Eisbrecheraktivitäten, Rätsellösen, Hindernisparcours

„Die Zusammenarbeit fördern“

Laut Josef Günthner, Senior Partner und Board Member der Careerteam Group und Geschäftsführer von Paltron, können häufige verspätete Ankünfte, eine nachlassende Arbeitsqualität, geringere Produktivität und ein allgemeines Desinteresse an Aufgaben auf eine innere Kündigung eines Mitarbeiters hindeuten.

Josef Günthner

2015 gründete Josef Günthner die IT-Personalberatung aus der Motivation heraus, Verbindungen zwischen Tech-Expertise und digitalen Ideen zu schaffen.

ITD: Herr Günther, mit welchen Recruiting-Strategien und -maßnahmen können Unternehmen in der heutigen Zeit passende IT-Fachkräfte finden und somit den War for Talents für sich gewinnen?
Günthner:
Vor der Kandidatensuche selbst sollte eine attraktive Arbeitgebermarke geschaffen werden. Beim Employer Branding können Unternehmen ihre Karriereseiten und sozialen Medien dafür nutzen, ihre Arbeitskultur, Projekte und Entwicklungsmöglichkeiten zu zeigen. Außerdem empfiehlt sich die direkte Ansprache von Kandidaten, das sogenannte Active Sourcing, beispielsweise über Linkedin oder auf Jobmessen. Nicht zuletzt können Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen wie Universitäten oder Hochschulen strategisch genutzt werden, um junge Talente früh auf das eigene Unternehmen aufmerksam zu machen. Praktika, Gastvorträge und Workshops bieten Studierenden Einblicke in die Unternehmenskultur und fördern die frühzeitige Bindung.

ITD: Welche Rolle spielt dabei das Thema „Mitarbeiterempfehlung“?
Günthner:
Mitarbeiterempfehlungen sind bei der Talentakquise besonders wertvoll. Sie erleichtern die Identifizierung qualifizierter Kandidaten: Dadurch, dass sie authentische Einblicke bieten, wird die kulturelle Passung zwischen Fachkraft und Unternehmen deutlich wahrscheinlicher. Das wiederum beschleunigt den Einstellungsprozess und spart Ressourcen. Außerdem schaffen sie ein starkes Teamgefühl und tragen zu einer positiven Unternehmenskultur bei.

ITD: Welche Faktoren machen Großunternehmen/Arbeitgeber für potenzielle Mitarbeiter attraktiv? Welche Ansprüche hat insbesondere die junge Generation an ihren neuen Arbeitgeber?
Günthner:
Eine starke Employer Brand, die Werte vermittelt, mit denen sich die Fachkräfte identifizieren können, macht einen Arbeitgeber genauso attraktiv wie eine gelebte Firmenkultur, die Offenheit, Zusammenarbeit und Innovation fördert. Aber auch die Arbeitsbedingungen müssen stimmen: Homeoffice, hybrides Arbeiten und flexible Arbeitszeiten sollten heutzutage – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels – eine Selbstverständlichkeit sein. Zusätzliche Benefits wie Gesundheitsangebote und Weiterbildungsmöglichkeiten tragen zur Stärkung der Arbeitgebermarke bei. Gerade die junge Generation sucht auch nach persönlicher und beruflicher Weiterentwicklung und einer sinnstiftenden Arbeit.

ITD: Vorbei sind die Zeiten, in denen ein einfaches Aufstocken des Gehalts ausreichend war, um Mitarbeiter zu halten. Welche Rolle spielen heute etwa flexible Arbeitsmodelle/Hybrid Work?
Günthner:
Flexible Arbeitsmodelle spielen heutzutage eine entscheidende Rolle bei der Mitarbeitergewinnung und -bindung. Gerade in der von Fachkräftemangel geprägten IT-Branche sind Remote und Hybrid Work zur Grundvoraussetzung geworden, da sie den individuellen Bedürfnissen der Mitarbeiter entgegenkommen und Wertschätzung signalisieren. Die Möglichkeiten zu Workations und zur freien Wahl des Arbeitsortes sind dagegen noch nicht überall angekommen und können einen positiven Unterschied machen.

ITD: Welche Aufgaben können moderne Technologien wie Cloud, Künstliche Intelligenz (KI) und Virtual Reality/Augmented Reality (VR/AR) übernehmen, um die Motivation und Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter zu stärken?
Günthner:
Cloud Computing ermöglicht es Mitarbeitern, von verschiedenen Orten aus auf Daten und Anwendungen zuzugreifen. Das erleichtert Remote-Arbeit und nimmt Sorgen und Bemühungen rund um das Thema „Datenschutz“. KI hingegen kann zur Datenanalyse genutzt werden, um Leistungsindikatoren und -muster zu identifizieren. Auf dieser Grundlage können personalisierte Feedbacks und Empfehlungen für Mitarbeiter erstellt werden. Diese erhalten klare Einblicke in ihren Fortschritt – das ist motivierend und kann dabei helfen, individuelle Lern- und Entwicklungspläne zu entwickeln. VR- oder AR-Technologien können beispielsweise immersive Schulungs- und Weiterbildungserlebnisse bieten. Sie ermöglichen realitätsnahe Simulationen von Arbeitsumgebungen, in denen Mitarbeiter Fähigkeiten trainieren und sich auf reale Szenarien vorbereiten können. Dies steigert nicht nur die Effektivität der Schulungen, sondern auch die Motivation der Teilnehmer, da sie in interaktiven und ansprechenden Umgebungen lernen können. Doch VR kann auch virtuelle Arbeitsumgebungen schaffen, die es Mitarbeitern ermöglichen, aus der Ferne an Projekten zusammenzuarbeiten, als wären sie im selben Raum.

