Um zu umweltfreundlicheren Rechenzentren zu gelangen, kommt es darauf an, den Zustand eines RZ zu kennen.
Die enorme Zunahme der Datenmengen, die an den Edge- und Backend-Einrichtungen verarbeitet werden, hat zu einem zusätzlichen Strombedarf geführt, der große Mengen an Kohlendioxid erzeugt. Die Größe von Rechenzentren reicht von ein paar Servern in einem gut belüfteten Schrank bis hin zu riesigen Anlagen mit komplexen Kühlsystemen, die gemeinhin als Hyperscale-RZ bezeichnet werden. Einige davon umfassen Millionen von Quadratmetern, auf denen Millionen von Servern untergebracht sind. Die Kosten für Kühlung und Strom sind so erheblich gestiegen, dass die Suche nach kosteneffizienter, zuverlässiger und umweltfreundlicherer Elektrizität zu einem wichtigen Geschäftsanliegen geworden ist. Die Entscheidung, wo ein Rechenzentrum gebaut werden soll, ist häufig abhängig von den örtlichen Stromkosten und Kühlmöglichkeiten – und sogar von der Kaltwasserversorgung in der Umgebung.
Die Kennzahl Total Cost of Ownership (TCO) bewertet sowohl die Kapitalkosten als auch die Betriebskosten eines Rechenzentrums. Die RZ-Betreiber verwenden sie häufig, um den Erfolg und die Effektivität ihrer Data Center zu bewerten. TCO lässt jedoch einen wichtigen Vorteil außer Acht, den grüne Rechenzentren bieten: Es fehlt die Komponente der zusätzlichen Auswirkung auf die Umwelt. Der TCE-Wert beinhaltet hingegen Faktoren wie PUE (Power Usage Effectiveness), Serverdichte, Zulufttemperatur und Menge an Elektroschrott. Betreiber sollten daher diese Kennzahl in ihre Strategie aufnehmen, um die Umweltauswirkungen ihrer Rechenzentren zu messen.
RZ-Betreiber können die Art des eingekauften Stroms (fossile oder erneuerbare Energieträger) und dessen Nutzung im Rechenzentrum genauer unter die Lupe nehmen, um den ökologischen Fußabdruck zu verringern. Es gibt kurz- und langfristige Entscheidungen, die getroffen werden können, um den Stromverbrauch zu senken und damit weniger Treibhausgasemissionen durch Stromerzeugung zu verursachen.
Ein Maß für die Umweltfreundlichkeit eines Rechenzentrums ist u.a. die Messung der PUE. Diese lässt sich schnell berechnen und ist das Verhältnis der Gesamtleistung, die an das Rechenzentrum geliefert wird, dividiert durch die für die IT-Infrastruktur benötigte Energie. Betreiber können ihre PUE reduzieren, indem sie die Upgrade-Zyklen verkürzen, effizientere Server anschaffen, die Zulufttemperatur erhöhen und Flüssigkeitskühlsysteme installieren. In einer aktuellen Umfrage anlässlich des jährlichen Data Centers & the Environment Report von Supermicro, gaben die Betreiber von Rechenzentren an, dass die Hauptinvestition für ihre Einrichtungen im Jahr 2020 darin bestand, kritische Komponenten aufzurüsten. In zweiter Linie wurde die Zahl der Server erhöht, Software aufgerüstet und ein umfassenderes Elektroschrott-Programm aufgelegt. Um zu umweltfreundlicheren Rechenzentren zu gelangen, kommt es darauf an, den Zustand eines Rechenzentrums zu kennen. Etwa 94 Prozent der Befragten waren sich der PUE ihrer Einrichtungen bewusst – verglichen mit nur 31 Prozent ein Jahr zuvor. Die Besorgnis über den PUE-Wert eines Rechenzentrums ist zwischen der Befragung 2019 und 2020 also gestiegen.
Eine interessante Erkenntnis der Umfrage ist, dass alle Stellenbeschreibungen eine höhere Serverauslastung durch Software als oberste Priorität ansehen. Durch eine höhere Auslastung der Systeme werden weniger Systeme für eine bestimmte Gesamtauslastung benötigt, was den Platzbedarf und zusätzlichen Stromverbrauch verringert.
Erhöht man die Zulufttemperatur zu einem Rack verringert sich die Menge an Kühlluft, die eine entsprechende Klimaanlage erzeugen muss. Doch nicht alle RZ-Betreiber machen sich diese Änderung zunutze. Berechnungen zeigen, dass eine einzige Rack-Zulufttemperatur von 32°C zwischen 10.000 und 11.000 Euro pro Jahr an Stromkosten einsparen könnte.
Von der Art der Stromversorgung bis hin zur Festlegung der Art und Häufigkeit der zu kaufenden Systeme, gibt es eine Reihe von Maßnahmen, die Betreiber von Rechenzentren ergreifen können, um die Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Entscheidungen auf vielen Ebenen, die die vereinbarten Service-Level-Agreements einhalten und gleichzeitig die Auswirkungen auf den Klimawandel und die Umwelt begrenzen, werden in dem Maße an Bedeutung gewinnen, in dem die soziale Verantwortung von Unternehmen immer sichtbarer wird.
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