IT-DIRECTOR: Externe Cloud-Anwendungen müssen auch mit internen, nicht-cloud-fähigen Applikationen interoperabel sein. Inwieweit verlieren Cloud-Lösungen ihren Reiz, wenn hierfür erst teure Schnittstellen aufwendig programmiert werden müssen?
Dr. W. Kirchmann: Eine Coud-Lösung verliert in so einem Fall klar an Attraktivität, denn Interoperabilität ist ein sehr wichtiger Punkt, der die Übergangsphase für die nächsten Jahre betrifft. Auch in puncto Interoperabilität von hybriden IT-Landschaften werden in den nächsten Jahren neue Herausforderungen auf die Branche zukommen – wenn also Teile der IT inklusive Anwendungen bereits in der Cloud sind und andere nicht. Und das betrifft nicht nur die IT: Noch ist auch völlig unklar, wie Cloud-Anbieter selbst untereinander zusammenarbeiten, wenn ein Unternehmen Cloud-Angebote von mehreren Dienstleistern nutzt.
IT-DIRECTOR: Ist eine solche Migration überhaupt möglich, oder scheitert es an fehlender Interoperabilität?
Dr. W. Kirchmann: Aktuell wohl eher nicht. Denn dazu gibt es im B2B-Umfeld bisher noch so gut wie keine Erfahrungswerte. Derzeit sind die Unternehmen noch grundsätzlich damit beschäftigt, bestehende Systeme überhaupt in die Cloud zu migrieren.
IT-DIRECTOR: Das Internet vergisst nichts – wie können IT-Verantwortliche dennoch sichergehen, dass ihre beim alten Cloud-Anbieter verbliebenen Unternehmensdaten sicher und gesetzeskonform gelöscht werden?
Dr. W. Kirchmann: Diese Daten sollten auch während der Inanspruchnahme des Cloud-Angebots gar nicht erst im 'freien Internet' via Suchmaschine zu finden sein! Ansonsten entsprechen die Prozesse zur Sicherstellung der Datenvernichtung den gleichen Kriterien, die bei einem herkömmlichen Provider-Wechsel im Rahmen eines Outsourcing-Modells gelten. Hier greifen ganz klar definierte Governance-Vereinbarungen inklusive entsprechender Kontrollmechanismen. Schwierig ist es jedoch, wenn der neue Cloud-Anbieter beispielsweise im Ausland ansässig ist und andere Rechtsnormen gelten. Solche Punkte gilt es im Idealfall ebenfalls vor der Auslagerung in die Cloud zu bedenken und zu regeln.