Aktueller Atos-Trendreport

Ein Blick in die Glaskugel

Interview mit Hermann Gouverneur, CTO bei Atos Deutschland und Mitglied der Scientific Community, über die organisatorischen und technologischen Herausforderungen der Zukunft

Hermann Gouverneur, Atos Deutschland

Hermann Gouverneur, CTO bei Atos Deutschland

IT-DIRECTOR: Herr Gouverneur, Atos hat mit seinem „Ascent Journey 2016“-Bericht in die Glaskugel geschaut und gibt einen Ausblick, welche neuen Technologien uns in den kommenden vier Jahren beschäftigen werden. Was erwartet uns?
H. Gouverneur: Es handelt sich um den zweiten Technologie-Trendbericht, den wir veröffentlicht haben. Unser Ziel ist es, die Auswirkungen makroökonomischer Entwicklungen der Technologien und Märkte zu analysieren und darzustellen. Herausgekommen sind vier große Themen, die die wirtschaftlichen und technischen Entscheidungen der nächsten Jahre maßgeblich beeinflussen werden, nämlich Demographie, wirtschaftliche Nachhaltigkeit, Globalisierung und Vertrauen.

IT-DIRECTOR: Das klingt nun nicht allzu spektakulär, das sind ja alles bekannte Themen ...
H. Gouverneur:
Unsere Analyse hatte nicht zum Ziel, besonders spektakuläre Ergebnisse zu erzeugen. Wir haben uns stattdessen gefragt, welche konkreten Herausforderungen diese globalen Trends auf die Bereiche Wirtschaft und Technik haben werden. Die verstärkte Vernetzung der digitalen Welt vor allem durch soziale Medien bringt das Thema „offene Innovationen“ auf den Tisch. Immer mehr Unternehmen und Organisationen setzen auf offene, gemeinsame Entwicklungen oder das so genannte „crowd funding“ von Projekten. Damit dies funktionieren kann, müssen „crowds“ – also die nur digital vernetzten Projektbeteiligten – Vertrauen in die Technik und in die entsprechenden Organisationen haben. Gleiches gilt für das Thema „mobiles Bezahlen“ – ohne vertrauensvollen digitalen Umgang mit Geld kann sich die Internetwirtschaft nicht über einen bestimmten Punkt hinaus weiterentwickeln.

IT-DIRECTOR: Welche Empfehlung können Sie IT-Entscheidungsträgern mitgeben, die mit schmalen Budgets den Betrieb gewährleisten und Innovationen fördern müssen?
H. Gouverneur:
IT-Verantwortliche müssen sich auf zwei Standbeine stellen: „Kosten senken“ ist natürlich ein permanentes Thema, sozusagen die „Pflicht“. IT als Treiber für innovative Geschäftsprozesse ist die „Kür“ – jedoch mittlerweile mindestens genauso wichtig. Der Anspruch an die IT-Leiter steigt permanent: Einerseits muss eine qualitativ hochwertige und gleichzeitig kostengünstige Infrastruktur bereitgestellt werden, andererseits werden innovative Impulse erwartet, um das Kerngeschäft voran zu treiben. Hier zeigen wir auf, wie sich die IT mit neuen Themen einbringen kann: Stichwörter hier sind beispielsweise Big Data und die Realtime-Analyse des Konsumentenverhaltens.

Aber auch wirtschaftliche Themen stehen im Fokus: Die Bedeutung von Nachhaltigkeit ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Ökonomische Nachhaltigkeit ist mehr als nur ‚Green for IT‘ oder ‚IT for Green‘ zur CO2-Reduktion, sondern zielt auf den langfristigen geschäftlichen Erfolg. Viel zu häufig werden für die kurzfristige Ergebnissicherung mittel- bis langfristige Verbindungen oder Vertrauen zerstört. Kundenbeziehungen, aber auch die Beziehungen zu Partnern und Lieferanten, werden häufig genug nicht nachhaltig genug gepflegt.

IT-DIRECTOR: Weit in die Zukunft geblickt – was sehen Sie dort?
H. Gouverneur:
Die IT-Welt verliert immer mehr ihrer Grenzen. In der „guten, alten“ Welt hatte – bildlich gesprochen – der IT-Leiter den Schlüssel zu „seinem“ Rechenzentrum mit allen Daten und Anwendungen, die dann von fest definierten und standardisierten Clients abrufbar waren, in der Hand. Cloud Computing, Mobility und Bring your own Device bringen diese Welt jetzt schon ordentlich durcheinander. Künftig werden die Grenzen der internen und der externen IT noch weiter verschwimmen. Ich glaube, dass es in einigen Jahren zum Beispiel keine Firewalls mehr geben wird. Die Informationssicherheit wird komplett neu organisiert werden müssen, weg von statischer „Grenzsicherheit“, hin zu verhaltensbasierten Sicherheitsmodellen.

Insgesamt sind langfristige Themen eher organisatorischer als technischer Natur. Welche Privacy-Regeln im Bereich der sozialen Kollaboration werden sich als konsensfähig herauskristallisieren? Dürfen Versicherungen Daten aus vernetzten Autos verwenden? Wenn ja welche und wofür? Kurz gesagt, künftig beschäftigt uns weniger die Frage, was technisch möglich ist, sondern was in den Unternehmen und über die Unternehmensgrenzen hinaus vermittelbar ist.

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