„Daten bilden die Grundlage, auf der KI-Modelle trainiert, optimiert und in der Praxis eingesetzt werden können. Dafür liefern wir die Basis“, so Elton Schwerzel.
Elton Schwerzel betont: „Die Deutschen sind nicht gerne die Ersten auf der Transformationsautobahn. Man schaut sich erst an, was andere machen, bevor man selbst Innovationen vorantreibt.“
„Wir sind eine Data Excellence Company und für uns gilt ganz klar: Wir setzen auf Innovation. Dazu gehören natürlich Cloud-Transformationsprojekte“, berichtet Elton Schwerzel.
Elton Schwerzel: „Das Unternehmen wurde vor knapp 29 Jahren in der Schweiz gegründet. Hier ist unser Headquarter und hier sind unsere Wurzeln.“
„Vor allem in den vergangenen zwei Jahren konnten wir unsere Position im Markt noch einmal ausbauen“, betont Elton Schwerzel.
Eine Vielzahl von Themen rund um das Management und die Analyse von Daten beschäftige aktuell die Unternehmen, berichtet Elton Schwerzel, einer von vier Geschäftsführern der in-factory GmbH aus Esslingen am Neckar. Die IT-Company setze dabei auf drei Jahrzehnte Expertise in der Einführung von IT-Innovationen, motivierte Mitarbeiter und Technologiepartnerschaften mit Anbietern wie Informatica, Snowflake oder Oracle. Die richtigen Daten zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen, sei das Ziel, so Schwerzel.
ITD: Herr Schwerzel, Sie sind bei in-factory u.a. für die Kundenbetreuung zuständig. Was sind aus Ihrer Sicht gerade die großen Themen bei den Unternehmen, die mit Ihren Lösungen arbeiten?
Elton Schwerzel: Kurz zu meiner Position: Ich bin verantwortlich für alle Go-to-Market-Themen. Wir haben keinen klassischen Vertrieb, sondern sind eine IT-Boutique. Das heißt: Wir erarbeiten IT-Lösungen und -Strategien mit unseren Technologiepartnern und unseren Kunden. Unser Ziel ist es, mit Interessenten im Dialog Lösungen zu erarbeiten, um gemeinsam IT-Projekte und die IT-Transformation vorantreiben zu können. Und in diesem Kontext bin ich verantwortlich für das Thema „Kundenbetreuung“.
ITD: Und welche Projekte stehen dabei aktuell besonders im Fokus?
Schwerzel: Wir sind die Data Excellence Company im deutschsprachigen Raum und entwickeln Lösungen rund um das Thema „Daten“. Derzeit beschäftigt sich fast jede Organisation mit Datenqualität und -sicherheit. Hinzu kommt ein weiteres Unterthema – nämlich Data Governance. Dabei geht es um Richtlinien, wie ein Unternehmen mit Daten umgeht. Das ist momentan besonders wichtig. Denn die Organisationen, für die wir arbeiten, sind meistens Großkonzerne. Und diese haben viele historische Daten und Richtlinien, die sie beachten müssen. Dabei stellt sich immer die Frage: Wie geht man mit diesen Daten um und wie lassen sich Prozesse automatisieren, ohne dabei Richtlinien zu vernachlässigen? Datenmanagement und -integration sind weitere wichtige Themen. Schlagwort „Datendemokratisierung“: Wie verteilt man die Daten und wie versorgt man Systeme in der Unternehmensarchitektur mit den notwendigen Daten, um Mehrwerte zu schaffen? In diesem Zusammenhang reden wir nicht nur über Cloud-Lösungen, sondern auch über historische Daten, Services und Lösungen. Und alle Themen, die ich genannt habe, sind die Basis für Künstliche Intelligenz (KI), Automatisierung und die Geschäftsmodelle der Zukunft.
ITD: Was bedeutet das?
Schwerzel: Es geht darum, die Daten so gut wie möglich zu nutzen und auszuwerten, um daraus Berichte zu erstellen, die dann als Grundlage für Geschäftsentscheidungen dienen. Die Datenanalyse spielt eine entscheidende Rolle als Basis für Künstliche Intelligenz. Um eine KI effektiv zu trainieren, benötigt sie qualitativ hochwertige Daten. Die Datenanalyse hilft bei der Beschaffung, Bereinigung und Vorbereitung von Daten für den Einsatz in KI-Modellen. Daten bilden die Grundlage, auf der KI-Modelle trainiert, optimiert und in der Praxis eingesetzt werden können. Dafür liefern wir die Basis.
