Als Vorstand fokussiert sich Lars Rückemann auf die Methoden und Technologien. Das beinhaltet die Förderung von Innovation, CSR sowie die Weiterentwicklung des Serviceportfolios. ((Bildquelle: Codecentric))
In vielen Führungsetagen setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass auch soziales und ökologisches Engagement einen großen Teil zum Unternehmenserfolg beitragen kann. ((Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus))
ITD: Herr Rückemann, inwieweit zeigten die Führungsetagen von Großunternehmen im vergangenen Jahr generell Bereitschaft, gesellschaftlich Verantwortung zu übernehmen?
Rückemann: Meinem Empfinden nach war die grundsätzliche Bereitschaft in den Führungsetagen sehr hoch. Es hat sich mittlerweile die Erkenntnis durchgesetzt, dass soziales und ökologisches Engagement keine Marketing-Maßnahme ist, sondern wesentlich zum Unternehmenserfolg beiträgt. Allerdings verfügen bei Weitem noch nicht alle Unternehmen, die sich engagieren wollen, über ausgearbeitete Corporate-Social-Responsibility-Pläne (CSR). Das erschwert die Umsetzung von Projekten deutlich. Klar ist: Unternehmen benötigen ein gutes Framework, in das sich die unterschiedlichen Initiativen einpassen lassen. Uns hat die B-Corp-Zertifizierung dabei geholfen, eine solche Struktur zu implementieren. Darüber hinaus ist es wichtig, dass CSR-Projekte in einem Unternehmen schnell Wurzeln schlagen. Top-down-Projekte, die im Kreis der Mitarbeiter keine Akzeptanz finden oder deren Anliegen und Ideen nicht ausreichend berücksichtigen, sind allzu oft zum Scheitern verurteilt. Denn die Eigeninitiative und Leidenschaft der Belegschaft, persönlich Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv einzubringen, trägt zum Gelingen von CSR-Projekten maßgeblich bei. Diesen wichtigen Faktor sollten Unternehmen von Beginn an im Blick haben.
ITD: Welche Rolle spielt das nachhaltige Engagement von Großunternehmen anno 2024 für die Mitarbeiter?
Rückemann: In den letzten Jahren ist das Bewusstsein der Mitarbeiter für Nachhaltigkeit gerade durch die Verschärfung der Klimakrise deutlich gestiegen. Wir können inzwischen sogar beobachten, dass das ökologische und soziale Engagement von Unternehmen – nicht nur bei jüngeren Menschen – ein entscheidender Aspekt bei der Wahl des Arbeitgebers ist. Mitarbeiter wollen in Unternehmen arbeiten, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und nicht nur nach Profitmaximierung streben. Nachhaltiges Engagement ist also auch bei der Suche nach hoch qualifizierten Fachkräften zu einem entscheidenden Faktor geworden.
ITD: Inwieweit denken Mitarbeiter bereits über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus und engagieren sich für
ökologische und soziale Belange?
Rückemann: Oft ist es so, dass sich die Menschen schon seit Längerem privat engagieren, noch bevor ihr Arbeitgeber in CSR-Belangen aktiv wird. Das Interesse muss also in den meisten Fällen nicht erst vom Arbeitgeber geweckt werden, viele Angestellte bringen es bereits mit und sind froh darüber, sich nun auch im beruflichen Bereich für ökologische und soziale Projekte einsetzen zu können. Unternehmen sollten unbedingt ein offenes Ohr für diese Mitarbeiter haben. Auf diese Weise lässt sich herausfinden, welche Themen das Personal ganz unmittelbar beschäftigen und ob bestehende Initiativen womöglich von Unternehmensseite unterstützt werden können.
ITD: Was wünschen sich Mitarbeiter von ihren Unternehmen, wenn sie konkrete CSR-Initiativen anstoßen?
Rückemann: Für Kollegen, die sich engagieren wollen, ist es zunächst am wichtigsten, überhaupt gehört zu werden. Nichts ist für die Einsatzbereitschaft von Mitarbeitern desaströser, als auf verschlossene Türen zu stoßen. Sodann ist es ganz entscheidend, dass Menschen Freiräume erhalten, um ihre Projekte zu entwickeln und voranzutreiben. Eine große Erleichterung sind hierbei bestehende CSR-Strukturen, die Orientierung gewähren und einen geordneten Rahmen geben. Transparente, unbürokratische Prozesse und ein regelmäßiger interner Austausch zwischen den verschiedenen Projekten und Initiativen sind weitere entscheidende Punkte, die engagierte Mitarbeiter als wichtig erachten. Und natürlich das liebe Geld: Ohne die nötigen Mittel ist auch das vielversprechendste Projekt zum Scheitern verurteilt.
