Viele positive Gründe

„Die Zukunft der Arbeitswelt ist hybrid“

Für Bernhard Fauser, Managing Director Central Europe bei HP, ist das Büro der Zukunft im Grunde genommen „wie ein vielfältiges Ökosystem, in dem sich Mitarbeiter aufgehoben, abgeholt und wohl fühlen“.

Bernhard Fauser, Managing Director Central Europe bei HP

„IT-Sicherheit muss in einer hybriden Arbeitsumgebung völlig neu gedacht werden“, betont Bernhard Fauser von HP.

ITD: Herr Fauser, mit dem 20. März 2022 endete die erneute Homeoffice-Pflicht. Doch inwieweit bestehen die Arbeitgeber in Großunternehmen tatsächlich darauf, dass alle Mitarbeiter umgehend zurück ins Büro kommen?
Bernhard Fauser: Diese Entscheidung hängt sehr stark vom Unternehmen ab. Eine Umfrage der Rheinischen Post in NRW hat gezeigt, dass in vielen Unternehmen hybride Modelle auch künftig den Arbeitsalltag bestimmen. Voraussetzung für die erfolgreiche Integration von Homeoffice Konzepten in den beruflichen Alltag und die Akzeptanz solcher Konzepte ist aus meiner Sicht die Unternehmenskultur. Wir leben bereits seit vielen Jahren ein auf zielorientierter Führung und Vertrauensarbeitszeit basierendes Arbeitsmodell. Es gibt unseren Mitarbeitern die Flexibilität, die sie in einem internationalen Unternehmensumfeld benötigen. Das funktioniert sehr gut und hat uns auch erfolgreich durch die Zeit der Pandemie gebracht. Mittlerweile bin ich selbst ein Freund des hybriden Modells. Es kann – richtig eingesetzt – einen wichtigen Beitrag zur Work-Life-Balance leisten, wenn nicht die Stechuhr, sondern ich selbst über meinen Arbeitsalltag bestimme.

ITD: Wie empfinden die Mitarbeiter selbst das Ende der Homeoffice-Pflicht?
Fauser: Viel mehr als das Ende der Pflicht nehme ich die Reduzierung der Auflagen am Arbeitsplatz in den Teams als große Erleichterung wahr. Das Interesse, ins Büro zurückzukehren, ist enorm. Dabei hat sich die Funktion des Büros verändert. Es ist – mehr denn je – ein Ort der Kollaboration und des Treffens. Bei uns spielen flexible Modelle weiterhin eine wesentliche Rolle im Arbeitsalltag. Unsere Mitarbeiter haben weltweit die Möglichkeit, in Absprache mit ihren Vorgesetzten, flexibel vom Homeoffice aus zu arbeiten. Bei uns ist die Möglichkeit des flexiblen Arbeitens nicht an gesetzliche Vorgaben gebunden. Ein Trend, den ich auch bei anderen Unternehmen, Partnern und Kunden wahrnehme. Die Zukunft der Arbeitswelt ist hybrid.

ITD: Wie lässt sich die Rückkehr ins Büro bzw. das Büroerlebnis für die Mitarbeiter zukünftig schmackhafter bzw. neugestalten?
Fauser: Für uns gesprochen, bieten wir unterschiedliche Initiativen an, um die Mitarbeiter wieder ins Büro zu holen. Gleichzeitig haben wir allerdings die Zeit in den vergangenen beiden Jahren genutzt und an einigen Standorten die Büroumgebung an die neuen Anforderungen angepasst. Wir haben Schreibtische reduziert und Kollaborationsflächen geschaffen. Der persönliche Kontakt – sei es mit Kollegen, Kunden oder Partnern – ist und bleibt einer der wichtigsten Gründe für eine Rückkehr ins Büro. In Gesprächen wurde mir immer der Wunsch nach persönlichem Austausch reflektiert, wenn es um die Nachteile des Homeoffice ging. Innovative Bürokonzepte können einen zusätzlich positiven Beitrag zur Mitarbeiterakzeptanz leisten.

