IT-Unternehmen auf dem Prüfstand

Digitale Transformation verändert IT-Strukturen

Die digitale Transformation mit ihren oft tiefgreifenden Veränderungen vorhandener IT-Strukturen stellt die ­Innovationskraft vieler ­Unternehmen auf den Prüfstand. IT-Dienstleistern wie Cloud-Service-Providern eröffnet der Wandel der IT vom Kosten- zum Wettbewerbsfaktor hingegen vielfältige Perspektiven.

Auto auf dem Prüfstand

Die digitale Transformation stellt die Innovationskraft vieler IT-Unternehmen auf den Prüfstand.

Trotz nahezu stagnierendem Budget werden CIOs nach Ansicht der Experton Group im Jahr 2015 zwei grundsätzliche Herausforderungen bewältigen müssen: zum einen die „Pflicht“, die Bewältigung des Tagesgeschäftes, bei der neben der unvermeidlichen Kostenrestrukturierung auch Themen wie der Arbeitsplatz der Zukunft weit oben auf der Agenda stehen. Zum anderen die „Kür“, sprich dazu beizutragen, das Unternehmen im globalen Wettbewerb optimal aufzustellen. Die Berater der Experton Group sehen hierin den Schlüssel für die digitale Transformation.

Nach Ansicht von Wafa Moussavi-Amin, Analyst und Geschäftsführer bei IDC in Frankfurt, ist die digitale Transformation im Vergleich zu Technologieprojekten eher ein Prozess und ein Projekt zur Veränderung der Unternehmenskultur. Dabei wird die digitale Transformation von der IT unterstützt. Sie umfasst das gesamte Unternehmen und hat sowohl auf die IT als auch auf die Fachbereiche erhebliche Auswirkungen. „Das Business und die IT-Abteilung – diese Trennung darf es bei einer echten digitalen Transformation nicht geben. Stattdessen muss eine Integration stattfinden“, fordert Moussavi-Amin.

In der IT müssen nach seiner Vorstellung Mitarbeiter sitzen, die sowohl einen tiefen Einblick in die geschäftliche Seite als auch ein umfassendes ITK-Know-how besitzen. Daraus ergibt sich dann die Erfahrung, wie Technologien am besten eingeführt werden können, um das Business zu erneuern. Das gilt auch umgekehrt: Um sicherzustellen, dass die verschiedenen Fachbereiche aus der Transformation der Geschäftsprozesse den maximalen Nutzen ziehen, braucht es in den Fachbereichen Mitarbeiter mit großem Geschäftswissen sowie umfassendem technologischen Verständnis als Innovationstreiber. Aufgrund der damit für die Unternehmen verbundenen Herausforderungen ergeben sich für die Anbieter von IT-Dienstleistungen und IT-Beratung veränderte, aber weiterhin attraktive Marktpotentiale.

Gefragt sind breite Leistungsspektren

Der Optimismus der IT-Dienstleistungs- und IT-Beratungsbranche wird durch die Investitionsplanungen der CIOs bestätigt. Allerdings werden nach einer aktuellen Studie der Lünendonk GmbH (siehe Grafik S. 19) nicht alle Anbieter von der hohen Dynamik des IT-Marktes profitieren. So planen die befragten IT-Entscheidungsträger eine deutlich stärkere Steigerung der Ausgaben für IT-Projekte als für IT-Betriebsleistungen. Die Hälfte der untersuchten Großunternehmen und Konzerne geht sogar von rückläufigen Ausgaben für den ­IT-­Betrieb aus. Entsprechend unterschiedlich ­blicken die Dienstleister auf das Jahr 2015. Während die ­IT-­Beratungs- und Systemintegrationsunternehmen eine Steigerung ihrer Umsätze um 9,3 Prozent ­erwarten, sehen die von Lünendonk befragten IT-Service-­Unternehmen ein durchschnittliches Umsatzwachstum von 5,3 Prozent.

