Arbeit im Hipster-Treff?
Wer die moderne Arbeitswelt der IT-gestützten Konzernprozesse nicht täglich erlebt, wird wohl wie die Leipziger Volkszeitung zum Urteil kommen: "Aldous Huxley trifft George Orwell und Franz Kafka." Und ein bisschen ist es tatsächlich so: Carmen Losmann findet in ihrem Dokumentarfilm für diese Welt Bilder, deren ungeschminkter Naturalismus jedem Angestellten seinen Alltag übergroß vor Augen führt.
Der Waschzettel zu der gerade auf den Markt gekommen DVD "
Work Hard - Play Hard" beschreibt das Thema des Films so: "Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von Morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm."
Zum Beispiel in den regelmäßigen Mitarbeitergesprächen, zu denen sowohl Führungskräfte als auch Nichtmanager verdammt sind. Wie übersteht man ein solches Gespräch, wenn die Frage "Finden Sie, dass sie zu viel oder zu wenig arbeiten?" auftaucht? Dürfen Mitarbeiter tatsächlich sagen, dass die Belastung in den letzten Monaten deutlich zugenommen hat?
Dabei geben sich moderne Unternehmen irrsinnig viel Mühe, alle unangenehmen Seiten der Arbeit möglichst zum Verschwinden zu bringen. "Es ist wichtig, dass so ein neues Gebäude vermittelt, dass Arbeiten kein Zwang darstellt. Es sollte auf keinen Fall ein Ort sein, an dem ich daran erinnert werde zu arbeiten." Arbeit als architektonisch vermittelte Freizeitsimulation.
Dazu gehört auch, dass man seine vielfältigen Aufgaben liebt und abends gerne noch etwas länger an ihrer Erfüllung werkelt. Oder wenigstens so tut als ob, falls es sich in Wirklichkeit um einen furchtbar öden Sachbearbeiterjob ohne Karrierechancen und Intelligenzbedarf handelt - aber einer hochmögenden Funktionsbezeichnung.
Diese ganzen Verrenkungen sind bekanntermaßen unterfüttert von einer weltläufig mit englischen Begriffen agierenden Rhetorik. Jeder kennt die Edelsubstantive dieses schleppend gesprochenen Jargons der Uneigentlichkeit - die Corporate Governance, das Change Management und die Achtsamkeit für die Ressource Mensch, die sich häufig bereits in den nach Hipster-Treffs aussehenden Coworking Spaces erschöpft.
Und all dies nur, um optimale Ergebnisse durch maximales Wohlfühlen zu erreichen. Der Film mit seinen entlarvenden Monologen und Dialogen sollte zum Pflichtprogramm für angehende Manager werden. Denn das wäre doch mal was: Eine jargonfreie Arbeitsatmosphäre, in dem jedem klar ist, das Arbeit nicht nur Spaß macht und die Mitarbeiter den $&§% trotzdem aus dem Weg räumen.
Bildquelle: Moviestills / Film Kino Text