Elton Schwerzel bringt mit mehr als 20 Jahre Berufserfahrung aus der IT- und Software-Branche mit.
ITD: Herr Schwerzel, wie ist es in Anbetracht aller derzeitigen Krisen um die IT-Budgets in Großunternehmen bestellt?
Schwerzel: Trotz Inflation und anderen Herausforderungen beobachten wir in diesem Jahr starke IT-Spendings. Unternehmen haben verstanden, dass die Geschäftsmodelle der Zukunft in der Digitalisierung liegen, also beispielsweise in KI-, GPT- oder in Machine-Learning-Modellen. Desweiteren sehen wir einen starken Fokus auf Automatisierung und Effizienzsteigerung.
ITD: Inwieweit haben die Unternehmen – der Krisen zum Trotz – in diesem Jahr IT-Großprojekte in Angriff genommen?
Schwerzel: Investitionen in IT werden mit einer fortschreitenden Digitalen Transformation immer wichtiger. Unternehmen arbeiten aktiv an der Umsetzung von IT-Großprojekten und sind bereit, in Schlüsseltechnologien zu investieren, um ihre Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft zu stärken. Generative KI und Cloud-Technologie sind die Innovationstreiber im Jahr 2023.
ITD: Was sind dabei die häufigsten IT-Baustellen, in die investiert wird?
Schwerzel: Es gibt diverse Herausforderungen, die Analysten identifiziert haben. Dazu gehören die Themen „Cybersecurity/Informationssicherheit“, „Prozesseffizienz und -automatisierung“, „IT-Modernisierung“, „Digital Workplace“, „Cloud-Transformation“, „datengetriebene Organisation“ sowie „individuelle Software-Entwicklung“ und „Systemintegration“. Wir sehen in unseren Projekten darüber hinaus, dass noch viel Basisarbeit in Infrastrukturen und in die Transformation in die Cloud gesteckt werden muss.
ITD: Wie sollte eine IT-Budgetplanung grundsätzlich angegangen werden?
Schwerzel: Am wichtigsten ist es, IT-Budgets in Verbindung mit Geschäftsmodellen der Zukunft zu bringen. Das ist der klassische Business Case. Damit wird gewährleistet, dass der Management-Support und die finanzielle Unterstützung nachhaltig sind. Darüber hinaus ist es wichtig, das Vorjahresbudget als Ausgangspunkt zu nehmen und an die tatsächlichen Ausgaben und zukünftigen Projekte anzupassen. Berücksichtigt werden müssen auch Aufwände wie Personal, Hardware oder Software-Lizenzen. Geplante Projekte, die IT-Strategien widerspiegeln, müssen ebenso eingeplant werden.
ITD: Mit welchen Herausforderungen und Stolpersteinen ist solch eine Planung häufig verbunden?
Schwerzel: Das Change Management und die Kommunikation sind die größten Stolpersteine. Die Mitarbeiter müssen im Fokus sein und mitgenommen werden bei der Transformation und Einführung von IT-Projekten. Weitere Herausforderungen sind ansteigende Preise und Nachfrage nach IT-Services sowie der War for Talents. Auch die steigende Komplexität der Software-Lizenzierung und Kostenkontrolle bereitet Probleme. Es wird zudem immer wichtiger, die Cloud-Kosten und den ROI von IT-Investitionen zu optimieren.
ITD: Ab wann empfiehlt es sich, einen Posten wie den des Chief Financial Officer (CFO) zu besetzen, um die Finanzen im Blick zu behalten?
Schwerzel: Einen allgemeingültigen Rat kann man hier nicht geben, das ist abhängig vom jeweiligen Unternehmen. Es gibt keine grundsätzliche Empfehlung für oder gegen den Einsatz eines CFOs. Natürlich ist es immer entscheidend, dass Unternehmen ihre Finanzen im Blick haben und in guter Verantwortung wissen.
ITD: Inwieweit können auch Tools/IT-Lösungen dabei helfen, sämtliche Finanzen im Blick zu behalten?
Schwerzel: Im Kern liegt die Transparenz. Dazu gehören Lösungen wie z.B. die Automatisierung der Finanzprozesse, der Echtzeiteinblick in Finanzdaten, die verbesserte Budgetierung und Prognosen, die Integration mit anderen Geschäftssystemen, die Verbesserung der Compliance und Reduzierung von Risiken, die datengetriebene Entscheidungsfindung, der Zugriff von überall durch Cloud-basierte Finanzlösungen, das Kunden- und Lieferanten-Management sowie die Skalierbarkeit.
ITD: Wenn das Budget nicht passt: Was sind sinnvolle und beliebte Finanzierungsmöglichkeiten bei IT-Projekten?
Schwerzel: Wie bereits erwähnt, ist der wichtigste Punkt, das IT-Budget in Verbindung mit Geschäftsmodellen der Zukunft zu bringen. Damit sind Finanzierungen von Investorenseite bzw. seitens des Managements leichter umzusetzen. Ansonsten können Corporate Bonds, syndizierte Kredite und strategische Partnerschaften unterstützen.
ITD: Welche Grundvoraussetzungen müssen hierfür erfüllt sein?
Schwerzel: Es ist wichtig, einen klaren Blick in die Zukunft der Unternehmen zu werfen und ein Verständnis für die Märkte der Zukunft zu haben. Dazu braucht es eine genaue Ist-Aufnahme der Anforderungen und der Kosten im Abgleich mit dem Geschäftsmodell der Zukunft und dessen Potenzial.
ITD: Spartipps für 2024: Wie können Unternehmen im neuen Jahr am besten ihren Geldbeutel schonen, ohne auf Modernisierungsmaßnahmen verzichten zu müssen? Welche Sparansätze gibt es?
Schwerzel: Unternehmen sollten auf Cloud Computing anstelle traditioneller IT-Infrastrukturen setzen. Bestehende IT-Systeme müssen optimiert werden. Mit Automatisierung und Prozessoptimierung können Firmen ebenso den Geldbeutel schonen wie mit der Auswahl kosteneffektiver Technologien, Anbieter und Partner.
Bildquelle: In-Factory