Ziel Super-Cloud

„Flexibilität wird zum Gebot der Stunde“

Im Interview erklärt Björn Brundert, Principal Technologist im Office des CTO, Global Field bei VMware, wie Unternehmen ein Cloud-Chaos vermeiden können.

Ziel Super-Cloud

„Viele Cloud-Strategien von vor zwei Jahren werden noch während der operativen Einführung überholt“, sagt Björn Brundert.

ITD: Herr Brundert, wenn ein Unternehmen keine ausreichende Transparenz oder Kontrolle über die Cloud-Computing-Ressourcen hat, droht Wildwuchs. Wie lässt sich dies verhindern?
Brundert: Wir gehen davon aus, dass die meisten Organisationen in den nächsten Jahren in einer Multi-Cloud-Realität ankommen werden. „Cloud First“ allein ist heute nicht mehr ausreichend – es bedarf einer Vorbereitung auf den Einsatz mehrerer Clouds. Entscheidend ist hier die Flexibilität zu haben, die beste Cloud für jede Anwendung auswählen zu können. Hierzu gehört aber natürlich auch die Etablierung eines Cloud Operating Models mit dem entsprechenden Multi-Cloud-Tooling. Im dazugehörigen Cloud Center of Excellence werden die Rahmenbedingungen festgelegt und ein Cost-Management etabliert, damit die Nutzung der Clouds keine bösen Überraschungen mit sich bringt.

Mit unserer Cloud-Technologie als Grundlage sehen wir etwa, dass sich Workloads 40 Prozent schneller in die Cloud migrieren lassen. Dank des konsistenten Infrastrukturmodells über Cloud-Anbieter hinweg lassen sich die Anwendungen nicht nur schneller migrieren, sondern ermöglichen auch einen konsistenten Betrieb mit der bestehenden IT-Mannschaft über eigene Rechenzentren, Edge-Umgebungen und Clouds hinweg. So wird wertvolle Zeit bei der Digitalen Transformation gespart und für die Modernisierung der Anwendungsarchitekturen verfügbar gemacht, was sowohl Risiken als auch Kosten reduzieren kann.

ITD: Welche Gründe führen am häufigsten dazu, dass Cloud-Projekte scheitern?
Brundert: Zum einen wäre da der globale Fachkräftemangel und somit ein Mangel an wichtigen Fähigkeiten – von der Software-Entwicklung bis zum Cloud-Betrieb. Zweitens ist die Modernisierung von bestehenden Unternehmensanwendungen sowie die Migration in die Cloud meist doch eine umfangreichere Herausforderung als initial geplant. Und das dritte Hindernis ist häufig die Fragmentierung des Betriebs und der Sicherung von Anwendungen über mehrere Clouds hinweg. Leider folgt auf die oft enthusiastische Cloud-First-Phase mit initialen Erfolgen und tollen Beispielen für neue Applikationen eine zunehmende Komplexität, häufig sogar Cloud-Chaos. Viele Cloud-Strategien von vor zwei Jahren werden noch während der operativen Einführung überholt – sei es durch Kosten, den Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen, durch besondere Anforderungen von Entwicklungsteams oder auch attraktivere Konditionen bei einem anderen Anbieter. Wenn alles auf eine Cloud ausgerichtet wird, entsteht de facto ein neues „Silo“ und die Integration einer zweiten Cloud würde häufig ein weiteres Silo erfordern. Diese Silos gilt es jedoch zu vermeiden, um in der Multi-Cloud-Realität mit ihren Milliarden Euros an Cloud-Plattform-Innovationen für das eigene Unternehmen die größten Mehrwerte nutzbar zu machen. Flexibilität wird zum Gebot der Stunde. Gleichzeitig muss sichergestellt werden, dass Cloud-Projekte durch entsprechende Governance-Prozesse so viel Freiheit wie nötig, aber gleichzeitig so viele Standards wie möglich bewahren. Ein Cloud Center of Excellence mit dem entsprechenden Multi-Cloud-Tooling und den Prozessen verwandelt das Cloud-Chaos in den smarten Umgang mit Clouds – dem Ziel „Super-Cloud“. Mit dieser Grundlage lassen sich dann weitere große Hindernisse angehen.

ITD: Inwieweit haben Großunternehmen und Konzerne in Deutschland den wirtschaftlichen Nutzen der Cloud erkannt? Wo stoßen sie noch auf Hindernisse?
Brundert: Sie haben den Nutzen der Cloud erkannt, denn mit ihr – gerade im Multi-Cloud-Szenario – kommen sie an Vorteile wie nahtlose Migration in jede Cloud, beschleunigte Entwicklung moderner Anwendungen sowie standortunabhängiger, konsistenter Betrieb. Die meisten berichten aber, dass die Entwicklung neuer Anwendungen langsam und mühsam ist und die Verwaltung ihres gesamten Anwendungsportfolios über verschiedene Clouds hinweg schwierig und teuer ist. Kein Wunder: In jeder Cloud müssen die Teams proprietäre Tools verwenden, die isoliert und nicht miteinander kompatibel sind. Für den gewöhnlichen Mitarbeiter ist der schnelle und sichere Zugriff auf wichtige Anwendungen von jedem Ort aus unerlässlich, aber oft eine Herausforderung. All diese Komplexität hat weitreichende Auswirkungen auf das Unternehmen, von der Kostenverwaltung bis zum Anwerben und Halten von Fachkräften.

ITD: Künstliche Intelligenz (KI) wird inzwischen als wichtigste Zukunftstechnologie angesehen. Welche Rolle spielen Cloud-Anbieter in diesem Kontext?
Brundert: Die Verwendung von KI wird für Unternehmen eine entscheidende Rolle für die nächsten Phasen ihrer Digitalen Transformationen spielen. Cloud-Technologien werden hierbei auf unterschiedlichen Ebenen eine Rolle spielen, z.B. als skalierbare Plattform beim Training der eigenen KI-Modelle. Gleichzeitig spielt aber die Verfügbarkeit und Qualität der Daten eine wesentliche Rolle für das Training. Bei der konkreten Anwendung der Modelle (Inference) kann dann eine Multi-Cloud-Strategie Unternehmen sehr viele Vorteile bringen. Beispielsweise, wenn es um den Einsatz von KI in Edge-Szenarien geht, in denen Real-Time-Anforderungen bestehen oder in denen z.B. sehr große Datenmengen verarbeitet werden müssen. Auch hier kommen Anwendungsstrategie, Datenstrategie und Multi-Cloud-Strategie zusammen. Weiterhin werden Cloud-basierte Anwendungen und Dienste zunehmend selbst Gebrauch von KI-Technologien machen und nicht nur den Kunden und Anwendern eine bessere Erfahrung liefern, sondern auch im IT-Betrieb stärker unterstützen – sei es bei der Absicherung der diversen Umgebungen, der Automatisierung von Abläufen oder anderen Aufgaben.

Bildquelle: VMware

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