„Die vor Jahren angestoßenen Maßnahmen, die Effizienz der IT-Landschaft durch Virtualisierung, Automatisierung und Standardisierung zu erhöhen, zeigen nun ihre Wirkung“, erklärt Mario Zillmann, Leiter Professional Services bei Lünendonk. „Die IT hat durch enorme Kraftanstrengungen dazu beigetragen, Ressourcen für Innovations- und Transformationsprojekte auf dem Weg zum digitalen Unternehmen zu schaffen. Darauf müssen sich auch die IT-Dienstleister einstellen.“

IT-Dienstleister werden sich auch darauf einstellen müssen, dass nicht nur die CIO-Budgets für IT-Projekte steigen, sondern vor allem auch die IT-nahen Budgets der Fachbereiche. Die Hälfte der Befragten schätzt, dass die Fachbereiche für 2014/2015 mit höheren IT-Budgets rechnen können. Ein weiteres Viertel geht von konstanten IT-Budgets aus.

In der Zusammenarbeit mit Fachbereichen, aber auch mit CIOs kommt es neben dem Technologie-Know-how immer stärker auf detaillierte Kenntnisse des Geschäftsmodells des Kunden sowie seiner Geschäftsprozesse an. „Kundenunternehmen achten daher viel häufiger auf ein breites Leistungsspektrum ihrer Dienstleistungspartner und erwarten neben IT-Services immer stärker Kompetenzen in der Strategie-, Organisations- und Prozessberatung sowie Berater, die branchenspezifisches Fachwissen mitbringen“, kommentiert Zillmann die Marktveränderungen.

Fachkräftevermittlung geht neue Wege

Behindert wird die Durchführung geplanter Projektvorhaben nicht selten durch den IT-Fachkräftemangel in Deutschland, der Kundenunternehmen und IT-Dienstleistern gleichermaßen Sorgen bereitet. So gaben mehr als drei Viertel der befragten IT-Beratungs- und IT-Servicehäuser an, dass sich die Rekrutierung qualifizierter IT-Arbeitskräfte als schwierig oder sogar sehr schwierig gestaltet. „Die Kunden haben jedoch die Möglichkeit, über IT-Dienstleister fehlende IT-Kapazitäten auszugleichen“, erläutert Mario Zillmann.

Mehr als 56 Prozent der von Lünendonk befragten Kunden nennen als Vorteil in der Zusammenarbeit mit externen IT-Dienstleistern neben dem hinzugewonnenen Know-how die Abdeckung von Personalengpässen. „Die Kunden nutzen die IT-Dienstleister zunehmend als Rekrutierungskanal für die Projektbesetzung, wenngleich auch häufig nur für kurzfristige Engpässe“, so Zillmann weiter. Als immer wichtigere Komponente bei der Durchführung von Projekten erweisen sich spezialisierte freiberufliche IT-Experten, die ihre Dienste über sogenannte „Staffing-Agenturen“ anbieten. „Die Kunden verlagern den Mangel von IT-Fachkräften auf die IT-Dienstleister und diese nutzen mithilfe von Staffing-Agenturen IT-Freiberufler zur Besetzung vakanter Positionen“, erläutert Zillmann das komplexe Kompetenzgeflecht.

Aufgrund der zunehmenden Spezialisierung von IT-Dienstleistern sowie der steigenden Zahl der häufig nur schwer zu unterscheidenden Dienstleistungsangebote wird es für Auftraggeber zunehmend schwieriger, den „richtigen“ Projektpartner zu finden. Als Vermittler agieren immer häufiger Sourcing-Beratungen. Sie werden seit Jahren von Unternehmen des gehobenen Mittelstandes und von Großunternehmen beauftragt, wenn es um die Partnersuche für IT-Outsourcing oder technologisch komplexe IT-Projekte geht. Die ITK-Sourcing-Berater begleiten den Prozess von der Planung bis zur Vergabe. Zu den Leistungen gehören neben dem Marktscreening und der abschließenden Empfehlung für einen oder mehrere Provider auch die Gestaltung der rechtlichen Rahmenbedingungen der Zusammenarbeit.