ITD: Aus Big Data werden Smart Data.
Schwerzel: Richtig. Unser Co-Gründer, Gerald Weber, spricht immer davon, die richtigen Daten zur richtigen Zeit an den richtigen Ort in der richtigen Qualität zu bringen. Das hat er schon gesagt, als er vor 30 Jahren die Firma gegründet hat. Heute nennt man das Smart Data. Ein anderer Begriff in diesem Zusammenhang ist Datendemokratisierung – also die passenden Daten für jeden Nutzer.
ITD: Aufgrund der Digitalisierung in den Unternehmen müsste die Nachfrage nach Lösungen, wie sie in-factory bietet, zurzeit doch besonders groß sein.
Schwerzel: So etwas höre ich häufig und die in-factory ist auch sehr erfolgreich. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren konnten wir unsere Position im Markt noch einmal ausbauen. Aber wenn man sich die Situation in den Unternehmen anschaut, dann muss man leider feststellen: Die Digitalisierung in Deutschland stagniert. Wir befinden uns im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Größere Unternehmen sind die Treiber der Digitalisierung gewesen. Aber in den vergangenen beiden Jahren haben diese weniger investiert als zuvor. Der Mittelstand verhält sich degressiv. Und bei den Kleinstunternehmen ist ebenfalls wenig Bewegung. Diese Beobachtung hat das Bundesministerium für Wirtschaft im letzten Jahr bestätigt.
ITD: Woran liegt das?
Schwerzel: Dafür gibt es verschiedene Gründe. Krisenzeiten, die geopolitische Situation und Föderalismus bremsen und verunsichern. Zudem ist die Digitalisierung noch nicht alltäglich in deutschen Unternehmen. Viele Firmen arbeiten noch mit alten Technologien. Ich glaube, das ist vor allem ein kulturelles Thema. Wenn wir nach Osteuropa, in die USA oder nach Asien blicken, dann sehen wir ganz andere Entwicklungen.
ITD: Was meinen Sie damit?
Schwerzel: Die Deutschen sind nicht gerne die Ersten auf der Autobahn – also auf der Transformationsautobahn. Man schaut sich erst an, was andere machen, bevor man selbst Innovationen vorantreibt. Das Interessante dabei ist aber: Bei der Basisarbeit – etwa bei der angewandten Informatik und der Wirtschaftsinformatik – sind wir in Deutschland immer noch führend. Wir setzen es bloß nicht in den Projekten um. Die großen Investitionen in Innovationsprojekte werden immer noch außerhalb der DACH-Region vorangetrieben.
ITD: Ist das auch beim Einsatz von Künstlicher Intelligenz so? Sie hatten gesagt, dass die Datenthemen letztendlich die Grundlage für die Nutzung von KI sind.
Schwerzel: Nein. Tatsächlich haben wir im Kontext „KI“ an Fahrt aufgenommen. Das, was in Bezug auf KI-Technologien und -Ideen in den vergangenen Jahren passiert ist, ist für unsere Kultur hier in der Region sehr schnell.
ITD: Ist KI zurzeit der alles bestimmende Trend?
Schwerzel: Sicherlich ist das Thema „KI“ aktuell ein großer Trend u.a. im Bereich „Machine Learning (ML)“, wenn es z.B. darum geht, die Produktion zu automatisieren, um Effizienzsteigerungen zu erwirken und Fehler zu reduzieren. Wir sehen aber immer noch die Analyse der Daten als das wichtigste Thema – häufig auch gestützt durch Algorithmen. Das sind Anwendungen, die automatisiert Regeln in der Datensammlung erkennen und dann entsprechende Reports ausgeben, um einen Markt zu durchdringen, einen Kunden zu erreichen oder die Verkaufserfahrung zu optimieren. Das liegt sicher daran, dass diese Prozesse die derzeitigen Umsatztreiber sind.
