Dr. Sebastian Saxe ist seit April Vorsitzender des Fujitsu Next e.V. Er ist als Mitglied der Geschäftsleitung, CIO und Leiter Services bei der Hamburg Port Authority tätig.
Helmut Hartung ist Vorstandsmitglied bei Fujitsu Next e.V und einer der beiden Geschäftsführer der Grass-Merkur GmbH & Co. KG, einem unabhängigen Beratungs- und IT-Service-Unternehmen.
IT-DIRECTOR: Herr Dr. Saxe, im Anschluss an die Gründung im Oktober 2010 wurden Sie zum Vorstandssprecher gewählt. Wie hat sich der Verein seitdem entwickelt?
S. Saxe: Die Anwendervereinigung „Fujitsu Next e.V.“ hat sich als Forum für den Informationsaustausch zwischen Nutzern von Produkten, Lösungen und Services und als Feedback-Kanal für Produktverantwortliche des Anbieters etabliert. Mittlerweile weist die Vereinigung mehr als 100 Mitgliedsunternehmen, drei Fördermitglieder und acht Arbeitskreise auf. Mit dieser Entwicklung können wir sehr zufrieden sein.
IT-DIRECTOR: Welche Ziele hat sich der Verein gesteckt?
H. Hartung: Wir wollen unter anderem den Informations- und Erfahrungsaustausch der Mitglieder untereinander sowie mit Fujitsu selbst fördern. Dabei geht es vor allem auch um die Neu- und Weiterentwicklung der Produkte, Services und Lösungen des Anbieters. Dieser Erfahrungsaustausch ist für die Mitglieder insbesondere auch branchenspezifisch interessant. Beispielsweise setzt gerade der öffentliche Sektor aus wirtschaftlichen Gründen auf Branchenlösungen, die an die speziellen Rahmenbedingungen öffentlicher Auftraggeber angepasst sein müssen.
IT-DIRECTOR: Wie profitieren die Mitglieder von ihrem Engagement im Verein?
S. Saxe: Das Beste ist der direkt Draht zum Hersteller und zu den Produktentwicklern. Ein Beispiel ist der Arbeitskreis zur Mainframe-Betriebssystemplattform BS2000. Dort haben Systemverwalter die Möglichkeit, mit den Entwicklern gezielt Änderungsanforderungen zu diskutieren.
H. Hartung: Speziell für Nutzer von IT-Systemen, die nicht in großen Stückzahlen hergestellt werden, etwa Mainframes und Speichersysteme, gibt es kaum Möglichkeiten für den Erfahrungsaustausch mit anderen Anwendern. Die Mitarbeit in unseren Arbeitskreisen bietet die Gelegenheit, Informationen aus erster Hand zu bekommen.
Ein weiterer Vorteil ist, dass sich Mitglieder durch den Erfahrungsaustausch externe Beratertage sparen können. Wenn beispielsweise ein Versicherungsunternehmen Speichersysteme der Reihe Eternus einsetzen möchte, hat der IT-Administrator die Möglichkeit, andere Mitglieder zu kontaktieren und nach ihren Erfahrungen mit diesem System zu fragen.
IT-DIRECTOR: Und welchen Nutzen kann sich der Hersteller selbst versprechen?
H. Hartung: Er erhält in den Arbeitskreisen ungefilterte Informationen von den IT-Spezialisten seiner Kunden. Das gibt Produktverantwortlichen die Möglichkeit, die Erfahrungen und Wünsche von Kunden in die Entwicklung von Produkten und Services einfließen zu lassen.
IT-DIRECTOR: Geben Sie Ihren Mitgliedern auch Hilfestellung, wenn es um strategische IT-Themen geht?
S. Saxe: Auf alle Fälle, ein aktuelles Beispiel ist die Initiative, die der Verein zu den Themen Mobility und Social Media sowie zu den daraus resultierenden Herausforderungen ergriffen hat. So haben wir in diesem Kontext bundesweit an den Hochschulen einen Mobility Award ausgeschrieben. Die von Studenten eingereichten Arbeiten werden vom wissenschaftlichen Beirat des Vereins bewertet und die gewonnenen Erkenntnisse den Mitgliedern zur Verfügung gestellt.
IT-DIRECTOR: Sie haben die Arbeitskreise angesprochen. Wie viele gibt es und welche Rolle spielen Sie?
H. Hartung: Derzeit gibt es acht Arbeitskreise, an deren Tagungen zwischen 15 und 50 Mitglieder teilnehmen. Ein Teil konzentriert sich auf Produkte wie etwa den BS2000 und die Eternus CS, andere auf übergreifende Themen wie Managed Services oder Informationssicherheitsmanagement.
IT-DIRECTOR: Sie widmen sich der Förderung von IT-Nachwuchskräften. Warum steht dieses Thema im Fokus?
S. Saxe: Der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern kostet deutsche IT-Unternehmen laut einer aktuellen Studie des Hightech-Verbandes Bitkom 11 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr. Der Verein muss einen Beitrag zur Lösung dieses Problems leisten.
IT-DIRECTOR: Wie erfolgt dies in der Praxis?
S. Saxe: Wir haben unter anderem einen wissenschaftlichen Beirat gegründet. Ihm gehören vier Professoren der Universität Hamburg, der Fachhochschule Hannover, der Hochschule für Technik in Stuttgart sowie der Technischen Universität München an. Mit diesem Beirat besprechen wir, was wir als Anwenderverein tun können, um den wissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern.
IT-DIRECTOR: Welche Maßnahmen in Sachen Nachwuchsförderungen wurden initiiert?
S. Saxe: Wir haben den erwähnten Mobility Award ausgelobt. Ein weiteres Beispiel ist das Projekt Braintrain in Zusammenarbeit mit der Universität Hamburg. Post-Doktoranden der Fachrichtung Informatik erhielten Ende 2011 die Gelegenheit, zusammen mit ihren Professoren auf Sylt an einem internationalen Doktorandenseminar zum Thema Nachhaltigkeit in der IT teilzunehmen. Die Ergebnisse haben sie dann auf einer wissenschaftlichen Konferenz der Uni Hamburg präsentiert und diskutiert. An dieser Veranstaltung nahmen auch mehrere Mitglieder teil.
IT-DIRECTOR: Wer kann dem Verein beitreten und welche Rechte und Pflichten sind damit verbunden?
H. Hartung: Jeder, der Produkte und Dienstleistungen von Fujitsu nutzt, kann Mitglied werden. Der Jahresbeitrag beträgt für Firmen und Behörden 360 Euro und 120 Euro für eine persönliche Mitgliedschaft. Die Mehrheit unserer aktuell mehr als 100 Mitglieder liegt dabei ganz klar auf Unternehmensseite. Empfehlenswert ist die Mitarbeit in einem oder mehreren Arbeitskreisen. Außerdem berechtigt die Mitgliedschaft zur Teilnahme an der Fachtagung Next Now. Bei dieser wird es um Themen wie Mobilität, mobile Endgeräte der nächsten Generation sowie das Rechenzentrum der Zukunft gehen. Zudem hat jedes Mitglied natürlich Zugang zu den Informationen im geschützten Bereich der Vereins-Webseite.