Nachhaltig wirtschaften

Digital, sozial, nachhaltig

Im Interview erklärt Dr. Rolf Werner, Geschäftsführer von Cognizant Technology ­Solutions in Deutschland und Head of DACH, weshalb es auch für private Unternehmen immer wichtiger wird, ökologische und soziale Aspekte in Digitalisierungsprojekte einzubinden.

Nachhaltig wirtschaften

Dr. Rolf Werner, Cognizant Technology Solutions

ITD: Herr Dr. Werner, was beinhaltet für Sie persönlich „ESG“ und weshalb sollten sich auch privatwirtschaftliche Unternehmen für die Thematik interessieren?
Dr. Rolf Werner:
Eine der wichtigsten Auf­gaben eines Unternehmens ist es, die Geschehnisse rund um das Unternehmen zu beobachten und zukunftsorientiert zu agieren. Heutzutage ist es unumgänglich, dass Unternehmen nicht nur auf den eigenen Profit achten, sondern einem sozialen Zweck dienen und auf die damit einhergehenden Herausforderungen und Chancen reagieren. Unternehmen sind mit den sozialen und ökologischen Systemen der Welt verflochten. Langfristig werden soziale und ökologische Fragen zu finanziellen Fragen. Unternehmen können nur dann florieren, wenn es der Gesellschaft gut geht und die Umwelt, in der man sich bewegt, geschützt wird. Wir glauben, dass eine Environmental-, Social- und Governance-Agenda (ESG) im Interesse aller unserer Stakeholder einschließlich der Aktionäre ist. Unsere Mitarbeiter, Kunden, Partner und Investoren erwarten von uns, dass wir für unsere Werte einstehen und Maßnahmen ergreifen, um eine gerechtere und nachhaltigere Welt zu fördern.

ITD: Welche Rolle spielen die Digitalisierung und die Teilhabe an digitalen Services bei der Umsetzung ­nachhaltiger ESG-Strategien?
Werner:
Der Klimawandel wird zu einer immer dring­licheren globalen Priorität. Dabei sind wir der Überzeugung, dass Technologie und somit Digitalisierung einer von vielen Hebeln ist, den man in Bewegung setzen kann und muss, um sich den Herausforderungen zu stellen. Als technologiegetriebenes Unternehmen konzentrieren wir uns darauf, in welchen Bereichen wir mit unserem Know-how die größte Wirkung innerhalb kürzester Zeit erzielen können. Ein Beispiel hierfür ist der Einsatz von IoT und digi­talen Lösungen, wie z.B. Datenanalysen, die dabei helfen, die Effizienz von Kühlern, Lüftungsanlagen, Computernutzung und Beleuchtung basierend auf deren Echtzeitnutzung zu verbessern. Was den sozialen Aspekt betrifft, glauben wir daran, dass Unternehmen eine vielfältig aufgestellte Belegschaft anziehen und halten müssen. Hier nutzen wir moderne digitale Lösungen, die darauf abzielen Vorurteile zu vermeiden. Dazu verwenden wir zum Beispiel KI und Analysen, Machine Learning, Data Science und digitale Transformationsstrategien. Um innovativ zu bleiben, schaffen wir ein einladendes Arbeitsumfeld, das multikulturell, generationenübergreifend und multitalentiert ist.

ITD: Wie ist Deutschland bei diesen Themen im inter­nationalen Bereich aufgestellt?
Werner:
Deutschland ist führend, wenn es um Innovationen geht und schon immer ein Land mit sehr hohen F&E-Ausgaben. Allerdings werden Innovationen primär gefördert, sobald Druck auf dem Markt herrscht. Wir sehen beispielsweise im Automobilsektor eine starke Aufholbewegung. Mit der Übernahme von ESG Mobility setzen wir daher mehr denn je auf Nachhaltigkeit, grüne Technologie und Elektrofahrzeuge auf dem deutschen, aber auch dem internationalen Markt. In Greentech-Bereichen wie Photovoltaik oder Windenergie zählte Deutschland schon immer zu den führenden Ländern und ist als Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit bekannt. Traditionell spielen Themen wie ESG für deutsche Unternehmen eine große Rolle und grüne Technologien werden auch in Zukunft stark an Relevanz gewinnen.

