IT-Stellenanzeigen

Endlos lange Listen mit zu vielen Anforderungen

IT-Jobgesuche haben mindestens ein Dutzend Spiegelstriche und ebenso viele Tech-Akronyme. Wer wird da eigentlich gesucht?

C, C++, Objective C, C# und Java. Und die üblichen Entwicklungsumgebungen, also XCode, Eclipse, Firebug, Dreamweaver und Subversion. Und natürlich HTML5, CSS3, Javascript, JQuery, Node.js, AngularJS, JSON und RESTful APIs. Und UML. Und ganz wichtig: “Berufseinsteiger sind herzlich willkommen!”

Fertig ist das Profil für die Stellenanzeige mit der vertrauenerweckenden Überschrift “Entwickler/in für mobile Apps (iOS, Android, HTML5) gesucht.” Zugegeben, der erste Absatz dieses Artikels ist eine Karikatur - aber eine, die nur leicht von der Wirklichkeit abweicht. Denn die Stellenanzeigen der IT-Branche sind zum großen Teil extrem detailliert.

Auf Slashdot gibt es zu diesem Thema eine interessante Diskussion, die zweierlei zeigt: Offensichtlich ist der enorme Detailgrad auch international üblich und zweitens haben die Mitarbeiter ihre eigenen Theorien zu diesem Phänomen.

Anzeigen für nicht vorhandene Jobs

In erster Linie steht nach Ansicht der Diskutanten der Wunsch, dass ein Mitarbeiter möglichst rasch maximal produktiv arbeiten kann - also werden viele Jobdetails genannt, die man erst im Vorstellungsgespräch erwarten würde. Statt zum Beispiel Mitarbeiter weiterzubilden, würden hundertprozentig passende Spezialisten gesucht.

Ein weiterer Grund, der immer wieder genannt wird: Behörden und größere Unternehmen sind unter Umständen gezwungen, alle IT-Stellen öffentlich auszuschreiben. Gelegentlich gibt es aber einen internen Wunschkandidaten, der den Job erhalten soll - zum Beispiel weil er als erfahrener Mitarbeiter ohnehin am besten dafür qualifiziert ist.

Also wird eine nicht besonders ernst gemeinte Stellenanzeige formuliert, die sehr spezielle und äußerst detaillierte Anforderungen enthält. Natürlich bewirbt sich auch der Mitarbeiter und es wird nur wenige überraschen: Sein Profil passt am besten zu der Stelle. Außerdem haben sich ohnehin nur sehr wenige Bewerber gemeldet.

Ein paar andere Gründe für detailreiche Jobbeschreibungen entstammen eher dem Denksystem von Forentrollen: Unternehmen machen Fake-Stellenanzeigen, um einen Boom vorzutäuschen. Oder sie suchen nach einer umfangreichen Backlist für bestimmte Aufgabenbereiche, die sie durch häufige und immer in den Details unterschiedliche Ausschreibungen zusammenstellen.

So etwas kommt sicher vor, ist aber nur schwer nachzuweisen. Auch die oft beklagte Ahnungslosigkeit von Personalern, die mit endlosen Skill-Aufzählungen gefüttert werden müssen, gehört eher zur üblen Nachrede.

Detailfreude schreckt Bewerber ab

Ein wirklich wichtiger Grund dagegen hat mit der inzwischen recht langen Geschichte der IT-Branche zu tun: Die Detailfreude liegt für Kristina Gerwert, der Leiterin Human Resources Management bei adesso in Dortmund, in erster Linie an der Vielzahl an Bewerbungen, die in der Anfangszeit der IT auf eine Stellenanzeige kamen.

“Leider haben sich oft auch völlig ungeeignete Leute beworben”, sagt Gerwert. In der Folge wurden die Anzeigen immer detailreicher, um einen Filtereffekt zu erreichen. ”Doch der IT-Arbeitsmarkt ändert sich im Moment”, meint die erfahrener Personalerin. “Er ist nun eher ein Arbeitnehmermarkt, bei dem Stellen nicht mehr völlig problemlos besetzt werden können.”

Für sie führt das zu zwei Problemen: Erstens werden grundsätzlich passende Bewerber verunsichert und zweitens sinkt die Wirkung einer Stellenanzeige, da sie schwer lesbar ist. Je mehr Details genannt werden, desto stärker ist der Abschreckungseffekt. Ein Beispiel: Die Anzeige nennt die brandneue Version 5.0 eines Tools, die Masse der potentiellen Bewerber kennt aber logischerweise nur Version 4.0.

Da oft unklar ist, welche Relevanz diese Details haben, werden sicher viele geeignete Leute keine Bewerbung abschicken. Und wenn eine Anzeige wegen ihres komplizierten Aufbaus nicht gründlich gelesen wird, fallen ebenfalls einige geeignete Kandidaten heraus.

Wer auf Jobsuche ist, wird sicher die Anzeigen erst einmal anhand rasch erfassbarer Kriterien vorsortieren. Verunsichernde Angebote mit zu vielen Details werden dann oft vom Bewerber gar nicht mehr beachtet. In einem dynamischen und weiterhin wachsenden Arbeitsmarkt ist dann der viel beschworene Fachkräftemangel nicht mehr weit.

Bildquelle: Paul-Georg Meister / pixelio.de

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