Kommentar

Die richtigen Fragen stellen, die passenden Lösungen finden

Im Kommentar erläutert Oliver Lucas, Mitgründer und geschäftsführender ­Gesellschafter der Ecom Consulting GmbH, warum Händler an der Automatisierung von Prozessen nicht vorbeikommen, wenn sie langfristig überleben möchten.

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„Wer den knallharten Wettbewerb überleben will, muss seine Prozesse und bestehende Systeme hinterfragen“, betont Oliver Lucas.

Im E-Commerce ist der Wettbewerb mittlerweile knallhart. Hunderte von ­Anbietern verkaufen auf Hunderten von Kanälen vergleichbare Produkte. Die Konkurrenz ist meist nur einen Klick weit weg. Wer hier erfolgreich wirtschaften will, braucht bestmögliche Prozess­effizienz. Ein Grund ist der Kunde. Verwöhnt von Amazon und Co. sehen es die meisten Verbraucher als Selbstverständlichkeit an, dass Produkte, die sie bis 17 Uhr bestellen, am nächsten Tag an ­ihrer Haustür zugestellt werden. Für den Händler allerdings ist ein solcher Service nicht selbstverständlich. Damit es funktioniert, müssen Händler ihre Fulfillment-Prozesse im Griff ­haben. Eine zuverlässige Auslieferung setzt voraus, dass die ­eigenen Systeme auch zuverlässige Bestandsdaten zur Verfügung stellen. Und auch die Durchlaufzeiten im Lager können nur gut sein, wenn die Daten schnell ­bereitstehen. Der Teufel steckt hier im Detail.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Doch nicht nur mit Blick auf den Kunden ist Prozess­effizienz wichtig. Auch Kostengründe sollten die Anbieter dazu drängen, ihre Prozessketten zu optimieren und damit ihre Margen zu schonen. Langfristig werden nur die Händler überleben, die ihr Geschäft wirtschaftlich betreiben und Skaleneffekte realisieren, sodass die Abwicklung der nächsten 10.000 Aufträge günstiger wird als die der ersten 10.000. Um von ­solchen Skaleneffekten zu profitieren, müssen Händler Arbeitsweisen und Aufgaben ihrer Mitarbeiter insbesondere im administrativen Umfeld kontinuierlich hinterfragen und optimieren: Wo übernehmen Mitarbeiter beispielsweise Stapelarbeit? Wo müssen Mitarbeiter ­außerhalb von Systemen Daten manipulieren? Für viele dieser Anwendungsfälle gibt es heute geeignete und ­bezahlbare Systeme, die diese Prozesse automati­sieren. Händler müssen dazu ihre eigenen Anforderungen konkreti­sieren und die mit Sachverstand aus­gewählten Lösungen sinnvoll in das bestehende Setup integrieren.

Nicht planlos starten

Wer seine Abwicklung systemseitig gut unterstützt, kann seine Prozesskosten analysieren und herausfinden, welche Prozesse, aber auch welche Produktgruppen, Vertriebskanäle oder Auftragsstrukturen zu viel Geld verbrennen. Ein Beispiel: Bestimmte Artikel im Sortiment müssen als Lang- oder Sperrgut verschickt werden – dem Preismanagement ist das aber nicht bewusst. Der Kunde zahlt dafür also die üblichen Portokosten in Höhe von 3,95 Euro, aber die tatsäch­lichen Versandkosten liegen bei 8,95 Euro. Bei jedem Kauf verliert der Händler faktisch fünf Euro. Wer seine Daten richtig liest, kann die entsprechenden Schlüsse ziehen und entweder beim Pricing, bei den Prozessen oder dem Sortiment nachjustieren.

In der Praxis allerdings ist leider immer wieder zu beobachten, wie Unternehmen mit ihrer Digitalisierung naiv bzw. mehr oder weniger planlos starten und dann ins Schwitzen geraten. Besser wäre es, sich gleich zu Beginn die richtigen Fragen zu stellen und dafür dann die richtigen Lösungen zu ­suchen.

Bildquelle: Ecom Consulting GmbH

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