Bei Neurath entsteht ein Kraftwerksdoppelblock mit 2.200 Megawatt Leistung. HPE liefert für dieses Projekt die beiden Großdampferzeuger (Kessel).
Beim Namen Hitachi werden vermutlich viele Leser mit ihren Gedanken in den Bereich der Unterhaltungselektronik abschweifen. Doch die Hitachi Power Europe GmbH (HPE), eine Tochtergesellschaft der Hitachi, Ltd., plant und baut Kohle- und Gaskraftwerke. In Zeiten, in denen unter dem Stichwort „Energiewende“ über die Abkehr von der Atomkraft einerseits und die mangelnde Ausbeute erneuerbarer Energieträger andererseits diskutiert wird, leistet man einen Beitrag dazu, traditionelle Energieträger mit moderner Technik und umweltschonenden Methoden effizient zu nutzen. In dieser Eigenschaft liefert HPE Komponenten und Know-how vom Stammsitz Duisburg u.a. in europäische Länder, nach Südafrika und Indien.
Um dem Ruf als Markt- und Technologieführer gerecht zu werden, investiert das Unternehmen nicht nur in die Kraftwerkstechnik, sondern auch in seine innerbetrieblichen Prozesse, die stark von moderner Informations- und Kommunikationstechnologie getragen werden. Diesem Anspruch folgend beschloss HPE, wesentliche Komponenten der Softwarelandschaft im Rahmen eines Projekts zu erneuern. Das Vorhaben erhielt den Projektnamen „Wonder“, hinter dem sich die Zielbestandteile Windows 7, Office 2010, Notes 8.5 und Desktop Encryption Rules verbergen.
Was sich zunächst wie eine Standardaufgabe eines IT-Bereichs liest, erwies sich als besondere Herausforderung. Denn der Betrieb des Unternehmens, der sich über mehrere Kontinente vollzieht, durfte durch die Umstellung nicht gestört, verzögert oder gar gefährdet werden. Der eigentliche Rollout sollte so geräuscharm wie möglich vollzogen werden. Zusätzlich galt die Umstellung aller CAD-Applikationen auf den neuen Windows-7-Standard als kompliziertes Unterfangen, gaben die Softwarehersteller ihre Freigaben für das neue Betriebssystem nur teilweise oder verzögert. Michael Claus, CIO von HPE, stand vor einer Herkules-Aufgabe, musste er doch innerhalb weniger Wochen nach Projektstart den Austausch mit seinem Team realisieren: „Wir arbeiten seit vielen Jahren mit einer hohen Produktivität, weil unser Hauptaugenmerk auf dem Kerngeschäft, nämlich auf unseren Ingenieursdiensten für unsere Kunden weltweit, liegt. Folglich nutzen wir externe Unterstützung, um solche nicht alltäglichen Herausforderungen zu managen.“ Als Partner konnte die Datagroup Köln GmbH gewonnen werden, die u.a. die Ablösung alter Software durch neue in diversen Großprojekten unter Beweis stellen konnte.
Denn in Projekten, bei denen es um mehrere 1.000 Arbeitsplätze geht, ist Erfahrung im Umgang mit Risiken gefragt. Der Anbieter konnte dabei auf eine Voruntersuchung der vorhandenen Hardware auf Windows-7-Tauglichkeit aufsetzen. Gleiches wurde für die vorhandenen Anwendungen im Rahmen einer Softwarevalidierung vollzogen. Die Hard- und Software, die dieser Überprüfung nicht standhielt, musste entsprechend erneuert werden, die restliche sollte erhalten bleiben. Bei 1.200 Anwendungen, verteilt auf 2.000 Endgeräten (darunter 1.000 Desktoprechner, 550 Notebooks, 450 Workstations), zeigte sich die enorme Komplexität, die es im Kontext der Migration zu beherrschen galt. Nützlicher Nebeneffekt: Als Folge der Überprüfungsmaßnahmen erreichte das Projektteam eine Konsolidierung der großen Anzahl von Applikationen von 1.200 auf 400.
Allerdings zeigt die bloße Darstellung der Zahlen nicht die Komplexität der Abhängigkeiten einzelner Softwareprodukte untereinander, so Michael Claus mit Hinweis auf mögliche Risiken. „Eine solche Reduktion muss daher sorgsam gemanagt werden, will man nicht unnötig Energie zur Kompensation potentieller Zeitverluste aufwenden.“
Zusätzlich nutzt HPE Optimierungsmöglichkeiten im Hardware-Einkauf. Das bedeutet zum einen die Konzentration auf einen Hardwarelieferanten, bei dem als Großabnehmer günstigere Einkaufskonditionen realisiert werden können. Zum anderen werden durch die Verringerungen der Gerätevielfalt und durch Standardisierung weitere Kosten gesenkt. In Kombination mit einer ausgeklügelten Mischung aus internem und externem Support erschließen sich weitere Einsparpotentiale, die sich HPE ebenfalls zu eigen gemacht hat.
Nach dem Abschluss der Validierungsphase, die die Mitarbeiter mit Ausnahme des IT-Bereichs nicht mitbekamen, wurde mit dem Austausch der Software – und nach Bedarf der Hardware – begonnen. Und damit der Tagesbetrieb auch weiterhin von der Migration nahezu unbehelligt blieb, erhielten schrittweise Mitarbeiter für Mitarbeiter Schulungen zu den neuen Standards.
Hitachi Power Europe
Die Hitachi Power Europe GmbH (HPE) mit Sitz in Duisburg gehört zum über 360.000 Mitarbeiter zählenden Hitachi-Konzern. Zum HPE-Kerngeschäft zählen die Planung und der Bau von fossil befeuerten Kraftwerken. Der Anlagenbauer liefert auch Kernkomponenten wie etwa Großdampferzeuger, Umwelttechnik, Turbinen und Mahlanlagen.
Im Internet: www.hitachi-power.com/de
Bildquelle: HPE