, dem Kernthema von Software Defined Networks sowie eine zentrale Schnittstelle, die typischerweise XML-basiert ist, um die Netzwerkkonfiguration zentral zu steuern, ohne jedoch Details vom Netz kennen zu müssen. Durch diese Funktion können neue Dienste schnell ins Netz gebracht und der Netzbetrieb massiv automatisiert werden. Somit erlangt man mehr Visibilität, Kontrolle und somit auch Sicherheit im Netz.