ITD: Wie weit sind die Unternehmen bei der Nutzung von Cloud Computing?
Schwerzel: Alle Unternehmen, die Kundenkontakt haben, sind in der Cloud. Dort gibt es auch die klare Vorgabe von der Vorstandsriege: Cloud First. In diesem Bereich werden auch innovative Produkte entwickelt und ausgerollt, um den Kundenservice und die Customer Experience zu erhöhen. Wenn man heute im Kontext „Customer Journey“ erfolgreich sein möchte, muss man dafür die Cloud nutzen. Doch wenn es darum geht, die Daten aus diesen Kundenprozessen zu verarbeiten, dann geschieht dies in 90 Prozent der Fälle noch mit Backend-Infrastrukturen, die einen hohen Anteil an On-Premises-IT-Architekturen haben. Das ist einfach der Tatsache geschuldet, dass wir beim Thema „Cloud Computing“ in Deutschland nicht First Mover gewesen sind und noch einiges aufzuholen haben.
ITD: Das heißt, es herrscht ein Mix aus Cloud und On-Premises vor?
Schwerzel: Ich habe bis jetzt sowohl in den großen als auch in den mittelständischen Unternehmen nichts anderes gesehen als hybride Backend-Architekturen. Die Ausnahme sind einige Start-ups, die zu 100 Prozent auf Cloud First setzen und die überhaupt nicht über On-Premises nachdenken. Aber es ist sicher noch eine Aufgabe für die Zukunft, die Transformation in Richtung „Cloud“ durchzuführen – was auch wegen der Services, Skalierbarkeit, Geschwindigkeit und Sicherheit sinnvoll ist. Denn wir werden irgendwann zu einem Punkt kommen, an dem niemand mehr die Verantwortung für On-Premises haben möchte, weil Cloud viel sicherer sein wird. Das wird aber noch ein Weilchen dauern.
ITD: Wie sieht denn die Cloud-Strategie von in-factory aus?
Schwerzel: Wir sind eine Data Excellence Company und für uns gilt ganz klar: Wir setzen auf Innovation. Dazu gehören natürlich Cloud-Transformationsprojekte – aber uns ist die nachhaltige Innovation wichtig. Damit meine ich, dass die Werte wichtig bleiben, die wir in der Vergangenheit etabliert haben. Wir bringen drei Jahrzehnte Erfahrung mit in die Transformation und in die Geschäftsmodelle der Zukunft – also Innovationen mit dem Know-how aus 30 Jahren IT-Management werden in die Zukunft übertragen.
ITD: Welche Werte sind das? Was zeichnet Ihr Unternehmen besonders aus?
Schwerzel: Ein Chief Information Officer (CIO) aus einem DAX-Konzern hat mal zu mir gesagt: „Wenn große Beratungs- und Implementierungshäuser zu uns in den Konzern kommen, dann kenne ich die Menschen, die hier im Projekt arbeiten, überhaupt nicht. Bei in-factory ist das anders: Ihre Leute arbeiten mit unseren Teams zusammen und ich weiß, wer da sitzt und was das für Menschen sind.“ Das ist es, was wir besonders gut können: Wir liefern nachhaltige Beratung und IT-Dienstleistungen. Wir erarbeiten Lösungen mit dem Kunden gemeinsam und bleiben vor Ort bis zum Projekterfolg. Das schätzen gerade inhabergeführte Unternehmen sehr, aber mittlerweile auch Großkonzerne. Es gibt Kunden, mit denen wir schon seit fast 30 Jahren zusammenarbeiten. Das heißt, es entstehen echte Partnerschaften mit den Kunden und auch mit unseren Mitarbeitern.
ITD: Welche Schwerpunkte setzt Ihr Unternehmen bei der Entwicklung seiner Mitarbeiter?
