Mitarbeiter-Feedback einholen

Förderung eines gesunden Arbeitsumfelds

Im Interview berichtet Susanne Gensch, Lösungsberaterin bei Achievers, was Mitarbeiter in Großunternehmen häufig beklagen und wie regelmäßige Befragungen dabei helfen können, ein gesundes Arbeitsumfeld zu fördern.

Susanne Gensch, Achievers

Laut Susanne Gensch von Achievers wollen Mitarbeiter Anerkennung für gute Arbeit.

ITD: Frau Gensch, welche Rolle spielen Mitarbeiterbefragungen in deutschen Großunternehmen?
Susanne Gensch:
In Deutschland sind jährliche (manchmal sogar dreijährliche) Befragungen üblicher als häufigere Pulsbefragungen. In vielen Unternehmen sind regelmäßige Mitarbeiterbefragungen jedoch noch nicht einmal Bestandteil der Personalstrategie oder werden nur in „guten“ Zeiten sozusagen als „Schönwetter-Angelegenheit“ durchgeführt. Ein Fehler, denn das Einholen von Mitarbeiter-Feedback ist für Unternehmen entscheidend, um das Engagement zu verbessern. Und das ist wichtig. Mitarbeiter, die das Gefühl haben, nicht gehört zu werden, sind weniger motiviert, weniger produktiv und wechseln mit größerer Wahrscheinlichkeit den Job. In Gesprächen mit Angestellten in großen Unternehmen fand das Archievers Workforce Institute heraus, dass viele Mitarbeiter sich häufigere Umfragen wünschen und möchten, dass ihr Unternehmen auf ihr Feedback reagiert.

Gerade das letzte Jahr hat gezeigt, wie wichtig es für Unternehmen ist, ihre Mitarbeitenden zu befragen. Eine jährliche Umfrage, die vor Corona durchgeführt wurde, war zu dem Zeitpunkt, an dem die Daten ausgewertet wurden, höchstwahrscheinlich schon veraltet. Das gilt auch für reguläre Zeiten (sofern diese noch existieren). Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Sammeln von jährlichem Feedback und die Durchführung von Pulsbefragungen von Zeit zu Zeit hilft Unternehmen, mitarbeiterzentrierte Strategien zu entwickeln, um die Gesamtleistung und Arbeitsqualität zu verbessern und ein gesundes Arbeitsumfeld zu fördern. Dadurch werden das Mitarbeitererlebnis und die Arbeitsplatzkultur verbessert, die Produktivität und Effizienz gesteigert und die Geschäftsprozesse und -ergebnisse verbessert.

ITD: Was sind häufige Punkte, mit denen Mitarbeiter in Großunternehmen nicht zufrieden sind?
Gensch:
Gerade in großen Unternehmen beklagen Mitarbeiter oft Dinge, die mit der Unternehmenskultur und der internen Kommunikation zusammenhängen, z.B. ein fehlendes Zugehörigkeitsgefühl. Die Mitarbeiter sind sich nicht sicher, welchen Wert sie tatsächlich in das Unternehmen einbringen, und haben Schwierigkeiten, ihre Position in der Hierarchie der Organisation zu verstehen. Diese Diskrepanz ist ein Problem. Umfragedaten aus den USA zeigen, dass Unternehmen, deren Kultur und Innovationsstrategie mit den Mitarbeitern abgestimmt werden, ein 30 Prozent höheres Wachstum des Unternehmenswertes und ein 17 Prozent höheres Gewinnwachstum verzeichnen.

Ein weiteres häufiges Problem ist der Mangel an Wertschätzung bzw. Anerkennung. Aus unseren Umfragedaten wissen wir z.B., dass 40 Prozent der Befragten sich nicht für ihre Arbeit, die sie während der Corona-Pandemie geleistet haben, anerkannt fühlen. In Deutschland gaben sogar 41 Prozent der Mitarbeiter an, dass sie während der Pandemie keine Unterstützung für ihre psychische Gesundheit durch ihren Arbeitgeber erhalten haben – definitiv ein Bereich, in dem sich Unternehmen verbessern können und müssen.

In Bezug auf Mitarbeiterbefragungen beschweren sich Mitarbeiter vor allem über zu lange Umfragen und zu wenig Maßnahmen oder dass zu viel Zeit zwischen Befragung und Maßnahmen vergeht. Auch die typischen Schönwetter-Umfragen werden kritisch beäugt. Was wir in der Praxis gesehen haben, ist, dass wenn aus Mitarbeiterbefragungen keine konsequenten Maßnahmen abgeleitet werden, die Mitarbeiter diese und andere Umfrageinstrumente ablehnen.

ITD: Welchen Einfluss hatte hierauf die Corona-Pandemie?
Gensch:
Die Pandemie hat den Umgang von Unternehmen mit ihren Mitarbeitern für immer verändert. Viele Unternehmen haben im letzten Jahr die Nachhaltigkeit ihrer HR-Strategien infrage gestellt. Sie haben gesehen, wie wichtig die Einrichtung einer mitarbeiterzentrierten, technologiegesteuerten HR-Funktion für die Unterstützung der Mitarbeiter und fürs Geschäft in unserer neuen Realität ist. Viele haben sich darauf konzentriert, nachhaltigere Erlebnisse zu schaffen, indem sie die Bedürfnisse der Mitarbeiter anerkennen. Dies spiegelt sich auch in der Nutzung unserer Anerkennungsplattform wider: 2020 haben wir auf unserer Plattform einen Anstieg der sozialen Anerkennungen von 40 Prozent verzeichnet.

Anerkennung hat mit den größten Einfluss auf das Mitarbeiterengagement. Entsprechende Tools automatisieren und rationalisieren den gesamten Anerkennungs- und Prämienprozess für Mitarbeiter auf allen Ebenen und an allen Standorten und schaffen unternehmensweite Sichtbarkeit. Mitarbeiter können ganz einfach soziale oder punktebasierte Anerkennungen senden und empfangen, Unternehmenswerte mit Anerkennungen verknüpfen und digitale Jubiläumskarten unterschreiben, um nur einige Beispiele zu nennen.

Digitale Feedback-Plattformen hingegen ermöglichen es, nie dagewesene Einblicke in das zu gewinnen, was den Mitarbeitern wichtig ist. Die Technologie eröffnet eine permanente Kommunikationsmöglichkeit mit den Mitarbeitern, wodurch diese gestärkt werden und Vertrauen aufbauen. Werkzeuge, um Feedback zu sammeln, sind z.B. Pulsumfragen oder Chatbots.

Andere Tools helfen bei der Kommunikation und Klärung von verfügbaren Zusatzleistungen. Gerade in großen Unternehmen sind viele Mitarbeiter nur unzureichend informiert. Personalisierte Informationsmodule, Chatbots und sprachaktivierte Suchen helfen ihnen, die Auswahl an zur Verfügung stehenden Extraleistungen einfach zu navigieren. Mittlerweile werden auch schlanke neue Plattformen eingeführt, die das Leistungsmanagement auf der HR-Seite vereinfachen und Zeit sparen.

ITD: Welchen Einfluss üben positive Mitarbeitererlebnisse letztlich auf den strategischen Geschäftserfolg aus?
Gensch:
Bessere Mitarbeiterproduktivität, geringere Fehlzeiten, weniger Fluktuation, höhere Mitarbeiterbindung, zufriedenere Kunden, mehr Sicherheit am Arbeitsplatz, mehr Kreativität und Innovation, besseres Kundenerlebnis, ein besserer Ruf des Unternehmens, mehr Loyalität, höhere Belastbarkeit – die Auswirkungen positiver Mitarbeitererlebnisse auf den strategischen Geschäftserfolg sind endlos.

Letztlich ist es die Unternehmenskultur, die ein Wettbewerbsunterscheidungsmerkmal darstellt. Es sind die Mitarbeiter, die die Werte eines Unternehmens leben. Es ist der Grund, warum jemand die Extrameile für einen Kunden geht. Es ist die Art und Weise, wie Unternehmen die Leistung ihrer Mitarbeiter verbessern und Einfluss auf die Geschäftsziele nehmen.

Jetzt ist es für Unternehmen an der Zeit, ihre Kultur zu aktivieren. Mitarbeiter wollen sich gehört fühlen und sehen, dass ihr Arbeitgeber auf ihr Feedback reagiert. Sie wollen Anerkennung für gute Arbeit. Und sie erwarten Partizipation auf jeder Ebene – einschließlich der Führungsebene. Wenn Unternehmen diesen Bedürfnissen und Erwartungen nicht gerecht werden, haben sie einen schweren Stand, Mitarbeiter zu halten und eine leistungsstarke Organisation aufzubauen, die ihre Ziele erreicht und wettbewerbsfähig bleibt.

Bildquelle: Achievers

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