Payment

„Die Zukunft des Bankings heißt Digital First“

Weshalb digitale Zahlmethoden auf dem Vormarsch sind, erläutert Oliver Georg, Vertriebsleiter Zentral- und Osteuropa im Card- & Digital-Payment-Bereich bei Giesecke+Devrient (G+D), im Interview.

Oliver Georg

Oliver Georg ist seit 2008 bei G+D in unterschiedlichen Vertriebs- und Account Management-Rollen für Kunden aus dem Bankensektor in Deutschland sowie Zentral- und Ost-Europa zuständig

ITD: Herr Georg, Verbraucher können heute eine Vielzahl an Zahlungsmethoden wählen – welche sind bei den Deutschen am beliebtesten?
Georg:
Hoch im Kurs stehen weiterhin Kredit- und Debitkarten, für Zahlungen am Point of Sale speziell in Deutschland die lokale Girocard. Aber auch wenn wir Deutschen als Gewohnheitstiere bekannt sind, die nicht auf Bargeld verzichten wollen, werden immer mehr alternative Zahlungsmethoden populär – allen voran natürlich die bekannten Lösungen wie Paypal oder Apple Pay, aber auch die digitalen Wallets der Banken. Spannend ist zudem zu beobachten, dass immer mehr Menschen Zahlungen per Smartphone oder Smartwatch tätigen. Gleichzeitig sind klassische Banküberweisungen weiterhin sehr beliebt, was die breite Palette an Bezahlvarianten unterstreicht und uns zeigt: Die Verbraucher wollen sich nicht festlegen. Vielmehr geht es darum, eine Vielzahl an Optionen anzubieten, mit denen individuell Bezahlvorgänge getätigt werden können. Was aber besonders wichtig ist: Egal, ob die Verbraucher nun physisch, digital oder elektronisch zahlen – sie erwarten benutzerfreundliche und sichere Transaktionen.

ITD: Wie können Finanzinstitute den Zugang zu digitalen Services für ihre Kunden komfortabel und zugleich sicher gestalten?
Georg:
Auf der Kundenseite ist die zentrale Herausforderung, dass die Menge an Konten und Geräten dazu führt, dass der Log-in-Vorgang mit verschiedenen Passwörtern weder bequem noch wirklich sicher ist. Darüber hinaus wird bei Authentifizierungsmethoden mit Passwort oft ein erhöhtes Sicherheitsrisiko ausgemacht, das Cyberkriminelle verstärkt ausnutzen. Um Sicherheit und Komfort zu vereinen, erkennen immer mehr Finanzdienstleister die Vorteile von biometrischen Lösungen, die Passwörter obsolet machen und schnelle sowie sichere Anmeldeprozesse garantieren. In der Nutzung von Fingerabdruck oder Gesichts-Scan liegt enormes Potenzial, um mobile Finanzservices noch attraktiver zu machen.

ITD: Was hat es mit Zahlungslösungen mit Tokenization genau auf sich?
Georg:
Tokenization stellt einen Sicherheitsmechanismus dar, der bei elektronischen Zahlungen die sensiblen Karteninformationen schützt. Der Begriff Token bezeichnet dabei eine zufällig generierte Zeichenkette, die die tatsächlichen Karteninformationen ersetzt. Auf diese Weise speichern Händler nicht direkt die Karteninformationen der Verbraucher, sondern lediglich den verschlüsselten Token, was die Gefahr von Datenlecks und Kreditkartenbetrug erheblich verringert. Die eigentlichen Karteninformationen bleiben sicher beim jeweiligen Zahlungsanbieter verwahrt. Besonders im E-Commerce sorgen Token zudem für reibungslose Transaktionen: Zahlungsinformationen der Kunden werden automatisch aktualisiert, etwa bei abgelaufenen oder neu ausgestellten Karten. Die Möglichkeit einer visuellen Darstellung der Karte auf den Zahlungsseiten schafft darüber hinaus Vertrauen und verringert die Kaufabbruchraten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Angesichts des demographischen Wandels ist es wichtig, digitale Zahlungslösungen auch für ältere Menschen sowie Personen mit Beeinträchtigungen zu vereinfachen. Welche Herausforderungen gilt es hier zu überwinden?
Georg:
Bei der Schaffung von integrativen Zahlungsprodukten steht die Branche erst am Anfang. Gemeinsam mit unserem strategischen Partner Netcetera haben wir uns deshalb dem Ziel verpflichtet, Banken dabei zu unterstützen, allen Menschen den gleichen Zugang zum Zahlungsverkehr zu ermöglichen. Bei physischen Bankkarten gibt es schon die Möglichkeit, Menschen mit eingeschränkter Sehkraft die Nutzung zu erleichtern – etwa durch Prägungen, große und kontrastreiche Buchstaben oder Braille-Schrift. Vielversprechend ist auch die biometrische Authentifizierung auf Karten und Mobiltelefonen, wodurch das Merken und Eingeben von PINs oder Passwörtern entfällt. Nicht zuletzt ist seit der Pandemie auch die Akzeptanz älterer Menschen gegenüber mobilen Bankgeschäften gestiegen, ein weiterer Fokus muss also auf der Barrierefreiheit von digitalen Angeboten liegen. Dieser Punkt wird umso wichtiger, da die Bevölkerung insgesamt älter wird, Beeinträchtigungen zunehmen und Verbraucher zunehmend auch im hohen Alter digitale Services nutzen. Technologie spielt immer eine Schlüsselrolle bei der Förderung von Zugänglichkeit und damit Inklusion, Innovationen treiben diese Entwicklung voran.

Bildquelle: Giesecke+Devrient

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