NFT-Technologie

Digitale Tulpenmanie

Kennen Sie schon „Beeple“? Nein? Dann wird es Zeit, denn der Künstler, der im wahren Leben Mike Winkelmann heißt, ist seit Kurzem hinter Jeff Koons und David Hockney der „teuerste“ lebende Künstler.

Tulpenfeld

Der Handel mit NFTs hat inzwischen Ausmaße angenommen, die Experten an die Tulpenmanie des 17. Jhdts. erinnert.

Das ist insofern bemerkenswert, als dass sein Werk „Everydays: The First 5000 Days“ das erste rein digitale Kunstwerk ist, das vom renommierten Auktionshaus Christie’s aufgerufen wurde – und zum stolzen Preis von rund 69 Mio. US-Dollar über den virtuellen Tisch ging.

Anders als bei den Werken analoger Meister handelt es sich hier um ein sogenanntes „NFT“, also ein non-fungible Token. NFT-Technologie erlaubt es, ganz spezifische und individuelle digitale Werte auf der Blockchain zu handeln. Zwar funktionieren NFTs ähnlich wie kryptographische Token, anders aber als Kryptowährungen wie z.B. Bitcoin sind sie nicht beliebig untereinander austauschbar (non-fungible), den jeder dieser Token ist mit einem langen alphanumerischen Code „gestempelt“, der auf der Blockchain hinterlegt ist und zu jedem Zeitpunkt den aktuellen Eigentümer anzeigt. Das digitale Asset – ein Bild, Dokument oder Video – mag zwar bereits öffentlich sein, jedoch erzeugt die spezifische Signatur eine Einzigartigkeit, die NFTs besonders für Sammler, Investoren und Kunsthändler interessant macht.

Und tatsächlich: Der Handel mit NFTs hat inzwischen Ausmaße angenommen, die Experten an die Tulpenmanie des 17. Jhdts. erinnert. Der Vergleich mit der ersten dokumentierten Spekulationsblase der Geschichte liegt durchaus nahe, denn obwohl der Wert eines Kunstgegenstandes immer im Auge des Betrachters liegt, treiben NFTs diese Subjektivität auf die Spitze. So verkaufte Jack Dorsey ein digital signiertes Abbild seines ersten Tweets für 2,9 Mio. USD, während das Token einer bereits erschienenen New-York-Times-Kolumne im PNG-Format etwa eine halbe Million Euro einbrachte. Sportvereine, Sänger, TV-Persönlichkeiten – kaum jemand, der nicht inzwischen sein eigenes NFT feilbietet. Das Start-up Sorare konnte jüngst die Clubs FC Bayern München, Schalke 04 und Bayer Leverkusen überzeugen, ihre Spieler zu tokenisieren und auf die Ethereum-Blockchain zu bringen. NFTs lassen sich mit wenigen Klicks in beliebiger Auflage erstellen und scheinen quasi eine Lizenz zum Gelddrucken zu sein.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 4/2021. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Derzeit jagt ein Rekorderlös den nächsten und wer jetzt den richtigen Riecher hat, kann über Nacht zum Krypto-Millionär werden. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Möglich, denn NFTs haben keinen physischen Gegenwert und die Lage kann jederzeit kippen. Ist z.B. der Markt übersättigt und es kommt zur Inflation, sitzen Anleger und Fans, ehe sie es sich versehen, womöglich auf einem Haufen wertloser Pixel. Übrigens: Beeple selbst ist sich sicher, dass der digitale Goldrausch in absehbarer Zeit endet und die Assets absolut wertlos werden. Wer also noch ein paar Milliönchen verdienen möchte, sollte keine Zeit verlieren – bevor morgen die Blase platzt.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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