Nachhaltigkeit

Energiefresser auf Diät setzen

Nachhaltigkeit fängt schon beim Bau der Data Center an, geht aber weit über einen effizienten Ressourceneinsatz und grüne Energie hinaus.

Außen Kühlanlage

Anstatt dauerhaft eine industrielle Kühlanlage laufen zu lassen, kann mittels Freikühlung energiesparend gekühlt werden.

Beim Bau und Betrieb von Rechenzentren (RZ) haben sich verschiedene Ansätze herauskristallisiert, nachhaltig zu agieren. Ein reduzierter Materialverbrauch bei der Errichtung und Ausstattung ist laut Ionos, selbst Betreiber von drei eigenen Rechenzentren in Deutschland, ein erster Schritt. Stromeinsparungen im laufenden Betrieb senken den CO2-Ausstoß weiter. Zur Nachhaltigkeit und einem umfassenden ESG-Konzept gehören neben Umwelt- und Klimaschutz aber auch soziale Aspekte wie Inklusion und Diversität sowie digitale Verantwortung.

Soll ein neues RZ entstehen, gilt es zunächst, einen Standort dafür zu finden. Ist bereits ein geeignetes Gebäude vorhanden, kann es umgewidmet werden. Dies vermeidet im Gegensatz zu einem Neubau große Mengen an Kohlenstoffdioxid. Ist dennoch ein von Grund auf neu konzipiertes RZ nötig, sind eine moderne Infrastruktur und der Einsatz von nachhaltigen Materialien wie CO2-neutralem Stahl möglich. Welches Vorgehen geeigneter ist, hängt vom Einzelfall ab.

Wenn der Standort es ermöglicht, können RZ-Betreiber eine Photovoltaikanlage bauen lassen, um damit Teile des Strombedarfs zu decken. Für zusätzlich benötigte Energie bietet sich Ökostrom an. Ist dieser nicht verfügbar, bleibt die Möglichkeit, CO2-Zertifikate zu erwerben, um so für einen Ausgleich zu sorgen. Nachhaltiger ist es jedoch, direkt beim Stromverbrauch anzusetzen und ihn von vornherein so gering wie möglich zu halten. Um dies zu erreichen, sollten Betreiber auf aktuelle, energieeffiziente Server- und Kühltechnik setzen. Eventuell lohnt es sich, verschiedene Kühltechniken parallel vorzuhalten. Anstatt dauerhaft eine industrielle Kühlanlage laufen zu lassen, kann mittels Freikühlung energiesparend gekühlt werden. Bei dieser Methode dienen die Außenluft oder das Wasser aus einem Fluss, Meer oder See als Kühlmittel. Voraussetzung ist, dass die Luft oder das zur Kühlung eingesetzte Wasser eine bestimmte Temperatur nicht übersteigen. Zudem ist eine gute Regelungstechnik nötig: Sie misst die Last in Echtzeit und schaltet die Kühlung nur entsprechend dem Bedarf an. Der Einsatz von maschinellem Lernen, um die Kühlung optimal auszusteuern, bietet einen weiteren Ansatzpunkt für mehr Energieeffizienz. Entstehende Abwärme lässt sich ins Fernwärmenetz einspeisen – sofern dort Kapazitäten vorhanden sind.

Digitale Verantwortung übernehmen

Auch bei der IT-Infrastruktur können RZ-Betreiber auf nachhaltige Lösungen setzen, etwa mit energieeffizienten Komponenten und Servern, deren Gehäuse wiederverwendbar sind. Endet der Lebenszyklus der Hardware, helfen spezialisierte Partner beim Recycling. Weiteres Einsparpotenzial bietet die Cloud. Die Virtualisierung von Diensten, für die sonst eigene Server eingesetzt würden, senkt den Hardware- und damit den Ressourcenbedarf und kann Strom sparen. Nutzen Unternehmen Containertechnologie statt virtueller Maschinen, nutzen sie die Ressourcen noch effizienter und sparen Speicherplatz. Hinzu kommt eine bessere Skalierbarkeit.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Schließlich gilt es, die weniger präsenten Komponenten von Nachhaltigkeit zu beachten und in seinem ESG-Konzept zu bündeln. Dazu zählt, den Menschen ins Zentrum zu rücken und Inklusion, Diversität und Weiterbildung im Unternehmen zu leben und zu fördern. Außerdem bedeutet es, digitale Verantwortung zu übernehmen und einen Fokus auf Datenschutz und Informationssicherheit zu legen. Auch die Kundschaft ist nachhaltig zu betrachten, in den Fokus zu stellen und zu befähigen. Es lohnt sich, alle Ansätze einzubeziehen, um Rechenzentren nachhaltig zu bauen sowie zu betreiben und so Energie und Ressourcen zu sparen.

Bildquelle: Ionos

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