Local Zones

„Eine niedrige Latenz ist der Schlüssel“

Im Interview erläutert Falk Weinreich, General Manager Central Europe bei OVHcloud, was sich hinter dem Konzept „Local Zones“ verbirgt und welche Kunden davon profitieren können.

Falk Weinreich, OVHcloud

Mit mehr als zwei Jahrzehnten Erfahrung in der IT-Branche verfügt Falk Weinreich über umfassendes Wissen in den Bereichen „Cloud Computing“, „Rechenzentren“ und „Netzwerkinfrastruktur“.

ITD: Herr Weinreich, vor welchem Hintergrund hat OVHcloud im August 2023 den Kölner Cloud-Anbieter Gridscale übernommen?
Weinreich: Der Cloud-Computing-Markt in der DACH-Region ist sehr dynamisch und wächst stark. Viele deutsche und europäische Anbieter konkurrieren dabei mit den globalen Hyperscalern aus den USA – so auch wir. Mit der Übernahme von Gridscale verfolgen wir eine ambitionierte Wachstumsstrategie und erhalten Zugang zum Edge-Computing-Markt. Der Wert des Edge-Computing-Markts betrug 9,1 Mrd. US-Dollar im Jahr 2022 und wird voraussichtlich stark wachsen. In diesem Umfeld hat sich das Unternehmen Gridscale bisher auf die Entwicklung hyperkonvergenter Infrastrukturen spezialisiert. Seine Software ermöglicht es uns, kleinere Rechenzentren (RZ) zu eröffnen und damit Regionen zu erschließen, in denen unsere Services bisher noch nicht verfügbar waren. Wir nennen das Konzept „Local Zones“ und unser Ziel ist es, die Verarbeitung der Daten näher an unsere Kunden bringen, sowohl mit On-Premises-Diensten als auch in der Public Cloud.

ITD: Was genau verbirgt sich hinter den Local Zones und wie unterscheidet sich die Technologie von Ihren regulären Rechenzentren?
Weinreich: Bis 2026 möchten wir weltweit insgesamt 150 Local Zones eröffnen. In jeder Zone wird es mindestens ein Minirechenzentrum mit leistungsfähigen Servern geben. Das Besondere ist, dass wir eine Local Zone innerhalb weniger Tage eröffnen und so unsere Services schneller und einfacher bereitstellen können. Die Investitionen und die Ressourcen für diese Art von Rechenzentren sind deutlich geringer im Vergleich zu unseren regulären Rechenzentren, die natürlich eine längere Planungsphase benötigen. Das macht uns flexibel und wir können so schneller auf den Bedarf unserer Kunden reagieren. In den Local Zones bieten wir eine Reihe von Diensten an, darunter Computing-Services, Storage- und Netzwerkdienste einschließlich der Public IP. Ein weiterer Pluspunkt: Wir können die Minirechenzentren aufgrund ihrer geringeren Kapazität viel näher an die Kunden bringen und erreichen so eine niedrigere Latenz.

ITD: Wer ist die Zielgruppe solcher Minirechenzentren? Für welche Anwendungen sind sie besonders relevant und warum?
Weinreich: Um moderne IT-Anwendungen zu betreiben, ist eine niedrige Latenz, also eine niedrige Verzögerung der Datenverarbeitung, der Schlüssel. Das ist heutzutage in vielen Branchen elementar: im Finanzsektor und E-Commerce bei der Bezahlung von Gütern, für Gaming-Anwendungen, Plattformen und Streaming-Angebote oder beispielsweise für Künstliche-Intelligenz-Anwendungen (KI). Mit einer niedrigen Latenz gibt es kein Ruckeln im Stream, keine Verzögerung bei der Online-Bezahlung und insgesamt ein besseres Nutzungserlebnis von IT-Anwendungen. In den Local Zones geschieht die Datenverarbeitung physisch ganz nah bei den Kunden. So können wir auch Zielgruppen bedienen, die einen besonders hohen Wert auf Datenschutz legen und ihre Anwendungen im eigenen Land hosten möchten, um sich an die lokalen Datenschutzbestimmungen zu halten und ein Maximum an Datensicherheit zu gewährleisten.

ITD: Die ersten beiden Local Zones, die die Technologie von Gridscale nutzen, befinden sich in Madrid und Brüssel und sollen in den kommenden Wochen schrittweise eingeführt werden. Was leisten diese Zonen?
Weinreich: Wir beginnen in Madrid und Brüssel, da dies besonders spannende Märkte für uns sind. Dort haben wir bereits einige Kunden und können durch die neuen Local Zones deren Bedürfnisse noch besser bedienen. Bisher hatten wir dort noch keine Rechenzentren – mit den beiden Local Zones können wir dies nun überbrücken und lokalen Kunden alle wesentlichen Public-Cloud-Services und Vorteile von OVHcloud bieten. Damit ermöglichen wir ihnen, sowohl Compute-Instanzen als auch Storage in der Public Cloud dort zu nutzen, wo sie es für latenzkritische Anwendungen benötigen, nämlich vor Ort in der Local Zone. Dieses Edge Deployment ist zudem ein datensouveränes Angebot, das in einer zweiten Ausbaustufe auch durch Managed Kubernetes und andere PaaS-Dienste ergänzt werden wird.

ITD: Welche Bedeutung haben die Local Zones für den DACH-Raum?
Weinreich: Auch im DACH-Raum sehen wir für sie ein enormes Potenzial. Aktuell hosten wir die Daten unserer Kunden in einem großen Rechenzentrum in Limburg an der Lahn bei Frankfurt am Main. Künftig könnten wir mit einer Local Zone auch Kunden in der Schweiz und Österreich versorgen – zwei sehr interessante Märkte aus unserer Sicht. Unser Angebot richtet sich dort an Kunden, die beispielsweise sehr niedrige Latenzen für ihre Anwendungen benötigen. Eine erste Local Zone möchten wir im Sommer 2024 in Zürich eröffnen, bald darauf soll Wien folgen. In beiden Ländern gibt es zudem einige Kunden, die extrem hohe Anforderungen an den Datenschutz haben und ihre Daten im eigenen Land hosten müssen. Das Konzept der Local Zones eröffnet uns hier ganz neue Möglichkeiten und Zielgruppen.

ITD: Heutzutage ist die Messung des CO2-Fußabdrucks der IT-Infrastruktur von entscheidender Bedeutung. Wie gehen Sie das Thema „Nachhaltigkeit“ mit Ihren Datacentern an?
Weinreich: Wir setzen uns für eine nachhaltige Entwicklung ein und optimieren kontinuierlich die Energieeffizienz unserer 38 eigenen Rechenzentren. In unseren regulären Standorten setzen wir auf eine patentierte Wasserkühlung mit geschlossenem Wasserkreislauf. Unsere Kühlung hat einen geringeren Energieverbrauch als herkömmliche Klimaanlagen, dadurch erreichen unsere Rechenzentren im Durchschnitt eine Power Usage Effectiveness (PUE) von 1.29 und zählen zu den energieeffizientesten Rechenzentren Europas. Unsere Server produzieren wir in zwei eigenen Manufakturen in Frankreich und Kanada und können dadurch auch Einfluss auf einen großen Teil der Wertschöpfungskette nehmen – von der Produktion der Server, über den Betrieb bis hin zur Reparatur und Recycling der Komponenten. Durch das Recycling konnten wir zudem die Lebenszeit der Server auf bis zu neun Jahre verlängern. Im regulären Betrieb laufen sie maximal fünf Jahre.

Bildquelle: OVHcloud

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok