Klaus-Peter Weiß, DAB

Die Website als Hauptfiliale

Interview mit Klaus-Peter Weiß, Bereichsleiter IT bei der DAB Bank AG, über Innovationsgeist und aktuelle Herausforderungen bei den Kernanwendungen eines Finanzinstituts

Klaus-Peter Weiß, DAB

Klaus-Peter Weiß, DAB Bank AG

IT-DIRECTOR: Herr Weiß, unter dem Label „DAB One“ werden Ihre B2B- und B2C-Services gegenwärtig stark ausgebaut. Wie stellt Ihre IT das schnelle Anwachsen unterschiedlicher Angebote für private und professionelle Anleger, Händler und Vermögensverwalter dar?
K. Weiß:
Wir optimieren unsere IT, Plattform wie Methodik und Prozesse, kontinuierlich – immer mit dem Ziel, die Bank agiler zu machen und uns in die Lage zu versetzen, schneller als bisher auf veränderte Marktbedingungen und Kundenwünsche reagieren zu können. Eine wichtige Rolle spielt dabei unser Enterprise Service Bus – mit dem Ziel, bisherige Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen einzelnen Systemen, Datenredundanzen und Funktionsüberschneidungen in eine stärker serviceorientierte Architektur zu überführen.

IT-DIRECTOR: Vom neu eingeführten Forex-Devisenhandel bis zur aktuellen App für das iPod – der Bogen ist weit gespannt. Wie stellen Sie sicher, dass Kunden finden, was sie brauchen?
K. Weiß:
Unsere Website ist unsere Hauptfiliale. Durch Uselabs und unabhängige Studien stellen wir kontinuierlich sicher, dass unsere Kunden schnell die passenden Informationen finden und ihre Transaktionen bequem abwickeln können. Darüber hinaus machen wir uns zurzeit im Rahmen eines Projekts zur Usability intensiv darüber Gedanken, wie wir unser Portal nutzerfreundlicher und intuitiver gestalten können.

IT-DIRECTOR: Klassische Filialbanken haben dazugelernt und wollen im Online-Geschäft aufholen. Wie wollen Sie gegenüber dem Wettbewerb den Vorsprung halten?
K. Weiß:
Wir differenzieren uns vor allem durch unsere Zielgruppe: Anleger, Händler und Vermögensverwalter. Unser Anspruch ist es, diesen Zielgruppen den bestmöglichen Zugang zum Kapitalmarkt zu geben, beispielsweise mithilfe unserer modernen Handelsapplikationen. Überdies können Händler bei der DAB Bank neuerdings Chartmuster automatisch überwachen lassen und erhalten einen Alert, wenn es Signale zum Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers gibt.

IT-DIRECTOR: Was bedeutet Innovationskultur für Ihr Unternehmen?
K. Weiß:
Seit unserer Gründung im Jahr 1994 als erster deutscher Direktbroker haben wir einige Marktphasen durchlaufen: Die Dotcom-Ära um die Jahrtausendwende herum stellte uns vor ganz andere Herausforderungen als die aktuelle Staatsschuldenkrise. Um in der jeweiligen Marktsituation optimal auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen zu können, müssen wir uns immer wieder verändern. Innovation bedeutet für uns, unser Ohr nah am Kunden und am Markt zu haben und mit unserem Produkt- und Serviceangebot künftige Entwicklungen bereits vorwegzunehmen. Dabei hilft uns, dass wir ein kleines Haus sind und deshalb die Abstimmungsprozesse kurz und unkompliziert sind.