ITD: Welche Rolle könnten z.B. Räume für die Zusammenarbeit und soziale Kontakte, Ruhezonen, Sport- und Wellness-Bereiche spielen?
Fauser: Das Büro der Zukunft muss sich verändern. Hybride Arbeitsmodelle erfordern eine andere Ausgestaltung und Planung von Büros. Räume für die Zusammenarbeit spielen dabei ebenso eine Rolle wie Ruhezonen für das konzentrierte Arbeiten. Im Mittelpunkt steht der Mitarbeiter, der mit dem Büro emotional einen Ort der Identifikation, der sozialen Vernetzung und des persönlichen Austausches verbinden soll. In unterschiedlichen Flächen bzw. Räumlichkeiten sollen sich die Mitarbeiter bewegen, austauschen und vernetzen können. Sie sollen Platz zum Arbeiten finden, aber auch Freiräume. Im Grunde genommen ist das Büro der Zukunft wie ein vielfältiges Ökosystem, in dem sich Mitarbeiter aufgehoben, abgeholt und wohl fühlen.

ITD: Welche Technologien spielen bei entsprechenden Arbeitskonzepten eine wichtige Rolle?
Fauser: Die Digitalisierung der Arbeitswelt hat in den vergangenen beiden Jahren einen enormen Boost bekommen. Moderne IT- und Kommunikationstechnologie sind die Grundlage für diese Entwicklung. Dazu zählen neben moderner IT-Hardware auch Kollaborationslösungen, die die Agilität, die Zusammenarbeit und den Austausch innerhalb der Teams unterstützen. Es gibt allerdings auch Schattenseiten – in den vergangenen Jahren hat die Zahl der Cyberangriffe ein neues Allzeithoch erreicht. IT-Sicherheit muss in einer hybriden Arbeitsumgebung, in der die Hardware größtenteils außerhalb der Unternehmensmauern eingesetzt wird, völlig neu gedacht werden. Dem Schutz der Hardware kommt eine zusätzliche Bedeutung zu.

ITD: Was sind mögliche Stolpersteine bei der Umgestaltung? Worauf sollte demnach besonders geachtet werden?
Fauser: Viele der Themen habe ich bereits genannt – die Frage der Führung und des Vertrauens – ebenso wie technische Anforderungen an die Leistungsfähigkeit der eingesetzten Hardware und der Integration von verlässlichen Sicherheitskonzepten. Ein Thema hat sich für mich persönlich und als Führungskraft als besonders herausfordernd dargestellt: Wie behalte ich in einer hybriden Arbeitsumgebung den Kontakt zu meinen Mitarbeitern? Damit meine ich weniger die Frage nach dem täglichen Projektfortschritt. Es geht um die Zwischentöne. Es geht um die ungefilterte Marktinformation. Das Feedback von Kunden und Partnern. Die Einschätzung der Kollegen. All diese Punkte bilden die Grundlage für wichtige unternehmerische Entscheidungen und ergeben sich vor allem im persönlichen Austausch. Das funktioniert aus meiner Sicht nur durch Präsenz. Eine Präsenz – oder sollte ich sagen Erreichbarkeit –, die ich mittels technischer Hilfsmittel auch über geografische Entfernungen hinweg realisieren kann.

ITD: Welchen Einfluss üben moderne, hybride Arbeitsmodelle auf Themen wie Personalfluktuation, Rekrutierung, Produktivität sowie Gesundheit aus?
Fauser: Das Feedback – besonders von jungen Mitarbeitern – ist, dass die hybriden Arbeitsmodelle uns als Arbeitgeber attraktiver machen. Gleichzeitig bieten sie die Möglichkeit, den Arbeitsalltag an die aktuelle Lebenssituation anzupassen. Der kurze Kontakt mit der Familie am Tag zwischen Meetings – für mich zusätzliche Qualitätszeit während der Arbeitswoche. Flexibilität und Eigenverantwortung steigern die Motivation. Was ich besonders spannend finde, ist, dass sich die Zusammenarbeit und der Erfahrungsaustausch zwischen Generationen teilweise auf den Kopf gestellt hat, wenn ältere Mitarbeiter von den Erfahrungen jüngerer Mitarbeiter mit modernen Kollaborationstechniken profitieren. Das hat einen positiven Einfluss, auch auf das Betriebsklima. Eine Vielzahl an positiven Gründen. Zudem sollte sich mittlerweile in fast jedem Unternehmen manifestiert haben, dass Produktivität nicht mit der Präsenz am Büroschreibtisch gleichzusetzen ist.

Bildquelle: HP

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