Hype oder Chance?

ERP aus der Cloud

Inwiefern sollten Unternehmen ihre Enterprise-Resource-Planning-Systeme, kurz ERP, in der Cloud betreiben?

Beim Thema ERP aus der Cloud herrscht noch verbreitet Skepsis. Zwar beschwören bereits einige den Untergang der im eigenen Rechenzentrum betriebenen „Big Systems“, ebenso laut tönen jedoch die Stimmen, die davor warnen, die Relevanz von Cloud und Software as a Service im ERP-Umfeld zu überschätzen. Wer den Schritt in die ERP-Wolke in Erwägung zieht, sollte Chancen und Risiken sorgfältig gegeneinander abwägen.

Viele Unternehmen sind noch sehr vorsichtig, wenn es darum geht, ihre geschäftskritischen ERP-Anwendungen – manchmal als „Herz und Lunge des Unternehmens“ bezeichnet – in die Cloud zu verschieben. Schließlich erstrecken sich diese Kernanwendungen über alle Unternehmensprozesse. Vor dem Weg in die Wolke gilt es genau zu prüfen, ob tatsächlich die Notwendigkeit für Cloud Computing besteht, welches Betriebsmodell das richtige für das Unternehmen ist und was sich langfristig rechnet.

Gerade der Kostenaspekt ist es, der die Nachfrage nach On-Demand-Modellen beflügelt. Viele hegen die Hoffnung, die mächtigen ERP-Anwendungen nach der Migration in die Wolke kosteneffizienter betreiben und die Ausgaben für Infrastruktur, Updates, Systempflege und IT-Personal verringern zu können. Multi-Tenant-Lösungen erlauben es beispielsweise, mehrere Mandanten auf einem gemeinsamen System zu konzentrieren. Nur eine Instanz läuft dabei auf dem Server, die jedoch Nutzer aus verschiedenen Unternehmen bedient und gut skalierbar ist.

Standardisierung vs. Individualisierung

„Bei der Wahl des ERP-Betriebsmodells sollte man sich jedoch nicht nur von Kostenaspekten leiten lassen“, erklärt Markus Gallenberger, Business Development Director von Unit4 Software. „Wichtig ist es, dass jeder Kunde für sich abwägt, wie viel Standard er nutzen möchte. Schnell wachsende Unternehmen, die über eine heterogene IT-Landschaft verfügen, favorisieren erfahrungsgemäß eine hohe Standardisierung. Für sie ist der Bezug der kompletten ERP-Funktionalität aus der Cloud häufig der richtige Weg, um ihre Lösungen zu harmonisieren. Auch für ein Unternehmen, dessen Tochtergesellschaft schnell an das in der Zentrale genutzte ERP-System angebunden werden soll, ist ein On-Demand-Modell eine gute Lösung.“

Alle Kunden, die auf eine multimandantenfähige Anwendung in der Cloud zugreifen, nutzen dieselbe Produktversion, was Modifikationen nur bedingt erlaubt. „Steht für ein Unternehmen die Flexibilität für Anpassungen an zukünftige Anforderungen im Vordergrund, sollten nur jene Module in der Public Cloud betrieben werden, die mit geringen Anpassungen auskommen. Für alle anderen Module ist eine Private Cloud die richtige Wahl“, erklärt Markus Gallenberger.

Wer sich für Services aus der Cloud entscheidet, sollte mit der nötigen Ruhe vorgehen und sukzessive in die Cloud starten. Ohne Bedacht integrierte Cloud- und Software-as-a-Service-Lösungen (SaaS) bringen das Risiko mit sich, ein unstrukturierteres, instabiles und unsicheres Datenumfeld zu produzieren. Zertifizierungen etwa nach dem ISO Standard 27001 und SSAE16-Typ-II sind ein Wegweiser dafür, wie gut ein Provider von Cloud-Services tatsächlich ist. Wichtig ist dabei, dass er diese Zertifizierung in allen Bereichen aufweisen kann: für den Aufbau, den Betrieb und das Warten eines IT-Security-Management-Systems. Der ISO-Standard sollte auch Ausrüstung und Abläufe im Rechenzentrum sowie das Teammanagement abdecken. Unter diesen Voraussetzungen können Cloud-Anbieter ERP-Systeme auf einem Sicherheitslevel betreiben, mit dem viele Unternehmen bei weitem nicht mithalten können.

Schutz vor Wolkenbruch

Um das Cloud-Angebot eines Service-Anbieters zu beurteilen, empfiehlt es sich, die Abläufe in der eigenen IT genau zu analysieren: Wie sind unternehmenskritische Anwendungen im System abgebildet und wie tragen sie zum Geschäftserfolg bei? Sind diese Fragen geklärt, können IT-Verantwortliche entscheiden, welche Teile der Unternehmensanwendungen in der Cloud gut aufgehoben sind.

„Egal ob in der Wolke oder On-Premise, das System sollte so flexibel sein, dass es jederzeit neue Geschäftsprozesse abbilden kann“, rät Markus Gallenberger. „Es ist deshalb unwahrscheinlich, dass cloud-basierte On-Demand-Services den klassisch bereitgestellten ERP-Systemen kurzfristig den Garaus machen. Fest steht aber auch: Sinnvolle Ergänzungen und Erweiterungen aus der Wolke können für mehr Flexibilität und Agilität sorgen.“

Die Zukunft werden hybride Ansätze prägen. Sie bieten technologische Unabhängigkeit und ein hohes Maß an Flexibilität, etwa wenn die Nachfrage unvorhersehbar steigt oder eine höhere Verfügbarkeit vonnöten ist. Eine weitere Option ist das Auslagern auf Zeit: Der Betrieb in der Cloud muss nicht zwingend von Dauer sein. Unternehmen sollten sich einen Weg zurück in die Private Cloud oder On-Premises offen halten, falls zum Beispiel IT-Richtlinien oder neue Geschäftsprozesse dies erfordern.

www.unit4software.de

Bildquelle: Gerhard Martin/Pixelio.de

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