Mit einer SAP-Lösung lässt sich entlang der Supply Chain ein strategisches Lieferantenmanagement realisieren.
Blick über den Industriepark Höchst
Als Standortbetreiber und Industriedienstleister für Chemie und Pharma sowie verwandte Prozessindustrien arbeitet Infraserv Höchst derzeit mit rund 3.000 Lieferanten aus über 20 Ländern zusammen. Bezogen werden Bau-, Instandhaltungs- und Dienstleistungen sowie Investitionsgüter und Materialien mit einem jährlichen Beschaffungsvolumen von über 200 Millionen Euro. Diese weltweiten Einkäufe sind erforderlich, damit mn die eigenen Kunden, von denen viele im Industriepark Höchst ansässig sind, zuverlässig mit Leistungen versorgen kann.
Qualität, Preis, Bonität, Vertragstreue, Umweltschutz, Innovationsfähigkeit, Sicherheit und Service sind einige der Kriterien, die Unternehmen regelmäßig zur Auswahl und Beurteilung geeigneter Lieferanten heranziehen müssen. Handelt es sich um die Beschaffung von Dienstleistungen, gestalten sich diese Aufgaben noch komplexer, da Services weniger greifbar als „handfeste“ Waren sind und erst im Zuge der individuellen Leistungserbringung so richtig beurteilt werden können. Daher empfiehlt es sich für Einkaufsorganisationen in diesem Fall, auf wirksame, IT-gestützte Bewertungsprozesse zu setzen, um geeignete Lieferanten zu finden und strategische Beziehungen zu diesen zu entwickeln.
Um diese Aufgaben optimal erfüllen zu können, hat sich Infraserv Höchst für die Einführung von SAP Supplier Lifecycle Management (SLC) entschieden. „Ziel war es, die Zahl der Schnittstellen zu reduzieren und gleichzeitig bei der Nutzung des Systems flexibler zu werden“, erläutert Ralf Sommer, der in der Zentralfunktion Beschaffung & Supply Management für die Bereiche Beschaffungscontrolling und -prozesse bei Infraserv Höchst verantwortlich ist und die SLC-Einführung aus kaufmännischer Sicht leitete. Ausschlaggebend für die Wahl war die bestmögliche Integration dieser Lösung in die vorhandene SAP-ERP- und Supplier-Relationship-Management-Umgebung (SRM), die eine umfassende Automatisierung und Effizienzsteigerung der Lieferantenmanagementprozesse ermöglichen sollte.
Das SLC-Einführungsprojekt verlief planmäßig innerhalb von sieben Monaten und umfasste das Design, die Implementierung und den Hypercare-Support, von der Inbetriebnahme bis zum Übergang in den Regelbetrieb. Um die Anforderungen des Anwenders möglichst vollständig abzudecken, wurde der SAP-Standard durch kleinere modifikationsfreie Entwicklungen ergänzt. Sie ermöglichen die Löschung falsch gemeinter oder fehlerhafter Lieferantenbewertungen sowie das nachträgliche Hinzufügen von Bewertern. In der Erweiterung „Verhandlungsblatt“ werden alle wichtigen Lieferanteninformationen auf einer Seite zusammengefasst, wovon Einkäufer zum Beispiel bei Verhandlungsgesprächen profitieren.
Zum Erreichen des Projektziels trug das Beratungshaus 2bits bei, das auf SAP-Einkaufslösungen spezialisiert ist. Dazu Simon Dengler vom Kompetenzteam Zentralfunktionen und Logistik von Infraserv Höchst, der die IT-Leitung der SLC-Einführung innehatte: „Die Berater zeichneten sich durch ihr Verständnis für die kaufmännischen Prozesse und umfassende Erfahrungen mit SAP-basierten Beschaffungslösungen aus.“ Unternehmen, die ein SAP-SLC-Projekt planen, rät Simon Dengler, präzise Vorstellungen von den Anforderungen des gesamten Lieferantenlebenszyklus zu entwickeln. Dazu sollten zunächst die kaufmännischen Prozesse definiert, dann die IT-Anforderungen formuliert und die geeignete Software ausgewählt werden.
Mit SAP SLC konnte zum einen die Lieferantenqualifizierung bei Infraserv Höchst optimiert werden. So hat jeder potentielle Zulieferer nach der Registrierung bei Bedarf eine Selbstauskunft einzureichen, z.B. zur Akzeptanz des Verhaltenskodex des Unternehmens. Besteht der Zulieferer die Qualifizierung, folgen gegebenenfalls weitere Auskünfte, wie eine Bonitätsprüfung.
Regelmäßig werden mit SAP SLC strategische Lieferanten und Zulieferer mit hohem Risikopotential beurteilt, und zwar auf Basis individueller Fragebögen für die Fachbereiche und Einkaufsabteilung. Die einfache Fragebogentechnik und hohe Benutzerfreundlichkeit der Anwendung sind wesentliche Vorteile des neuen Systems. Die effiziente Prozessabwicklung mit SAP SLC bietet dem Anwenderunternehmen die Möglichkeit, eine steigende Zahl von Lieferanten effektiver zu steuern und Risiken zu minimieren. „Davon profitieren natürlich auch unsere Kunden“, zieht Ralf Sommer Bilanz. „Durch eine systematische Auswahl und Qualifizierung der Lieferanten können wir unsere Dienstleistungen bestmöglich auf deren Anforderungen zuschneiden.“
Bildquellen: Thinkstock/iStock, Infraserv GmbH & Co. Höchst KG