ITD: Mit welchen Fragestellungen kommen Kunden auf Sie zu?
Werner:
Weltweit kommen unsere Kunden aus Branchen wie der Fertigungsindustrie, der Automobilindustrie, dem Einzelhandel, der Konsumgüterindustrie, den Biowissenschaften, den Medien und dem Banken-, ­Finanzdienstleistungs- und Versicherungswesen. Wie wir selbst beschäftigen sich viele davon mit Nachhaltigkeitsthemen. Wie bei jedem Anliegen versuchen wir, ihre Pain Points zu lösen, indem wir eine neue Sichtweise auf die Dinge bieten. Häufige Fragen, die Kunden in Bezug auf ESG-Themen haben, beziehen sich darauf, wie ESG in den Zweck, die Vision und die Strategie verankert wird und wie die digitale Transformation als Beschleuniger genutzt werden kann. Häufig wird auch gefragt, wie man kurzfristige Impulse setzen kann, z.B. durch die Nutzung der Industrie-4.0-Digi­talisierung in der Fertigung, um Energie und Wasser zu sparen, Ausschuss zu reduzieren und den Lebens­zyklus und die Nutzung von Anlagen zu optimieren.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Wie trägt Ihr Unternehmen dazu bei, Unternehmen auf ihrem Weg zu mehr sozialer Verantwortung zu ­unterstützen?
Werner:
Wir nutzen Technologie und Thought Leadership, um Kunden bei der Lösung von Umweltpro­blemen zu unterstützen. Mit KI und Analysen, ­er­fahrungsbasiertem Software-Engineering, Cloud-Mitigation-Services und IoT-Fähigkeiten unterstützen wir sie bei der Effizienzsteigerung und dabei, Umweltemissionen zu verringern. Wir helfen ihnen auch bei der Implementierung von Datenmanagement- und Tracking-Systemen, die es ermöglichen, ihre eigenen CO2-Emissionen zu messen, zu verwalten und zu reduzieren. Dazu gehört auch die Unterstützung beim Übergang von energieintensiven Rechenzentren zu Public-Cloud-Lösungen. Durch die Nutzung von Daten und Software-Entwicklung helfen wir auch den Energie- und Wasserverbrauch zu senken, da wir den Bedarf an Papierdokumenten reduzieren.

ITD: Welches waren für Ihr Unternehmen die wichtigsten Erkenntnisse aus der Covid-19-Pandemie und inwieweit fließen diese in Ihre Unternehmensstrategie ein?
Werner:
Zunächst einmal haben uns die Umstände rund um Covid-19 gezeigt, wie stark die Welt vernetzt ist und dass wir in der Lage sein müssen, schnell auf VUCA-Situationen (Volatilität, Ungewissheit, Kom­plexität und Ambiguität) zu reagieren.
Da Cognizant stark auf Menschen ausgerichtet ist, mussten wir innerhalb weniger Tage die gesamten Teams, teilweise von der Arbeit bei Kunden oder im Büro auf die Arbeit von zu Hause aus umstellen. Erstaunlich schnell und gut haben unsere Teams gezeigt, wie sie weiterhin virtuell mit unseren Kunden zusammenarbeiten und sogar neue Kunden auf eine vollständig virtualisierte Weise gewinnen können. Die Situation hat die Einführung des Digital Workplace um zehn Jahre vorangetrieben und auch Möglichkeiten eröffnet, ortsunabhängige Neueinstellungen durchzuführen.
Außerdem hat uns die jüngste tragische Situation in Indien erneut vor Augen geführt, wie wichtig es auch als Unternehmen ist, schnell auf Umwelteinflüsse zu reagieren, um nicht nur seine Mitarbeiter, sondern auch Mitbürger zu schützen und zu unterstützen.

Bildquelle: Cognizant Technology Solutions GmbH

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok