Andreas Stein, Dell Services
Rund fünf Jahre macht sich die IT-Welt nun über Cloud Computing Gedanken. Sachlich dürfte mittlerweile alles gesagt sein und ein halbes Jahrzehnt ein passender Anlass nachzufragen, was eigentlich seither erreicht wurde, was nicht und was man hätte erreichen können.
Einige der Visionen aus der Anfangszeit, die darauf abzielten, dass die Unternehmen ihre eigene IT abschalten und nur noch in der öffentlichen Cloud arbeiten würden, haben sich als überzogen erwiesen. Das wird im Cloud Computing auf absehbare Zeit die Ausnahme bleiben, und die IT hat sich keinen Gefallen damit erwiesen, solche Szenarien anfangs vielleicht ein wenig zu intensiv auszubreiten. Viele potentielle Anwender wurden von dieser dogmatischen Vision irritiert und letztlich abgeschreckt. Und dass diese Vision insbesondere für IT-Leiter wenig attraktiv war, ist nachvollziehbar. Dabei müssen sie doch das personelle Rückgrat des Cloud Computing stellen.
Mittlerweile hat sich jedoch herumgesprochen, dass Cloud Computing viele Gesichter hat. Es dauerte länger, als man ursprünglich hätte erwarten können, bis das Modell auch im Verständnis der Unternehmen so ausdifferenziert war – etwa hinsichtlich Private oder Public Cloud oder der Nutzung von Infrastruktur- oder Softwareservices –, dass jeder erkannte, wie er damit seinen individuellen Vorteil realisieren kann. Nun aber laufen überall zumindest Pilotprojekte, und insbesondere für 2012 kann man feststellen, dass die Vorhaben der Unternehmen ambitionierter werden. Cloud Computing hat den Schrecken des „Alles muss anders werden“ verloren. Pragmatische Hybridlösungen, die das Beste der Wolke mit herkömmlichen On-premise-Ansätzen verbinden, setzen sich gegen das Alles-oder-nichts-Prinzip durch.
Unterschätzt hat man in der IT-Welt anfangs wohl auch die Herausforderung, die sich für das Cloud Computing aus dem Datenschutz ergibt. Vor allem im letzten Jahr wurden die rechtlichen Fragen heiß diskutiert, etwa, ob es überhaupt zulässig sei, globale Rechenzentren zu nutzen, oder ob zumindest personenbezogene Daten immer im eigenen Land gehalten werden müssten. Hier haben sich die Gemüter offenbar wieder etwas beruhigt.
Ein positiver Effekt ist, dass die Debatte die Sinne der IT für Datenschutz geschärft hat. Fragen nach dem Ort der Datenhaltung werden jetzt in Verhandlungen gestellt. Sie können von den Cloud-Anbietern heute im Allgemeinen auch beantwortet werden und finden Eingang in die Service Level Agreements. Dass solche Vereinbarungen auch künftig nicht für jedes Angebot möglich sind, insbesondere im Bereich Public Cloud, liegt in der Natur der Sache. Hoch standardisierte, fertig konfigurierte und damit schnell einsetzbare Lösungen können und wollen nicht jeden Bedarf abdecken. Dafür hat sich ja eine differenzierte Cloud-Landschaft herausgebildet, und Firmen können bei sensibler Datenlage auf entsprechende Privat-Cloud-Angebote zurückgreifen.
Man hat vor fünf Jahren im ersten Eindruck eines faszinierenden Konzeptes sicher manche Fragestellung unterschätzt. Die Lernphase dauerte daher recht lang; dabei hat man sich aber mit vielen Problemen sehr gründlich auseinandergesetzt, mit Problemen, die den Anwendern später nicht mehr auf die Füße fallen werden. Und eines sollte man dabei nicht aus den Augen verlieren: Es ist ein Konzept, das uns noch lange begleiten wird. Da muss man die Implementierung nicht überstürzen.