Mathias Lopass: „Wird Cloud ohne eine klare IT-Strategie eingeführt, scheitert die Migration bzw. dreht unnötige Schleifen.“
ITD: Herr Lopass, Was versprechen sich Unternehmen und Organisationen anno 2023 vom Umzug in die Cloud?
Lopass: Durch die rasant zunehmenden Cybersecurity-Herausforderungen erleben wir Cloud-Migrationen verstärkt als einen Beschleuniger zur Umsetzung durchgängiger Zero-Trust Konzepte. Auch Nachhaltigkeit bzw. die Reduzierung von und Transparenz zu CO2-Emissionen gewinnen weiter an Bedeutung. Die bekannten Kerntreiber wie gesteigerte Geschwindigkeit für Projekte, Kosteneinsparungen durch flexible Kostenstrukturen sowie eine erhöhte Innovationskraft und IT-Resilienz sind mittlerweile zu guten „Standard-Gründen“ geworden.
ITD: Wie gelingt es, die optimalen Voraussetzungen für eine geplante Cloud-Migration zu schaffen?
Lopass: Wird Cloud „nebenbei“ eingeführt, also ohne eine klare IT-Strategie, ohne eine gründliche Analyse der Ausgangslage sowie ohne die Priorisierung von Anforderungen und Zielen aus dem Business, scheitert die Cloud-Migration bzw. dreht unnötige Schleifen. Bewährte Methoden wie das Cloud Adoption Framework geben hier einen erprobten Rahmen von Anfang bis Ende – damit ist es möglich, Cloud-Migrationen strukturiert und effizient anzugehen und zum Erfolg zu führen.
ITD: Welche Rolle spielt dabei das Betriebsmodell – also ob eine Private, Public oder Multi-Cloud in Frage kommt?
Lopass: Die Rolle ist zentral und muss individuell von den organisatorischen und prozessualen Faktoren abgeleitet werden. Versprechen Private Clouds höhere Kontrolle, so bieten Public Clouds höhere Skalierbarkeit und Innovationskraft. Wobei die meisten Unternehmen genau eine primäre Public Cloud zur Reduzierung der Komplexität nutzen und Multi-Cloud-Szenarien dann durch den Einsatz ergänzender SaaS-Dienste entstehen.
ITD: Was ist mit Legacy-Applikationen im On-Premises-Betrieb? Inwieweit sind Altsysteme ein Bremsklotz für die Cloud-Migration?
Lopass: Mittlerweile stellt auch eine Mainframe-To-Public-Cloud Migration eine machbare Herausforderung dar, ist also durchaus gut lösbar. Und auch Out-Off-Long-Term-Support Systeme lassen sich in der Cloud wieder aktiv in den Support bringen. Allerdings bremsen sie mit Legacy-Applikationen sowohl aktuelle Innovationen als auch die Umsetzung von Datenstrategien und erzeugen kostenintensive Security-Maßnahmen, welche insbesondere durch Know-how-Verlust und demographischen Wandel nur herausfordernder werden.
ITD: Inwieweit halten Sie eine Cloud-Migration auch bei (oftmals komplexen) ERP- und CRM-Systemen für empfehlenswert?
Lopass: Soll durch eine Cloud-Migration nicht nur Modernisierung, sondern ein Mehrwert für das Business erzielt werden, so erleben wir die Migration von Kernsystemen wie Enterprise-Resource-Planning- (ERP) und Customer-Relationship-Management-Systemen (CRM) oft als zentralen Schritt einer Cloud-Migration, um eine konsequente Transformation der IT und des Unternehmens einzuleiten. Nur dann lassen sich Kerngeschäftsprozesse und Mehrwerte aus Unternehmensdaten auf ein neues Level heben.
ITD: Wie lassen sich die Mitarbeiter am besten in den Migrationsprozess einbeziehen?
Lopass: Eine frühe und wiederholte Kommunikation klarer Ziele und nachvollziehbarer Gründe ist die essentielle Basisarbeit. Die Einbindung der Mitarbeitenden in Form eines „Cloud Center of Excellence“ ermöglicht den Gestaltungsrahmen, kanalisiert Bedenken und zeigt Perspektiven im Rahmen des anstehenden Changes auf. Ein breites Schulungskonzept, welches rollenorientiert sowohl die „Basics“ als auch spezifische Inhalte für „Tekkies“ oder für „Finanzer“ bietet und den Mitarbeitenden passgenau vermittelt, ermöglicht es, aus dem Wandel einen Nutzen sowohl individuell als auch für das Unternehmen zu ziehen.
ITD: Inwieweit sind Cybersicherheit und Datenschutz in der Cloud noch ein Problem?
Lopass: Zero-Trust-Konzepte sind etabliert und lassen sich in der Cloud aufgrund des ganzheitlichen Blickes auf Infrastruktur und Daten einfacher und schneller umsetzen als in verteilten und gewachsenen On-Premises Lokationen. Jedoch existieren fast immer hybride IT-Landschaften oder die Migration bzw. Transformationen dauern Jahre an, so dass umfassende Security-Konzepte unumgänglich sind. Datenschutz und Data Privacy sind auf EU-Ebene klar geregelt und durch zahlreiche Unternehmen – auch im öffentlichen Sektor - belegt. Neue technologische Möglichkeiten wie „Confidential Computing“ verschlüsseln seit neustem die Daten bereits während der Verarbeitung im Arbeitsspeicher, wodurch externe Datenzugriffe auch durch Cloud-Operatoren oder Angreifer unterbunden werden.
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