Die Cloud-Migration ist ein zentraler Baustein der Digitalisierung.
82 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen laut „Cloud-Monitor 2021“ von Bitkom und KPMG inzwischen Cloud-Dienste. Das ist kaum verwunderlich, denn die Auslagerung von Daten und Anwendungen in die Cloud verspricht viele Vorteile: erhöhte Flexibilität und Skalierbarkeit, mehr Sicherheit, eine höhere Geschäftskontinuität sowie weniger Kosten. Doch um das Potenzial der Cloud voll auszuschöpfen, muss die Migration sorgfältig geplant sein. Sich etwa nur auf die Senkung von Kosten zu fokussieren, kann ein Migrationsprojekt rasch zum Scheitern bringen.
Der größte Stolperstein liegt bereits ganz am Anfang eines Migrationsprojekts. „Wenn die Anforderungen unvollständig definiert werden, ist ein Scheitern so gut wie vorprogrammiert“, warnt Jasper Klein, Head of Technology bei Cronon. „Viele Unternehmen konzentrieren sich zu sehr auf Ressourcen und Performance, dabei muss alles auf den Tisch: von der Anwendungsentwicklung über Zugriffsrechte bis zur Netzwerkanbindung, von der Risikoanalyse bis zum Disaster-Recovery-Plan.“ Da vor allem große Unternehmen in der Regel eine Vielzahl an unterschiedlichen Software-Lösungen nutzen, sollte neben der Wahl des passenden Cloud-Modells zunächst der Cloud-Readiness-Check im Mittelpunkt stehen. „Hierbei lohnt sich ein umfangreiches Assessment der bestehenden Infrastruktur, welches im Idealfall mithilfe von externen Experten durchgeführt wird“, erklärt Alexander Wallner, CEO bei Plusserver. Dabei geht es zum einen um die Frage, welche Daten und Prozesse in der Cloud vorgehalten bzw. betrieben werden sollen. Zum anderen muss evaluiert werden, inwiefern die eigenen Mitarbeiter über die entsprechende Expertise verfügen, um nicht nur die Cloud selbst, sondern auch die entsprechenden Anwendungen in dieser verwalten zu können. „Die Vorteile der Cloud – allen voran Performance und Skalierung – können nur dann ausgeschöpft werden, wenn die richtigen IT-Kapazitäten und das nötige Know-how vorhanden sind“, so der Experte.
Gerade bei einer komplexen Software-Landschaft ist es unabdingbar, den „Cloudifizierungsgrad“ zur bestmöglichen Nutzung zu ermitteln. Darin enthalten ist die Antwort auf die Frage, in welchen Unternehmensteilen oder Applikationsbereichen der Einsatz strategisch oder wirtschaftlich sinnvoll ist. „Das Ergebnis wird vermutlich nicht überraschen: Es wird Unternehmensbereiche geben, in denen der Einsatz von Legacy-Systemen weiterhin sinnvoll sein wird“, erklärt Christian Scholz, Vice President Business Transformation bei Arvato Systems. „Auf der anderen Seite werden sich Bereiche identifizieren lassen, die über die Migration in die Cloud oder deren Abbildung über Cloud-native Services Vorteile für das Geschäft generieren werden.“ Gerade bei gewachsenen IT-Landschaften kann eine Cloud-Migration oft auch als Chance genutzt werden, um die Unternehmens-IT zu transformieren und zu verschlanken. „Virtualisierung auf allen Ebenen, Containerisierung und der Einsatz von Kubernetes erleichtern z.B. nicht nur die Migration in die Cloud, sondern sorgen auch für einen Effizienzschub, mit dem die Vorteile der Cloud viel besser ausgeschöpft werden können“, betont Jasper Klein.
Neben der Prüfung des Cloud-Reifegrads müssen auch die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Systeme abgewogen werden. „Wir empfehlen unseren Kunden hier, zunächst eine Hybrid-Cloud-Strategie zu verfolgen“, meint Alexander Wallner. Dieser Ansatz sei gerade für große Unternehmen mit komplexen Software-Landschaften die „verträglichere“ Option, um die eigene Infrastruktur optimal auf die Cloud vorzubereiten. „Zudem wird damit der Realität Rechnung getragen, dass die meisten Unternehmen in Deutschland eben nicht ,cloud born‘ sind, sondern über eine entsprechende Legacy verfügen. Anwendungen, die nicht ohne Weiteres in die Cloud migriert werden können und gleichzeitig für das operative Tagesgeschäft entscheidend sind, lassen sich so weiter nutzen und gegebenenfalls parallel zu neuen Cloud-nativen Anwendungen betreiben“, erklärt Alexander Wallner.