IT-DIRECTOR: Wie gelingt Ihnen der Spagat zwischen IT und Marketing im Hinblick auf Innovationen?
K. Weiß:
Schlicht und einfach: Indem wir miteinander reden. In der ­Programmsteuerung unseres Zukunftsprogramms DAB One finden sich sowohl Kollegen aus der IT wie auch aus Produktmanagement, Marketing und Vertrieb. Wenn wir über neue Projekte diskutieren, dann berücksichtigen wir von Anfang alle Aspekte: vom Businessplan über die technische Umsetzbarkeit bis hin zur Bedeutung für die Strategie unserer Bank und zur Vermarktbarkeit. Dabei fungiert die IT als interner Dienstleister. Wir leisten unseren Beitrag dazu, dass die Produkte unserer Bank im Trend liegen und nachgefragt werden. So freuen wir uns, dass unsere iPhone- und iPad-App so gut ankommen. Vor Kurzem haben wir für diese sogar den Banking-IT-­Innovationspreis der Universitäten St. Gallen, Leipzig und Zürich ­erhalten.

IT-DIRECTOR: Bemerken Bankkunden überhaupt den Nutzen eines funktionierenden Kernbankensystems?
K. Weiß:
Läuft alles reibungslos ab, bemerkt der Kunde die Systeme gar nicht. Für uns dagegen gibt es klare Kriterien, ob ein Kernbankensystem zu uns passt oder nicht. Entscheidend ist neben technischen und betriebswirtschaftlichen Parametern eine zügige Anpassung an neue Geschäftsmodelle sowie an die zahlreichen, sich im Bankenumfeld häufig ändernden gesetzlichen und regulatorischen Vorgaben. Eine zügige Softwareerweiterung und -anpassung waren ausschlaggebend, unser System zu wechseln und auf K-Core24 von FIS Kordoba zu migrieren. Den Migrationsprozess haben wir bereits erfolgreich gestartet.

IT-DIRECTOR: Die Bankenlandschaft zeigt bei Kernanwendungen eine große Bandbreite zwischen Mainframe-Monolithen und Multi-Server-Architekturen bis hin zu Virtualisierungskonzepten. Wie positioniert sich die DAB Bank hier?
K. Weiß:
Bezüglich der technischen Plattform setzen wir klar auf eine standardisierte und hochgradig virtualisierte Unix-Umgebung, um sowohl einen wirtschaftlichen Betrieb als auch hohe Flexibilität zu gewährleisten. Die Anwendungen müssen zu unserem Technik-Stack und den eingesetzten Standards passen. Desweiteren stehen ein modularer Aufbau sowie eine hohe Integrationsfähigkeit im Vordergrund – Eigenschaften, die der typische Softwaremonolith nicht erfüllt. Vor diesem Hintergrund ist auch un­sere strategische Entscheidung für die neue, auf flexibel skalierbaren Unix-Servern ablauffähige Kernbankenanwendung K-Core24 zu sehen.

IT-DIRECTOR: Ist Cloud Computing eine Option für Sie?
K. Weiß:
Cloud Computing im Sinne von Virtualisierung haben wir seit Längerem umgesetzt. Überdies sehe ich derzeit keine Optionen, die echten Mehrwert bieten und machbar wären. Besondere Herausforderungen sind hier vor allem die Themen Sicherheit und Compliance.

IT-DIRECTOR: Welche IT-Trends schätzen Sie als Wachstumstreiber ein?
K. Weiß:
Unsere Apps für iPhone und iPad zeigen: Mobile Technologien sind für uns ein klarer Wachstums­treiber. Wir stellen fest, dass Kunden, die über ihre mobilen Endgeräte Bank- und Wertpapiertransaktionen durchführen, insgesamt aktiver sind und mehr Geschäfte mit uns machen. Zudem setzen wir auf Web 2.0 und Social Media. So führen wir in Kürze eine neue Community ein. Sie enthält aggregierte Daten über das Investitionsverhalten unserer Kunden und zeigt dadurch Anlagetrends auf. Außerdem gibt es zahlreiche Möglichkeiten für Interaktion. Solche Innovationen – wie auch Aktivitäten in Facebook oder Twitter – stärken die Kundenbindung und festigen so unsere Marktposition.

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