Schwerzel: Wir befinden uns in dem oft zitierten „War for Talents“. Der deutschsprachige Raum ist immer noch der stärkste europäische Markt. Das bedeutet: Es gibt viele große IT-Dienstleister und Software-Unternehmen, die alle um die besten Talente in den Bereichen „Informatik“, „Wirtschaftsinformatik“, „Betriebswirtschaft“ oder „Naturwissenschaft“ buhlen. Dabei können wir nicht die großen Angebote machen, zu denen Konzerne in der Lage sind. Doch es gibt noch andere Dinge, die bei der Gewinnung von Mitarbeitern eine Rolle spielen. Dazu zählt eine Policy of Open Doors. Jeder Mitarbeiter kann uns vier Geschäftsführer jederzeit ansprechen. Zudem sind wir ein Familienunternehmen mit insgesamt 85 Mitarbeitern. Es gibt gemeinsame Workshops und Familienausflüge. Wir versuchen, eine Verbindung zu den Mitarbeitern herzustellen, damit sie sich bei uns wohlfühlen. Und ich glaube, das gelingt uns ganz gut. Im vergangenen Jahr konnten wir zehn neue Talente einstellen. Das ist wirklich erstaunlich, wenn man bedenkt, wie groß die Konkurrenz am Markt ist.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Führungskräfte zum Anfassen quasi.
Schwerzel: Es gibt bei uns keine „klassischen“ Führungskräfte. Die drei Gründer – Urban Wymann, Gerald Weber und Erich Schlotterer – sind zwar meine Mitgeschäftsführer, aber wir arbeiten alle gemeinsam in den Projekten. Wir schauen uns an, welche Aufgaben es im Unternehmen und beim Kunden gibt und welches Team in der Lage ist, diese am besten zu lösen. Entscheidend dabei ist, wer dafür die passende Erfahrung und Expertise mitbringt. So setzen wir unsere Teams zusammen.
ITD: Welche Bedeutung hat das Partnergeschäft für Ihr Unternehmen?
Schwerzel: Unser Ecosystem und dessen Erweiterung sind für uns wichtig. Unsere Technologiepartner treiben Innovation voran. Wir können diese Innovation aufgreifen und weiterentwickeln. Es gibt starke Partnerschaften etwa mit Informatica und Snowflake, mit denen wir in diesem Jahr durchstarten. Aber auch in der Vergangenheit mit der Firma Aparavi, die eine Technologie anbietet, um unstrukturierte Daten zu managen.
ITD: Welchen Benefit bieten die Partnerschaften mit Informatica und Snowflake?
Schwerzel: Viele User nutzen Informatica als Datenmanagement- und Datenintegrationssystem. Wir unterstützen die Cloud-Datenplattform (IDMC) von Informatica und verfügen mittlerweile über die meisten dafür zertifizierten IT-Berater im deutschsprachigen Raum. So können wir Kunden, die Informatica nutzen, dabei helfen, die Transformation aus der On-Premises-Welt in die Cloud erfolgreich umzusetzen. Zudem freue ich mich über die Snowflake-Zertifizierung. Dadurch können wir unseren Kunden Lösungen auf Basis von hybriden Architekturen anbieten, für die wir Informatica als Integrationswerkzeug und Snowflake als Data-Warehouse-Plattform nutzen.
ITD: Welche Rolle spielt eigentlich der Standort „Schweiz“ für in-factory?
Schwerzel: Das Unternehmen wurde vor knapp 29 Jahren in der Schweiz gegründet. Hier ist unser Headquarter und hier sind unsere Wurzeln. Wir sind natürlich in den folgenden Jahrzehnten stark gewachsen, auch im deutschen Markt. In der Schweiz waren wir bisher sehr auf die Finanzbranche fokussiert. Das wollen wir nun in diesem Jahr ändern.
ITD: Das heißt konkret?
Schwerzel: Wir möchten das Know-how, das wir hier aufgebaut haben, in den Mittelstand bringen und dafür mit lokalen Partnern zusammenarbeiten. Denn wir sehen bei diesen Firmen ein großes Potenzial für Cloud-Lösungen. Es gibt auch bei kleineren Unternehmen einen großen Bedarf z.B. für Cloud-Data-Warehouses von Snowflake. Dafür können wir viel Know-how und Expertise mitbringen. Hinzu kommt, dass die Hälfte unserer Belegschaft in der Schweiz arbeitet und vor Ort die Kunden unterstützen kann.
Alter: 48 Jahre
Derzeitige Position: General Manager bei der in-factory GmbH
Interessen: Fitness-Sport und Reisen – gern in Kombination
Bildquelle: Jens Distelberg