Vom Zahlenschieber zum Sparrings-Partner

„Die Rolle des CFO hat sich gewandelt“

Henner Heistermann, Gründer und Geschäftsführer der Nitrobox GmbH, ist im Interview der Ansicht, dass es ohne die richtigen Tools heute fast unmöglich ist, sämtliche Finanzen im Blick zu behalten.

Henner Heistermann, Nitrobox

Zuvor gründete Henner Heistermann die E-Commerce-Beratung Shopstrategen und entwickelte mit seinem Team digitale Geschäftsmodelle für namhafte Konzerne.

ITD: Herr Heistermann, wie ist es in Anbetracht aller derzeitigen Krisen um die IT-Budgets in Großunternehmen bestellt?
Heistermann: In diesem Jahr haben wir bei den meisten unserer Kunden noch kaum Kürzungen der IT-Budgets gesehen. Mit Ausblick auf das kommende Jahr haben einige Unternehmen allerdings schon Budgetstreichungen angekündigt. Dies betrifft leider häufig Innovationsprojekte mit ungewissem ROI.

ITD: Inwieweit haben die Unternehmen – den Krisen zum Trotz – in diesem Jahr IT-Großprojekte in Angriff genommen?
Heistermann: In unserem Umfeld, also der Monetarisierung und vor allem Abrechnung digitaler Geschäftsmodelle, sehen wir zwei Arten von Projekten: diejenigen, die größere Effizienzsteigerungen versprechen, und diejenigen, die zusätzliche Umsatzquellen eröffnen.

ITD: Ab wann empfiehlt es sich, einen Posten wie den des Chief Financial Officer (CFO) zu besetzen, um die Finanzen im Blick zu behalten?
Heistermann: Die Rolle des CFO hat sich in den letzten Jahren massiv gewandelt, weg vom „Zahlenschieber“ und hin zum strategischen Sparrings-Partner und Enabler. Ein Beispiel: Wir treffen immer wieder auf progressive Finanzverantwortliche, welche die Richtung des Unternehmens maßgeblich beeinflussen und die Strategie mittels passender Daten, Systeme und Finanzierungen vorantreiben. Daher kann es aus unserer Sicht kaum zu früh sein, einen CFO-Posten zu schaffen.

ITD: Inwieweit können auch Tools/IT-Lösungen dabei helfen, sämtliche Finanzen im Blick zu behalten?
Heistermann: Ich würde sogar behaupten, dass es ohne die richtigen Tools heute fast unmöglich ist, sämtliche Finanzen im Blick zu behalten. Insbesondere die Komplexität moderner Geschäftsmodelle erfordert eine entsprechend ausgefeilte IT-Infrastruktur. Moderne IT-Landschaften bestehen aus Dutzenden von Systemen, die via API-Schnittstellen miteinander kommunizieren und nur gemeinsam einen umfassenden Überblick liefern. Umso wichtiger ist es, dass neu eingeführte Tools alle relevanten Daten per API zur Verfügung stellen.

ITD: Wenn das Budget nicht passt: Was sind sinnvolle und beliebte Finanzierungsmöglichkeiten bei IT-Projekten?
Heistermann: Auch wenn dies keine Finanzierungsmöglichkeit darstellt, bieten mittlerweile immer mehr Software-Anbieter ihre Lösungen über ein Pay-per-use-Modell an. So kann die Software für einen niedrigen Grundpreis oder sogar kostenfrei eingekauft werden, und erst bei entsprechender Nutzung entstehen dabei Kosten. Dabei ist natürlich streng darauf zu achten, dass die Wertgenerierung für das Unternehmen mit dem Preismodell des Anbieters korreliert.

ITD: Welche Grundvoraussetzungen müssen hierfür erfüllt sein?
Heistermann: Unternehmen und Software-Anbieter müssen offen und partnerschaftlich über Erwartungen und Nutzung sprechen. Damit verbunden müssen sie ein Modell finden, das für beide Parteien werthaltig ist. Ebenso sollte bereits frühzeitig besprochen werden, was passiert, wenn die Planungen nicht eintreffen.

ITD: Spartipps für 2024: Wie können Unternehmen im neuen Jahr am besten ihren Geldbeutel schonen, ohne auf Modernisierungsmaßnahmen verzichten zu müssen? Welche Sparansätze gibt es?
Heistermann: Gerade wenn es darum geht, gewachsene Strukturen oder schwerfällige ERP-Systeme zu modernisieren, ist es durchaus sinnvoll, diese durch schnelle und kosteneffiziente Cloud-Lösungen zu ergänzen. Ein typisches Beispiel im Finanzbereich ist die Abrechnung neuer Geschäftsmodelle wie Subscriptions oder Pay-per-use-Angebote. Diese wird üblicherweise als separate Applikation, als sogenanntes Subscription-Billing-System, neben dem ERP aufgebaut. Der Vorteil: Es verursacht nur einen Bruchteil der Projektkosten und amortisiert sich meist innerhalb kurzer Zeit.

Bildquelle: Nitrobox

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