Insbesondere bei komplexen Outsourcing-Vorhaben oder großen internationalen Applikations-Rollouts spielen Service Level Agreements bei der Gestaltung der Geschäftsbeziehung sowie Haftungsfragen eine sehr wichtige Rolle. ITK-Sourcing-Beratung ist eines der dynamischen Marktsegmente, in dem laut Lünendonk noch viel Potential für Wachstum besteht. So erwarten die befragten Beratungen für das Jahr 2014 ein durchschnittliches Marktwachstum von 5,8 Prozent. Für 2015 sind sie sogar noch optimistischer und gehen von 7,1 Prozent Marktwachstum aus. „ITK-Sourcing-Berater spielen als Schnittstelle zwischen der Anwender- und Anbieterseite eine zunehmend wichtige Rolle bei der Projektplanung und -steuerung, auch weil die Vertragsgestaltung bei umfassenden IT-Vorhaben aufgrund von Themen wie Datensicherheit oder Standort der Daten im Zusammenhang mit Cloud-Services ein enorm komplexes rechtliches Unterfangen ist“, erklärt Zillmann.

Kernprozesse stehen im Fokus

Cloud Computing wächst unaufhörlich. Gemäß einer Studie von Luth Research investieren Unternehmen, die Cloud-Services bereits nutzen, im laufenden Jahr sechsmal mehr Geld in den Ausbau ihrer Cloud-Lösung als noch 2012. Dabei wachsen auch die Ansprüche. Reine Cloud-Infrastrukturlösungen sind laut dem führenden Anbieter von IT-Beratung und -Systemintegration in Deutschland T-Systems längst gesetzt. ­Collaboration- und CRM-Anwendungen aus der Cloud nehmen in den kommenden Jahren zu. Und auch Private-Cloud-Implementierungen werden immer wichtiger, wie die Consultants von KPMG in ihrem Cloud Monitor 2013 bestätigen. Dies darf nach Angaben von T-Systems nicht dazu führen, dass Cloud Computing ein teurer und unflexibler Moloch wird. Ganz im Gegenteil: Die neuen Services müssen sich schnell und pro-blemlos nutzen und in die vorhandene IT integrieren lassen. Ebenso selbstverständlich erwartet der CIO, dass durch Skalierungseffekte die Kosten sinken. „Bei den beabsichtigten Vorteilen haben Kosteneinsparungen auch weiterhin oberste Priorität. Das Beschleunigen von Innovationen wird für erfahrenere Organisationen immer wichtiger“, bestätigt auch die Luth-Research-Untersuchung.

Während die Preise im Consulting-Sektor weitgehend stabil sind, stellt IDC beim Outsourcing – insbesondere bei Infrastrukturprojekten – einen deutlichen Preisverfall fest, der den Kunden zugute kommt. Service-Anbieter sind daher gefordert, mit konse­quenter Modularisierung und Standardisierung die Kosteneffizienz ihrer Outsourcing-Angebote weiter zu ­steigern und darüber hinaus ihr Spektrum an fachs­pezifischen, projektbasierten Dienstleistungen, beispielsweise im Consulting-Segment oder bei Systemintegrationsprojekten, der dynamischen Marktentwicklung anzupassen.

Die Projekte, in die die befragten IT-Entscheidungsträger 2015 planen zu investieren, sind nach Recherchen von Lünendonk sehr nah an den Kernprozessen ihrer Organisationen. Die höchsten Investitionen sollen in die Softwaremodernisierung fließen, also in die Ablösung oder Sanierung von Altsystemen, die den neuen technologischen Anforderungen nicht mehr gerecht werden. „Business Analytics“ und „IT-Security“ sind zwei weitere Topthemen, in die nach den Planungen am stärksten investiert wird.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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