IT-Portfoliomanagement vermeidet Stolperfallen

Einstieg ins Cloud Computing

Die Vorteile einer Auslagerung von Anwendungen ins Cloud Computing sind hinlänglich bekannt. Daher gibt es wohl kaum ein Unternehmen, das nicht durch den Schritt in die Cloud seine IT-Kosten zu senken versucht. IT-Portfoliomanagement kann dabei eine Migration in die Cloud sinnvoll unterstützen.

Der Einstieg ins Cloud Computing sollte gut geplant sein.

Aktuelle Studien zeigen jedoch, dass dieser Schritt keinesfalls leicht und ohne Risiko ist. So sagen laut einer Studie von NTT Communications 80 Prozent der CIOs, dass die Komplexität ihrer IT-Landschaft das größte Hindernis auf dem Weg in die Cloud ist. Und auch die Kostenersparnis ist keine Selbstverständlichkeit. Die Studie „Avoiding the Hidden Costs of Cloud 2013“ von Symantec zeigt auf, dass Compliance-Verstöße ein wenig beachteter aber erheblicher Kostenfaktor sein können. Demnach wurden 23 Prozent der befragten Unternehmen in den letzten zwölf Monaten wegen Datenschutzverstößen in der Cloud mit Geldstrafen belegt.

Cloud Computing – mehr Fragen als Antworten

Ein Umstand, der vom CFO Magazin das „IT Simplification Paradox“ genannt wird. Denn theoretisch sollte der Einsatz der Cloud die Komplexität von IT-Landschaften und deren Management reduzieren. In der Praxis, so das Magazin, wirft die Cloud jedoch häufig mehr Fragen auf, als sie Antworten geben kann. Es zeigt sich also, dass die Cloud leicht zur Stolperfalle werden kann – sowohl finanziell als auch geschäftlich. Was fehlt, ist zumeist ein ganzheitlicher Ansatz zur Planung und Durchführung einer Cloud-Strategie; von der Identifikation geeigneter Kandidaten bis hin zur Analyse der Auswirkungen auf die gesamte Anwendungslandschaft.

Analyse der unterstützenden Anwendungen

IT-Portfoliomanagement kann geeignet sein, um ein ganzheitliches Verständnis der bestehenden IT-Landschaft sowie ihrer Abhängigkeiten und Veränderungen zu erhalten. Daraus können Antworten für den Geschäftsnutzen, die Kosten sowie technische und regulatorische Anforderungen abgeleitet werden. Das folgende Vorgehen kann helfen, eine geeignete Cloud-Strategie abzuleiten sowie die eingangs beschriebenen Stolperfallen – wie z.B. versteckte Kosten oder regulatorische Probleme – zu vermeiden:

  1. Identifikation nicht differenzierender Fähigkeiten zur Ableitung geeigneter Kandidaten
  2. Analyse der unterstützenden Anwendungen zur Bestimmung einer geeigneten Strategie
  3. Erstellung eines Migrationsplans zum ganzheitlichen Verständnis der Auswirkungen


Um geeignete Kandidaten für den Betrieb in der Cloud zu identifizieren, ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, welche Geschäftsfähigkeiten – oder Business Capabilities – kein Differenzierungsmerkmal gegenüber dem Wettbewerb darstellen. Nur solche sollten zunächst für eine Auslagerung in Betracht kommen. In ein Portfolio gebracht, kann man die Anwendungen bezüglich Wettbewerbsdifferenzierung und Geschäftskritikalität gegenüberstellen.

Sind die Kandidaten anhand des Portfolios ausgemacht, so gilt es, diese im Kontext der Kosten, der Akzeptanz von Fachseite, der zu beachtenden Regulierungen sowie der passenden Technik zu analysieren. Anhand der Portfolio-Analyse können u.a. in verschiedenen Regionen, Einschränkungen hinsichtlich der Datenspeicherung sowie der verwendeten Technologien beantwortet werden. Je höher die Betriebskosten sind und je stärker die Nutzung einer Anwendung ist bei gleichzeitig geringen regulatorischen Anforderungen und hohem Standardisierungsgrad der Technologie, desto höher ist die Application Cloud Readiness. Das heißt, desto besser eignet sich die Anwendung für den Betrieb in der Cloud.

Je nach Ausprägung der unterschiedlichen Dimensionen, lassen sich unterschiedliche Modelle wie Public vs. Private Cloud sowie Infrastructure as a Service (IaaS) vs. Software as a Service (SaaS) gegeneinander abwägen.

Erstellung eines Migrationsplans

Der Migrationsplan der auszulagernden Anwendungen muss nun vor dem Hintergrund der Änderungen im Gesamtportfolio abgebildet werden. Das integrierte IT-Portfoliomanagement unterstützt diese ganzheitliche Sicht und erlaubt dadurch, eine realistische Abwägung der zu erwartenden Auswirkungen auf die Geschäftslandschaft. Also einerseits, ab wann die neue Anwendung zur Verfügung stehen wird. Andererseits aber auch, wann mit Kostenersparnis durch Abschaltung des eigenen Betriebs zu rechnen ist. Je nach Vertragssituation – so haben Wartungsverträge von Bestandsanwendungen häufig lange Laufzeiten – kann es hier kurzfristig auch zu Doppelbelastungen kommen bzw. zieht die Migration auch Änderungen der Geschäftsfähigkeiten nach sich.

Um zu vermeiden, dass die Cloud zur Stolperfalle wird, sollte eine mögliche Migration immer zuerst Top-Down also ausgehend von der Geschäftsperspektive betrachtet werden, denn der Betrieb von Anwendungen in der Cloud ist nicht allein eine technische Frage. Davon ausgehend sollte eine Analyse der zu erwartenden – positiven wie negativen – Auswirkungen über den aktuellen Zeitpunkt hinaus erfolgen: Mit welcher Kostenentwicklung ist zu rechnen, sind veränderte Regularien zu erwarten, welche Rolle wird die gebotene Geschäftsfähigkeit in der Zukunft spielen.

Das IT-Portfoliomanagement bietet mit entsprechenden Assessments wie dem Application Right Sourcing ein methodisches Vorgehen an, um geeignete Kandidaten auszuwählen und die Auswirkungen auf die Anwendungslandschaft abzubilden. Doch nutzen laut einer Umfrage von Alfabet aus dem Jahr 2013 gerade einmal zwei Drittel der befragten Unternehmen dieses systematische Vorgehen, um ihre Cloud-Strategie abzusichern. Die Bedeutung von Cloud-Strategien für den Geschäftserfolg wird in Zukunft noch zunehmen. Umso wichtiger ist es, diese ganzheitlich und auf die Zukunft gesehen zu planen und durchzuführen.

www.alfabet.com

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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