Manfred vom Sondern ist überzeugt, dass die digitalen Modellregionen große Strahlkraft auch über die Region hinaus erzeugen.
ITD: Herr vom Sondern, welche Ziele verfolgt die „Digitale Modellregion Emscher-Lippe“ als eine von fünf digitalen Modellregionen in NRW?
Manfred vom Sondern: Wir wollen die Region zukunftsfähig machen. Das beinhaltet viele verschiedene Aspekte, die beachtet werden wollen, denn der Anspruch geht weit über die Vorstellung von rein durch technische Anwendungen geprägten einzelnen Smart Citys hinaus. Alle Projekte haben einen Mehrwert für die Gesellschaft, und auch, wenn sie in einer Kommune entstanden sind, so ist das übergeordnete Ziel, die entwickelten Anwendungen auch auf andere Kommunen zu übertragen. Dementsprechend sind die Vernetzung untereinander und mit diversen Projektpartnern sowie das Voneinanderlernen wesentliche Bestandteile und Erfolgsrezept der digitalen Modellregionen.
Ein positives Beispiel dieser Vernetzung ist das Projekt „GeoSmartChange“: Im Rahmen dieses Projekts wurde die komplette Umgebung der Emscher-Lippe-Region mittels Bildbefahrung digital erfasst und anschließend ein originalgetreuer digitaler Zwilling von der Region erstellt. Daran haben sich die Städte Bottrop und Gelsenkirchen sowie der gesamte Kreis Recklinghausen beteiligt, die nunmehr von einer gemeinsamen Datenbasis profitieren.
ITD: Welche innovativen Projekte würden Sie noch hervorheben?
vom Sondern: Es ist schwierig, ein oder mehrere Projekte herauszupicken. Alle Projekte sind auf ihre Weise innovativ und bedienen einen besonderen Aspekt der Digitalisierung. Eines der größten Projekte in Gelsenkirchen ist das Open Innovation Lab (OIL) im Arena Park. Das OIL bildet auf einer Fläche von 140 Hektar eine Stadt im Kleinen ab und bietet mit seiner komprimierten Infrastruktur ideale Voraussetzungen für Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft, um neue Technologien und Sensorik zu erproben. So können Smart-City-Lösungen entwickelt, getestet und zum Leben erweckt werden.
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Ein weiteres besonders innovatives Projekt ist die Smartphone-Bürger-ID. Dabei handelt es sich um eine nutzerorientierte und sichere digitale Identität für die Nutzung von E-Government-Diensten. Mit ihr können künftig Behördengänge zuverlässig, einfach und sicher über das Smartphone abgewickelt werden. Gemeinsam durch die Stadt Gelsenkirchen, die Firma Xignsys GmbH, das Institut für Internet-Sicherheit der Westfälischen Hochschule und die Stadt Aachen wird die Lösung in das Servicekonto.NRW integriert und ist somit unmittelbar für alle Kommunen in NRW nutzbar. Die Stadt Gelsenkirchen ist zudem am Aachener Projekt Govchain NRW beteiligt, in dem es darum geht, kommunale Einsatzmöglichkeiten für Blockchain-Technologie zu sondieren und zu testen.
ITD: Was sind die größten Herausforderungen für Kommunen bei der Digitalen Transformation?
vom Sondern: Wichtig ist, dass man nicht einfach „drauflosdigitalisieren“ kann. Neben den technischen Aspekten der Digitalisierung sollte auch der konkrete Nutzen für den Menschen nicht vergessen werden. Uns ist es wichtig, dass wir sowohl alle Mitarbeiter als auch die Bürgerschaft mitnehmen und in unsere Vorhaben einbeziehen, denn bei ihnen beginnt die Digitalisierung. Die Prozesse und Ergebnisse der Digitalen Transformation müssen nicht nur nützlich und smart, sondern auch verständlich sein und sich nach den Bedürfnissen der Menschen richten. Dieses Ziel möchten wir auf unterschiedlichen Wegen erreichen. Einer dieser Wege ist das „Projekt Gesundheit und digitaler Wandel“ der Stadt Aachen, an dem wir uns gemeinsam mit der Stadt Soest und der Universität Witten/Herdecke beteiligen. Mit diesem Projekt sollen die Menschen auf fachlicher und besonders auf emotionaler Ebene auf die zahlreichen Umstellungen, die mit der Digitalen Transformation einhergehen, vorbereitet werden. Zusammen mit den Mitarbeitern werden Bedürfnisse, Sorgen und Ängste erkannt und daraus Maßnahmen zur Gesundheitsförderung abgeleitet.
ITD: Inwiefern lassen sich die Projektergebnisse auch auf andere Regionen übertragen?
vom Sondern: Die Übertragbarkeit der Projektergebnisse ist für dieses Förderprogramm entscheidend. Deswegen wird bei jedem Projekt von Beginn an geschaut, welche Elemente in welcher Form auf andere Kommunen übertragen werden können. Die Lösungen sind dabei so individuell wie die Projekte selbst. Das können eine konkrete „Anleitung“ oder ein Konzept sein oder aber auch einzelne Bausteine bzw. lizenzfreie Lösungen, die nach Bedarf an lokale Gegebenheiten angepasst werden können. Die Erkenntnisse aus dem Projekt „DigiKnow“ sind schon jetzt in Form von Erklärvideos auf Youtube frei verfügbar und können individuell genutzt werden. Das OIL wiederum bietet anderen Interessierten den Raum, eigene Use Cases zu testen. Sie können sich also einfach mit dem Projektbüro in Verbindung setzen und gemeinsam ideale Lösungen finden.
Die „Digitale Modellregion Emscher-Lippe“ mit der Leitkommune Gelsenkirchen ist eine von insgesamt fünf digitalen Modellregionen in NRW. Das Förderprogramm wurde durch das Wirtschafts- und Digitalministerium (MWIDE) ins Leben gerufen, um die landesweite Digitalisierung voranzutreiben. Ziel des Förderprogramms ist die Entwicklung von übertragbaren Lösungen und innovativen Anwendungen in den Bereichen digitale Verwaltung (E-Government) und digitale Stadtentwicklung (Smart City).
Bildquelle: Stadt Gelsenkirchen/Caroline Seidel