KI benötigt eine Datenplattform
Künstliche Intelligenz kann ungeheuer viel und braucht nur sehr wenig. Eines braucht sie aber unbedingt: Zugriff auf „saubere“ Daten. Die Gerresheimer AG ließ sich deshalb von der Telekom MMS eine zentrale Plattform bauen, die Daten aus unterschiedlichen Systemen zusammenführt und sie allen Abteilungen des Unternehmens zugänglich macht.
Wenn ein Konzern über Jahrzehnte wächst, dann wächst auch seine IT – aber nur selten homogen. Stattdessen entsteht mit der Zeit häufig eine sehr komplexe Datenorganisationsstruktur. So war es auch bei der Gerresheimer AG: In dem börsennotierten Unternehmen, das mit rund 13.600 Angestellten weltweit und Standorten in 16 Ländern zu den global führenden Anbietern von Primärverpackungen aus Glass und Kunststoff sowie Drug-Delivery-Devices und Medizinprodukten zählt, war eine heterogene IT-Architektur herangewachsen.
Neue Standorte und diverse Übernahmen hatten immer wieder eigene Datensilos und eigene Formate mit sich gebracht. Zudem waren und sind bei der Gerresheimer AG verschiedene ERP-Systeme im Einsatz. Die Folge: Bis vor einiger Zeit konnten Daten nicht ohne größeren Bereinigungsaufwand konzernübergreifend genutzt werden.
Eine effiziente Datenverarbeitung tat also Not. Deshalb fiel zum Ende des Jahres 2023 die Entscheidung, eine zentrale Datenplattform zu etablieren. Auf dieser sollten alle wichtigen Unternehmensdaten verfügbar sein. Und nicht nur verfügbar – auch konzernweit vergleichbar. Jedes Werk sollte in der Lage sein, die Daten selbstständig zu interpretieren und zu konsolidieren.
Es sollte eine Plattform entstehen, die es allen Standorten und Business Units erlaubt, ihre Informationen zentral abzurufen („Single Source of Truth“). Dadurch würden wichtige Kennzahlen – z. B. Lagerauslastung, Bestände oder Lieferstatus – jederzeit aktuell zur Verfügung stehen. Die Anforderungen:
1. Nutzbar als Entscheidungsgrundlage
Die Daten sollten sowohl operativ als auch im Management als Grundlage für Entscheidungen dienen können.
2. ERP‑unabhängig
Die Daten sollten losgelöst vom jeweiligen ERP-System nutzbar sein.
3. Rollenbasierter Zugriff (RBAC)
Der Zugriff auf die Daten sollte über Rollen und Berechtigungen gesteuert werden. Unterschiedliche Nutzergruppen sollten also bedarfsgerecht die für sie relevanten Information erhalten. Dabei müssten alle geltenden Datenschutzvorgaben eingehalten werden.
Als Dienstleister wurde die Telekom MMS ausgewählt. Das zum Telekom-Konzern gehörende Unternehmen ist für die Gerresheimer AG nicht nur ein Implementierungsanbieter, sondern schon seit Längerem ein strategischer Partner.
„Die Telekom MMS kennt uns ziemlich gut. Und wir profitieren davon, dass wir über verschiedene Projekte hinweg dieselben Ansprechpartner haben“, sagt Benedikt Baumeister, Head of Digital Transformation bei der Gerresheimer Business Unit Moulded Glass.
„Das vereinfacht die Abstimmungen enorm und sorgt dafür, dass wir Synergien nutzen können. Und wenn für ein Projekt mal nicht genügend Know-how vorhanden ist, greift die Telekom MMS auf das Telekom-Konzernwissen zurück und bindet andere Fachbereiche ein. Wir müssen also nicht für jede weitergehende Frage den Dienstleister wechseln. Entsprechend haben wir auch keinen Aufwand mit dem On- und Off-Boarding von neuen Kooperationspartnern.“
Inzwischen ist die zentrale Datenplattform – sie basiert auf der Azure Cloud von Microsoft – erfolgreich im Einsatz. Eine neu eingerichtete Data-Science-Abteilung holt die Daten auf die Plattform und standardisiert sie. Allerdings wird nicht alles standardisiert. Dahinter steht ein Konzept, das Benedikt Baumeister als „Hybrid-Konzept“ bezeichnet: Die Datenverarbeitung erfolgt einerseits zentral, andererseits aber auch weiterhin dezentral, denn die fachspezifische Aufbereitung erfolgt erst in den Business-Units.