ITD: Welche Bedeutung hat Teambuilding und welche konkreten Maßnahmen halten Sie in Großunternehmen für geeignet?
Günthner:
Gerade in Zeiten von Remote Work sollten der Zusammenhalt und das Zusammengehörigkeitsgefühl der Mitarbeiter aktiv gestärkt werden. Teambuilding und -bonding stellen dafür die passenden Instrumente dar. Sie verbessern die Zusammenarbeit, fördern die Konfliktbewältigung, steigern die Motivation und sorgen für mehr Innovation und Kreativität. Die jeweiligen Maßnahmen sind dabei abhängig von der Teilnehmerzahl und der Phase, in der sich ein Team befindet: Lernt man sich erst kennen? Stellt man die ersten Weichen für die Zusammenarbeit? Oder arbeitet man schon mehrere Jahre zusammen? Eisbrecheraktivitäten, kooperative Aufgaben wie beispielsweise Rätsellösen, Hindernisparcours, Gruppenprojekte oder vertrauensbildende Maßnahmen können je nach Zeitpunkt miteinander vertraut machen und die Zusammenarbeit fördern. Genauso wichtig – gerade in Großunternehmen – ist aber auch das Teambonding: Gemeinsame Mahlzeiten, Firmenfeiern, Ausflüge oder vielleicht sogar eine gemeinsame Workation können gerade eine große Anzahl an Mitarbeitern zusammenbringen und für schöne gemeinsame Erinnerungen sorgen.

ITD: Welchen Stellenwert besitzen IT-Weiterbildungsmöglichkeiten für Mitarbeiter?
Günthner:
Weiterbildungsmöglichkeiten haben einen hohen Stellenwert, insbesondere in der sich schnell wandelnden Technologiebranche. Sie ermöglichen es den Mitarbeitern, ihre Fähigkeiten auf dem neuesten Stand zu halten, sich auf neue Technologien zu spezialisieren und ihre Karriere voranzutreiben. Davon profitiert nicht zuletzt auch das Unternehmen, das durch die Fähigkeiten seiner Mitarbeiter wettbewerbsfähig bleibt und an Innovationskraft und Expertise gewinnt.

ITD: Inwieweit beeinflusst das Verhalten des Chefs/der Führungsperson die emotionale Bindung der Mitarbeiter zu ihrem Job? Was sollte ein Chef niemals tun?
Günthner:
Das Verhalten der Führungsperson hat natürlich einen signifikanten Einfluss auf die emotionale Bindung der Mitarbeiter. Ein respektvolles, wertschätzendes, unterstützendes und offenes Auftreten wirkt sich positiv auf die Arbeitsatmosphäre aus, während autoritäre, respektlose oder intransparente Verhaltensweisen die Bindung negativ beeinflussen können. Eine Führungskraft sollte niemals Mikromanagement betreiben, die Kommunikation vernachlässigen, Leistungen abwerten oder ihre Mitarbeiter so behandeln, als wäre ihr Engagement selbstverständlich. Kurz gesagt: Wo die Wertschätzung fehlt, werden Angestellte keine Wurzeln schlagen.

ITD: Inwieweit lässt sich feststellen, ob ein Mitarbeiter bereits innerlich gekündigt hat? Was sind klassische Anzeichen?
Günthner:
Häufige verspätete Ankünfte, eine nachlassende Arbeitsqualität, geringere Produktivität und ein allgemeines Desinteresse an Aufgaben können auf eine innere Kündigung hindeuten – allerdings auch darauf, dass es der Person im Augenblick nicht gut geht. Deshalb sollte man in einer solchen Situation immer das offene Gespräch suchen. Gleiches gilt für vermehrte Konflikte mit Kollegen oder Vorgesetzten sowie ein Rückzug aus sozialen Interaktionen im Team. Ein Mangel an Engagement, fehlendes Feedback und ein stark reduziertes Interesse an beruflicher Weiterentwicklung sind weitere mögliche Hinweise auf eine innere Kündigung.

ITD: Wie wird sich der War for Talents im IT-Bereich Ihrer Ansicht nach in den kommenden Monaten entwickeln?
Günthner:
Der War for Talents wird in den kommenden Monaten voraussichtlich an Intensität zunehmen. Unternehmen werden verstärkt auf Employer Branding, Weiterbildungsangebote und flexible Arbeitsbedingungen setzen müssen, um sich von der Konkurrenz abzuheben und Fachkräfte anzuziehen.

Bildquelle: Paltron

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