Der Flughafen Düsseldorf ist der drittgrößte Airport Deutschlands.
Der Flughafen Düsseldorf ist ein Luftfahrtdrehkreuz mit Potential: Experten sind sich einig, dass der drittgrößte Airport Deutschlands für die Zukunft bestens gerüstet ist. Die Bedeutung des Flughafens als zentraler Verkehrsknotenpunkt ist ein guter Anlass, auch die eigenen Prozesse auf die neuen Herausforderungen umzustellen. So hat zum Beispiel bei Turnaround-Zeiten der Flugzeuge von 35 bis 40 Minuten das Gepäckrouting in kürzester Zeit zu erfolgen. Angesichts dieses engen Zeitfensters müssen alle Abläufe perfekt aufeinander abgestimmt sein. Eine denkbar wichtige Rolle spielt dabei die IT-Infrastruktur des Flughafens. Im Jahr 2005 startete deshalb die Flughafen Düsseldorf GmbH ein umfangreiches Modernisierungsprogramm. Dafür suchte der Flughafen einen Partner, der die vielfältigen Aufgaben im Rahmen eines Gesamtkonzepts meistern konnte. Schließlich galt es, unter anderem so unterschiedliche Bereiche wie das Parkhaussystem, den Check-in, das Boarding, die Gepäckabfertigung und die Abfertigung der Flugzeuge optimal zu koordinieren. Hier kam das auf Kommunikations- und IT-Lösungen für die Luftfahrt spezialisierte Unternehmen Sita ins Spiel.
Im Mai 2005 schlossen Sita und der Düsseldorfer Flughafen einen umfangreichen IT-Outsourcing-Vertrag. Dieser hat eine Laufzeit von zehn Jahren und ein Volumen von rund 200 Mio. US-Dollar. Kern des Abkommens war, dass Sita das Management der kompletten IT-Infrastruktur des Flughafens übernimmt. Zu diesem Zweck gründeten die Unternehmen ein Joint Venture, das zu 70 Prozent in den Händen von Sita liegt. Den übrigen Anteil von 30 Prozent hält der Flughafen. Die eigens neu gegründete Sita Airport IT GmbH (SAIT) übernahm 62 Mitarbeiter aus der IT-Abteilung des Flughafens. Zu Entlassungen kam es im Zuge dieser Umstrukturierung nicht. Stattdessen wuchs die Firma in den vergangenen Jahren auf jetzt 85 Angestellte. „Das zeigt, dass Outsourcing neue Werte schafft und ein Erfolgsmodell sein kann“, erklärt Dr. Christian Jahncke, Managing Director von SAIT.
Da das Unternehmen seinen Sitz direkt am Flughafen hat, sind die Wege kurz. „Ein Projekt wie dieses lässt sich nicht durchführen, wenn man 50 Kilometer weit voneinander entfernt residiert, aber wir sind vor Ort“, erklärt Jahncke. Auch die Hardware siedelten die Planer in unmittelbarer Nähe des Airports an, so beispielsweise die Rechenzentren.
Innerhalb des ersten Jahres nach Gründung des Joint Ventures konzentrierte sich SAIT zunächst ganz darauf, die bestehende IT-Infrastruktur einer gründlichen Analyse zu unterziehen und Strategien für eine umfassende Modernisierung des gesamten Equipments zu entwickeln. „Unsere Technik war nicht mehr ‚State of the art’“, berichtet Jahncke über die ersten Projektschritte. „Vor allem mit dem Netzwerk gab es immer wieder Probleme.“ Aus diesem Grund stellten Jahncke und sein Team das gesamte Netzwerk von ATM auf die Gigabit-Ethernet-Technologie um. Dieser Schritt brachte erhebliche Verbesserungen in Sachen Geschwindigkeit, Zuverlässigkeit und Administration des Netzes. Nach fünf Jahren ist die gesamte IT-Infrastruktur des Flughafens erneuert. „Wir haben fast jedes Element der alten Hard- und Software ersetzt und sorgen heute auf Basis anspruchsvoller SLAs für einen reibungslosen Betrieb“, erzählt Jahncke.