Das Konzept kombiniert also zentralen Zugriff mit dezentraler Agilität. So kann sehr zeiteffizient gearbeitet werden, da langwierige Abstimmungsprozesse entfallen und Ergebnisse schneller verfügbar sind. Und weil die Units sich jetzt globale Daten jederzeit an zentraler Stelle abholen können, ohne auf Freigaben warten zu müssen, bleibt die Zeitersparnis auch über den gesamten Prozess erhalten.
„Der Shift ist spürbar“, sagt Baumeister. „Die einzelnen Fachbereiche – Sales, Supply Chain, Operations, Quality und so weiter – müssen keine Daten mehr zusammentragen. Stattdessen können sie direkt Analysen vornehmen und Maßnahmen ableiten.“
Nicht nur intern, auch extern zeigt das Vorhandensein der Plattform prozessverändernde Wirkung: Ein neu eingerichtetes Lieferantenportal auf Microsoft-Power-Platform-Basis stellt den Partnern der Gerresheimer AG automatisiert Informationen zur Wertschöpfung zur Verfügung, während ein Key-Account-Kundenportal definierten Abnehmern Einsicht in den Bestellprozess gewährt. Dabei bleibt die Datenplattform „unsichtbar“. Ihre Vorzüge sind dafür umso offensichtlicher.
Matthias Kricke, Head of AI & Data Foundation von der Telekom MMS, sagt: „Wir sind stolz darauf, die Gerresheimer AG seit vielen Jahren bei der Erweiterung der Datenplattform unterstützen zu dürfen. Die Plattform stellt eine gute Basis für innovative Anwendungsfälle dar und ermöglicht langfristige Wettbewerbsvorteile.“
Natürlich ist die neue Datenplattform kein Selbstzweck. Sie ist vielmehr der Ausgangspunkt für den nächsten großen Schritt, der „KI-Einsatz“ lautet. Damit man diesen Schritt gehen kann, musste Konsistenz in der Datenhaltung sichergestellt sein – und das ist nun der Fall. „Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem wir die Plattform weiter ausrollen und sie für smarte Softwarelösungen nutzbar machen können“, erklärt Benedikt Baumeister. Im Raum steht zum Beispiel die Implementierung von Chat-with-Data-Applikationen und von intelligenten Analysetools. Damit würde der Weg vom klassischen Reporting wegführen, hin und zu einer interaktiven Datennutzung.
Statt Daten mittels Dashboards durchforsten zu müssen, soll ein Vertriebsmitarbeiter künftig einfach einen Chatbot fragen können: Wie haben sich die Umsätze unseres größten Kunden im letzten Quartal entwickelt? Die Antwort wird dann sekundenschnell kommen. KI wird klassische BI-Systeme aber nicht ersetzen, sondern ergänzen. Genauer: Sie wird auf der bestehenden BI-Infrastruktur aufbauen und sie um neue Formen der Interaktion erweitern.
„Wir haben mit der Plattform die technische Basis gelegt. Jetzt geht es darum, diese Basis mit KI-Lösungen anzureichern und dadurch zusätzlichen Mehrwert zu schaffen“, so Baumeister. Denn: Künstliche Intelligenz im Unternehmen ist immer nur so intelligent, wie es die Datenbasis zulässt. Wer KI einsetzt, um effizienter zu werden, ohne gleichzeitig in eine strukturierte Datenhaltung zu investieren, macht unterm Strich ein Nullsummengeschäft. Die Gerresheimer AG hat das verstanden.
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