Symantec-Untersuchung

Emanzipation von Systemen und Geräten

Daten liegen heute nicht mehr ausschließlich an gut gesicherten, isolierten Orten, sondern zirkulieren über System- und Gerätegrenzen hinweg. Das schafft Sicherheitsprobleme, gegen die nur ein neuer Umgang mit Daten helfen kann.

Grafik, Bildquelle: Symantec

Der Siegeszug von iPhone, Android-Smartphone, iPad und Tablet-Rechner hat längst die Büros erreicht. Von der Mail-Korrespondenz bis zur ERP-Steuerung gibt es kaum eine Aufgabe, die nicht mit einem Kleincomputer erledigt werden könnte. Dabei verwischen die Grenzen zwischen beruflicher und privater Sphäre zunehmend: Im Rahmen einer aktuellen Erhebung der Enterprise Strategy Group unter 174 Firmen erklärten rund 40 Prozent der Unternehmen, dass ihre Mitarbeiter vertrauliche Firmendaten wie Kundeninformationen auf ihren Mobilgeräten speichern.

Mit dieser Emanzipation der Daten geht eine ganze Reihe von Risiken einher. Wer seine Information schützen möchte, muss das herkömmliche systemzentrische Denkmodell über Bord werfen zu Gunsten eines Konzepts, das sich auf die Daten selbst konzentriert. In diesem Konzept werden alle Fragen gebündelt und beantwortet in puncto Absicherung, Kontrolle, Verwaltung und Steuerung der Informationen – unabhängig von dem System, Ort und Gerät, auf dem sie abgelegt sind.

Auch die bisherigen Schutzwälle um die Rechenzentren und Netzwerke der Firmen sind löchrig geworden. Daten werden ständig bearbeitet, modifiziert, kopiert und verschoben. Selten liegen sie dabei an einem Ort, über den die Organisation die volle Kontrolle hat. Zur gleichen Zeit werden IT-Bedrohungen häufiger und gefährlicher. Zwei von vielen Beispielen sind die Duqu- und Stuxnet-Attacken. Diese haben weit über die Security-Szene hinaus dafür sensibilisiert, wie anfällig Industriesteueranlagen und deren Hersteller für Angriffe sind. Deutschland stellt mit seinem starken Mittelstand, multinationalen Konzernen und internationalen Organisationen ein besonders attraktives Ziel für komplexe und speziell auf ein Unternehmen ausgerichtete Cyberattacken dar. Auch über soziale Netzwerke und gegen mobile Geräte führen Cyberkriminelle ihre Attacken mittlerweile durch. Die Zahl der Attacken auf Smartphones und Co. hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt.

„Die Ergebnisse unserer Forschungsprojekte zeigen, dass die Bedrohungslage bei Smartphones stark zunimmt. Inzwischen gibt es jede Woche neue Schadcodes, die gezielt auf Informationen mobiler Endgeräte zugreifen sollen“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Holz, Professor für Systemsicherheit an der Ruhr-Universität Bochum. „Um die Sicherheit ihrer privaten und geschäftlichen Daten zu erhöhen, sollten Nutzer deshalb nur offizielle Apps verwenden. Außerdem ist ein gesundes Misstrauen angebracht, wenn es um die Frage geht, auf welche Daten das Programm zugreifen darf. Im Zweifelsfall lieber auf die Applikation verzichten.“

Während das Risiko durch Schadcode also zunimmt, werden die Informationen auf immer mehr Geräte verschoben, kopiert und repliziert. Analysten sprechen hierbei von dem digitalen Schatten, den jeder von uns bei Unternehmen, Dienstleistern, geschäftlichen und privaten Plattformen wirft. Dadurch wächst die Menge der Daten explosionsartig. Auch andere Entwicklungen in der EDV, hier vor allem das Konzept der Virtualisierung, befeuern das Datenwachstum von anderer Seite. Analysten gehen davon aus, dass 70 Prozent aller in diesem Jahr verkauften Server virtualisiert laufen werden. Die Technik ist zum Massenphänomen geworden.

Allerdings zeigt eine aktuelle Symantec-Untersuchung, dass die erhofften Einsparungen bei den Betriebs- und Investitionskosten nicht eintrafen. Mehr als 56 Prozent aller Befragten, die ihre Server bereits virtualisiert haben, gaben zu, dass ihre Kosten für Speicher leicht bis erheblich angestiegen sind. Dies ist wenig überraschend: Schließlich nimmt durch die Einführung von Virtualisierung die Datenmenge auf den Servern um das bis zu Achtfache zu. Der Grund: Auf einem physischen Server laufen mehrere Instanzen virtueller Server. Mussten IT-Administratoren zuvor bloß einen Server sichern, steigt ihre Zahl durch Virtualisierungsprozesse um ein vielfaches an. Mehr Systeme bedeuten mehr Daten.

Es ist daher ratsam, auf Backup-Lösungen umzusteigen, die auch virtualisierte Applikationen und deren Informationen rasch wiederherstellen können. Eine um 50 Prozent schnellere Recovery virtueller Maschinen gewährleistet z.B. die Granular Recovery Technology (GRT) von Symantec. Sie unterstützt die sofortige Wiederherstellung einzelner Dateien oder ganzer Ordner aus gesicherten VMware-Images. Technologien wie Deduplizierung bieten darüber hinaus die Chance, der Datenflut Herr zu werden.

Das Wesentliche schützen

Mit dem neuen Denkansatz, sich auf die Information selbst zu konzentrieren, können Firmen diese dynamischen Entwicklungen in den Griff bekommen und den Druck von ihrem Netz nehmen. Die Basis des Modells, die Informationsinfrastruktur, bilden alle Geräte und Systeme, auf denen Informationen liegen. Dies können virtuelle oder physische Server sein ebenso wie Cloud-Strukturen oder mobile Geräte.

Um dieses Modell umzusetzen, gibt es längst Lösungen, bei denen die Information und ihre Eigenschaften im Fokus stehen. Per Data Loss Prevention (DLP) beispielsweise können Informationen nach ihrer Relevanz für das Unternehmen und ihrer Vertraulichkeit klassifiziert und dementsprechend geschützt werden. Die Frage „Wem gehört die Information?“ ist hier zentral, denn durch sie werden die Bedingungen festgelegt, wie mit einer Information verfahren werden darf: Wem ist der Zugriff erlaubt, wie muss sie gesichert werden und darf sie beispielsweise auf einen externen Datenträger kopiert werden?

Das informationszentrische Modell ist die wohl beste Antwort angesichts der globalen Trends Mobile, Cloud und Virtualisierung. Nur durch eine Abkehr vom bisherigen System- und Geräte-Ansatz wird es möglich sein, Identitätsdaten und Informationen auf jeder Infrastruktur angemessen zu schützen, seien es physische oder virtuelle Server, mobile Geräte oder die Cloud.

Bildquelle: Symantec

* Der Autor, Thomas Hemker, ist Sicherheitsstratege bei Symantec

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