ITD: Was muss geschehen, damit CSR-Initiativen keine Eintagsfliegen bleiben? Welcher Rahmen muss seitens der Arbeitgeber geboten werden?
Rückemann: Es gibt unzählige CSR-Projekte. Doch leider scheitern viele davon in der Praxis. Der Kardinalfehler ist es, wenn CSR von Anfang an für Green- oder Bluewashing (also das Überschatten sozial unerwünschter Folgen) missbraucht wird. Dafür haben Kunden und Partner inzwischen ein ganz gutes Gespür entwickelt, etwa wenn übertriebene Versprechen mit dem Projekt verknüpft werden. Doch auch bei guter Intention scheitern einige Initiativen. Ein Faktor ist dabei häufig, dass zu Beginn keine messbaren Ziele festgelegt wurden. Stattdessen bleibt es bei ungefähren Vorgaben (z.B. mehr Bäume zu pflanzen). Dadurch laufen viele Projekte vor sich hin und irgendwann ins Leere. Es entsteht kein wirklicher Impact, da niemand langfristig motiviert bleibt. Um das zu verhindern, sollten bei CSR-Projekten klare Ziele und nicht allzu lange Zeiträume festgelegt werden. Ein weiterer Punkt klingt zunächst banal, ist jedoch oft entscheidend: Es braucht Menschen, die wirklich für ein Thema brennen und bereit sind, Verantwortung dafür zu übernehmen. Ansonsten bleibt es, wenn überhaupt, bei einer halbherzigen Umsetzung. Hier kann es helfen, wenn das Unternehmen sich in solchen Bereichen engagiert, in denen es sich sowieso auskennt. Als IT-Dienstleister und -Berater sind wir beispielsweise in Projekten involviert, die sich um die Förderung von Frauen in IT-Berufen oder den Zugang zu digitaler Infrastruktur für benachteiligte Jugendliche kümmern. Das bedeutet nicht, dass andere Initiativen automatisch ausgeschlossen werden. Denn auch Projekte in ganz anderen Bereichen, z.B. zum Schutz von Wäldern, können für das Unternehmen fruchtbar sein. Denn auf diese Weise wird die Belegschaft motiviert, neue Perspektiven einzunehmen, Ideen zu entwickeln und die Innovation im Unternehmen voranzutreiben.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 1-2/2024. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
ITD: Inwieweit können Unternehmen schlussendlich von den CSR-Projekten der Mitarbeiter profitieren?
Rückemann: CSR-Projekte sind weit mehr als nur ein nettes Add-on. Tatsächlich können Unternehmen in vielfältiger Weise von ihnen profitieren. Zunächst wirkt CSR nach außen. Sie dient als Beleg dafür, dass sich ein Unternehmen nicht nur auf dem Papier zu seiner sozialen und ökologischen Verantwortung bekennt. Kunden und Partner achten in ihrer Entscheidungsfindung zunehmend darauf, dass ein Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt. Aber CSR wirkt auch nach innen. Denn wie bereits erwähnt möchten Arbeitnehmer, dass ihre Arbeit einen positiven Impact hat. Durch gelebte CSR werden Mitarbeiter also auch ans Unternehmen gebunden, zugleich wird die Arbeitgebermarke der Organisation gestärkt. Besonders groß ist der Effekt, wenn Arbeitgeber die Umsetzung der Ideen ihrer Teams fördern. Denn dann wächst die Identifikation und Selbstwirksamkeit, da sich die Angestellten für die Themen einsetzen, die ihnen am Herzen liegen. Doch CSR hat auch einen weiteren, häufig unterschätzten Vorteil: Gerade wenn Mitarbeiter eigene Projekte anstoßen und umsetzen, fördert dies die Eigeninitiative und das Verantwortungsbewusstsein der Belegschaft. Davon profitiert das Unternehmen letzten Endes auch in der alltäglichen Arbeit.