Diethelm Siebuhr, Nexinto Holding, betont, dass Unternehmen im Sog der digitalen Transformation ihre IT überdenken müssen.
Die „digitale Transformation“ ist überall – zumindest fast überall in den Medien präsent. Kündigt sich da etwa ein vermeintlich neuer Hype an? Oder doch nur ein weiteres Buzzword der Marketingstrategen? So richtig „scharf“ definiert ist der Begriff tatsächlich nicht; er steht vielmehr für alles, was sich derzeit in der IT verändert. Und das ist eine ganze Menge.
Social Media und mobile Systeme haben den privaten und den geschäftlichen Alltag zuletzt rasant umgekrempelt. Das Web hat darüber seinen Charakter verändert und ist zu einem integralen Bestandteil von allem und jedem geworden: Fernsehen, Autofahren, Einkaufen, Essen, Sport treiben, Verreisen, sich unterhalten – immer ist auch das Web, sind Apps und Communitys beteiligt. Unternehmen, die selbst auf digitalen Prozessen beruhen, geben hier die Schlagzahl vor. Sie sind mit ihren Geschäftsmodellen und ihren Communityies zu weltumspannenden Konzernen geworden. Sie müssen sich nicht transformieren. Sie waren nie anders.
Die digitale Transformation ist vielmehr eine Herausforderung für alle anderen. Für Unternehmen, die bisher vor allem herkömmliche Prozesse in ihrer IT abgebildet haben – Auftragsverwaltung, Finanzbuchhaltung, Lagerführung – und die nun erkennen, dass die digitale Welt mehr verlangt, dass nicht nur Prozesse neu definiert werden, sondern auch ganze Geschäftsmodelle, und dass darüber auch altbewährte Geschäftsmodelle obsolet werden können.
Die Online-Überweisung und der Webshop waren eben nur der Anfang. Das ist mittlerweile schon rund 15 Jahre her und beindruckt heutzutage niemanden mehr. Das Publikum ist längst weiter. Häufig verfügen die Nutzer bereits privat über die modernere IT und die besseren digitalen Lösungen als jene Unternehmen, für die sie arbeiten und die für sie arbeiten.
Im Sog der digitalen Transformation müssen Unternehmen daher alles überdenken – gerade auch ihre IT und damit auch ihre Sourcing-Strategien. Sie müssen sich und ihre Systeme stärker auf ihre Kunden ausrichten. Da dies die wenigsten aus eigener Kraft stemmen können – und bei denen, die es können, stellt sich die Frage, ob dies auch effizient umgesetzt wird –, benötigen sie Partner, die in der Lage sind, dies proaktiv zu unterstützen. Die Gartner-Analysten schätzen in diesem Zusammenhang, dass 70 Prozent der Unternehmen ihre Sourcing-Beziehungen ändern werden. Viele CIOs denken darüber nach, ob sie nicht ihre Provider gleich komplett wechseln müssen.
Bisher sind Sourcing-Strategien stark von der Technologie einerseits und von Kostenaspekten andererseits geprägt. Fragen nach der jeweils eingesetzten Technik, nach konkreter Hardware, sind im Rahmen der digitalen Transformation obsolet, weil Provider nicht mehr Systeme, sondern Prozesse zur Verfügung stellen. Wie der Provider seinen Service bereitstellt, muss er selbst wissen. Für den Anwender ist es wichtig, dass der Provider die neuen Geschäftsprozesse und -modelle versteht und unterstützt, und zwar immer zeitnah. Die Trends der Communitys muss jener also schon kennen, bevor sie sein Auftraggeber ins Gespräch bringt. Nur so kann er tatsächlich zur Wertschöpfung seines Kunden beitragen.
Damit ist auch klar, dass Sourcing in der digitalen Transformation nicht mehr allein unter Kostenaspekten betrachtet werden kann. Das heißt nicht, dass Kosten uninteressant geworden wären. Doch sind Gesichtspunkte wie Qualität oder Prozessunterstützung künftig viel stärker zu beachten. Früher wurde dergleichen nur berücksichtigt, soweit es sich in Kostenmodellen beziffern ließ. So kam beispielsweise das Qutsourcing in den Ruf einer undifferenzierten Kostenabbaumaßnahme; groß war dann das Erstaunen, wenn sich die geplanten Einsparungen in der Realität gar nicht einstellten, weil etwa unzureichende Servicequalität oder mangelnde Skalierbarkeit teure Ausgleichsmaßnahmen notwendig machte. Die digitale Transformation setzt hier einen umfassenderen, wertschöpfungsorientierten Ansatz voraus. Sourcing ist zu komplex, als dass man es auf eine einzige Rechengröße reduzieren könnte.
Fallstricke bei der Auswahl des richtigen Providers
Die Auswahl eines Service-Providers, der wesentliche Geschäftsprozesse übernimmt, ist kein bloßes Rechenexempel. Tatsächlich ist eine Vielzahl von Faktoren zu berücksichtigen:
Fallstrick 1: Die Partner sind zu ungleich
Die Größenverhältnisse von Provider und Anwender sowie die Mentalität der Partner sollten zusammenpassen. Ein mittelständisches Unternehmen wird bei einem sehr großen Anbieter oft nicht genügend ernst genommen. Umgekehrt braucht ein Konzern auch einen großen, international starken Provider.
Fallstrick 2: Fehlende Branchenerfahrung
Der Service-Provider sollte neben der IT auch über ausreichend Branchenerfahrung verfügen. Nur wer sich in einer Branche auskennt, versteht deren Prozesse und kann beispielsweise Trends frühzeitig erkennen.
Fallstrick 3: Unklare Ziele
Bei der Vergabe von Leistungen an einen externen Provider sollten diese klar definiert werden. Erwartungen und Anforderungen müssen deutlich kommuniziert werden.
Fallstrick 4: Outsourcing von Problemen
Unternehmen versuchen häufig, Probleme durch Auslagerung an einen Service-Provider zu lösen. Ein externer Service-
Provider kann aber keine internen Probleme lösen, die
eigenen Prozesse müssen daher vorher optimiert werden.
Fallstrick 5: Keine flexible Vergütungsregelung
Unternehmen sind durch vertragliche Vergütungsregelungen gebunden und können ihre IT-Kosten nicht entsprechend der Geschäftsentwicklung steuern.
Fallstrick 6: Kulturschock
Kultur und Strategie des Service-Providers müssen zum
eigenen Unternehmen passen.
Fallstrick 7: Personelle Fluktuation
Ständig wechselnde Ansprechpartner erschweren den
Aufbau einer langfristigen Vertrauensbeziehung zwischen
Unternehmen und Service-Provider.