Rundum erneuerte Lösungen
Heute betreut SAIT eine ganze Reihe unterschiedlichster Einrichtungen am Airport: Diese reichen unter anderem von Desktop-PCs über die Netzwerkinfrastruktur, die Festnetz- und Mobiltelefonie, die beiden Rechenzentren auf dem Gelände, das Management des SAP-Systems bis hin zu Hostingservices. Zudem gilt es, rund 5.000 Computer, Server und Fluginformationssysteme in regelmäßigem Turnus auszutauschen und damit auf dem neuesten Stand zu halten. Doch nicht nur die klassische Infrastruktur, sondern auch viele einzelne Prozesse und Systeme hat man von Grund auf erneuert.
Von diesen Lösungen profitieren sämtliche Nutzer des Flughafens. Die für die Passagiere spürbaren Verbesserungen beginnen schon bei der Ankunft am Flughafen: Über ein Onlinetool können sie die bestgelegenen freien Parkplätze bereits zuhause identifizieren und vorbuchen. 74 neue Self-Service-Check-in-Kioske haben darüber die Warteschlangen beim Check-in erheblich verkürzt – obwohl die Zahl der Passagiere in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.
Auch im Bereich der Gepäckabfertigung gestaltete die Zusammenarbeit mit dem Outsourcer die Abläufe erheblich effizienter. So installierte SAIT ein neues Gepäckverfolgungssystem, mit dem jedes einzelne Gepäckstück innerhalb eines voll beladenen Flugzeugs genau lokalisiert werden kann. Um eine einfachere und effizientere Koordination ging es ebenfalls beim neuen Kommunikationssystem des Flughafens. Airlines, Ground Handler und andere am Flugbetrieb beteiligte Dienstleister können mit diesem nun über eine gemeinsame Infrastruktur zuverlässig mobil kommunizieren.
Die Outsourcing-Experten haben bereits weitere Projekte auf der Agenda: So ist in Düsseldorf erstmals auf einem europäischen Flughafen die Einführung der Sicherheitslösung i-Ferret geplant. Per Bilderkennung erfasst dieses System automatisch Fremdkörper auf den Start- und Landebahnen sowie auf dem Vorfeld. So kann die Sicherheit insbesondere bei Start und Landung weiter erhöht werden.
Betrachtet man die Kosten pro Flugbewegung, so hat sich das Outsourcing für den Flughafen Düsseldorf bezahlt gemacht. Der Airport konnte in diesem Bereich eine beträchtliche Summe einsparen, und aus dem Joint Venture wurde ein unabhängiges, profitables Unternehmen. Die einheitliche, flughafenweit eingeführte IT-Infrastruktur hat für alle am Flughafen ansässigen Unternehmen zu Skaleneffekten geführt. Davon profitieren nicht nur große Partner wie Lufthansa, Air Berlin und Condor, die unter anderem auf das SAIT-Rechenzentrum zurückgreifen. Insgesamt 250 Flughafenmieter, zu denen auch Geschäfte oder Restaurants zählen, die normalerweise über keine eigenen IT-Ressourcen verfügen, nutzen die zentralisierte Infrastruktur für IT und Telekommunikation.
In Zahlen ausgedrückt konnten die IT-Kosten am Flughafen Düsseldorf in den vergangenen fünf Jahren um immerhin zwölf Prozent jährlich reduziert werden. „Ein tolles Ergebnis, vor allem wenn man bedenkt, dass die Passagierzahlen im gleichen Zeitraum erheblich gestiegen sind“, so Jahncke. Während beispielsweise 2005 noch 15,5 Mio. Passagiere ihre Reise am Flughafen Düsseldorf starteten oder beendeten, waren es Ende 2009 bereits 18 Mio.
Bildquelle: Flughafen Düsseldorf