Public Clouds bieten unbestreitbar Vorteile, vor allem hinsichtlich schneller Skalierbarkeit. Und es gibt viele Anwendungen und Daten, bei denen auch nichts dagegenspricht, diese Vorteile zu nutzen. „Durch Multi-Cloud-Szenarien, also den Einsatz mehrerer Public Clouds, können Unternehmen gezielt von den spezifischen Stärken der verschiedenen Anbieter profitieren“, betont Tobias Gerlinger, CEO und Managing Director von Owncloud. Gehe es allerdings um sensible und unternehmenskritische Daten, sehe es etwas anders aus. „Sie sind in einer Private Cloud, die Unternehmen selbst kontrollieren können, besser aufgehoben, denn eine Kompromittierung kann dem Unternehmen großen Schaden zufügen, bis hin zur existenziellen Bedrohung“, mahnt Gerlinger. Um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden, setzen immer mehr Unternehmen auf hybride Modelle. Der vermeintliche Nachteil eines höheren Betriebsaufwands kann durch Managed Services, also die Auslagerung des Betriebs an spezialisierte Dienstleister, kompensiert werden.
Alexander Wallner ist überzeugt, dass die Hybrid Cloud letztlich nur ein Zwischenschritt auf dem Weg in ein Multi-Cloud-Szenario sein wird. Letzteres, also die Kombination aus Lösungen der Hyperscaler und lokalen Cloud-Angeboten, würde den Markt in ein paar Jahren dominieren. „Sie bieten den Kunden das Beste aus Performance, Skalierbarkeit und – bei der Kombination mit lokalen Cloud-Lösungen aus Deutschland – Sicherheit“, betont Wallner. Richtig aufgesetzt erlaube ein Multi-Cloud-Set-up zudem maximale Flexibilität. „Kunden können ihre Daten und Anwendungen dann stets dort hinbewegen, wo sie die besten Ergebnisse erzielen. Im Grunde werden Unternehmen durch die Multi-Cloud somit datensouverän.“
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Angesichts der starken Zunahme von Cyberbedrohungen hat die Sensibilität für das Thema „Sicherheit“ bei den Unternehmen zuletzt immer weiter zugenommen. Jasper Klein sieht in der Cloud-Migration aber kein erhöhtes Sicherheitsrisiko für Unternehmensdaten. Die Erfahrung zeige, dass meist nicht die Cloud-Infrastruktur selbst das Einfallstor sei, sondern Sicherheitslücken in den Applikationen oder unzureichend geschützte Log-ins der eigenen Administratoren. „Deshalb sollten Unternehmen in der Cloud das Prinzip der geteilten Verantwortung unbedingt ernst nehmen und geeignete Maßnahmen zum Schutz ihrer Daten, wie Netzwerksegmentierung, Patch Management, Web Application Firewall oder auch starke Authentifizierung, von Anfang an in die Planung aufnehmen“, empfiehlt der Cronon-Experte.
Die Cloud kann im Ernstfall sogar dazu beitragen, dass geschäftskritische Anwendungen selbst im Fall von Stromausfällen, Cyberangriffen oder Naturkatastrophen weiter für Unternehmen verfügbar bleiben. „Die Cloud macht Notfalllösungen für eine Business Continuity für viele Unternehmen überhaupt erst erschwinglich“, sagt Jasper Klein. Zum einen sorgen viele Cloud-Provider selbst bereits für einen hochverfügbaren Betrieb in verschiedenen Brandabschnitten mit redundanter Strom- und Internetanbindung. „Die Cloud ist aber auch ein preiswerter Speicher für Offsite-Backups und replizierte Daten und Anwendungen, die im Krisenfall mittels moderner Disaster-Recovery-Lösungen im virtuellen Ersatzrechenzentrum in der Cloud wiederhergestellt werden können“, erläutert der Cronon-Experte. Hier spiele die Cloud erneut ihre Stärken hinsichtlich Performance und Skalierbarkeit aus, meint auch Alexander Wallner: „Mit Disaster Recovery as a Service (DRaaS) und Backup as a Service (BaaS) muss man sich keine Gedanken mehr über Festplatten und deren sichere Verwahrung machen. Das Backup wird regelmäßig in einem entfernten sicheren Cloud-Speicher abgelegt und kann in einem möglichen Krisenfall schnell genutzt werden, um eine Geschäftsfortführung zu gewährleisten.“
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