Mike Rhodin, Senior Vice President für das Software-Lösungsgeschäft bei IBM: „Analytics ist die neue Geschäftssprache.“
„Get social. Do business“ – so lautet die Devise von IBMs Collaboration-Sparte. Auf der weltweiten Anwenderkonferenz Connect zeigte der IT-Anbieter, wie er die Vision vom Social Business nun in die Realität umsetzt. Bisher wurde – ganz IBM-like – ein Sammelsurium an Technologien angeboten, aus dem Unternehmen sich ihr internes soziales Netzwerk zusammenbasteln können. In Orlando schlug Big Blue nun einen neuen Weg ein: Präsentiert wurden Lösungssuiten – also Pakete aus Social-Software-Anwendungen, die auf bestimmte Einsatzszenarien zugeschnitten sind. Dafür werden Technologien aus dem Bereich Social Software, Datenanalyse, Content-Management und Integrationswerkzeuge wie Websphere miteinander kombiniert. Mit seinen Suiten adressiert der Anbieter zunächst zwei Zielgruppen: Mitarbeiter und Kunden.
Die Employee Experience Suite bietet Firmen Unterstützung bei der Personalarbeit. Bestandteil der Lösung ist das 2X-System von Kenexa. Big Blue hatte diesen Anbieter und damit auch dessen HR-Software kürzlich übernommen. Dank der Integration mit der Social Software „Connections“ können sich Mitarbeiter eines Unternehmens untereinander austauschen. Die Personalverantwortlichen haben u.a. die Möglichkeit, Communitys zu erstellen, um Kontakt zu potentiellen Mitarbeitern aufzubauen. Zudem können Anwenderfirmen mit der Customer Experience Suite die Kontakte zu ihren Kunden verbessern. In Orlando wurde dafür der Social Media Publisher vorgestellt. Mit diesem Werkzeug lassen sich Inhalte von Marketing- und PR-Kampagnen laut Hersteller einfach und ohne spezielles IT-Wissen in sozialen Netzwerken veröffentlichen.
Im Fokus der Social-Software-Strategie steht die Plattform Connections. Die Lösung, die verschiedene Web-2.0-Funktionen wie Aufgabenverwaltung oder Profile bietet, hat bereits einige namhafte Anwender gefunden. Dazu zählen Bayer Material Science, Hamm Reno oder Bosch. Auf der Konferenz stellte Bosch-CIO Gerd Friedrich die Anwendung vor. Demnach nutzen rund 7.000 Mitarbeiter des Industrieunternehmens die Plattform. Eines der Ergebnisse: Die Prozesse im Bereich Forschung und Entwicklung laufen dank der Lösung deutlich schneller ab. Ab März wird Version 4.5 von Connections verfügbar sein. Unter anderem lässt sich die Plattform dann mit dem Content-Management-System Filenet verknüpfen. Nutzern stehen so innerhalb ihrer Social Software klassische Funktionen für die Dokumentenverwaltung zur Verfügung.
Eine weitere grundlegende Technik, die sich mittlerweile in allen Angeboten von Big Blue finden lässt, ist die Datenanalyse. Mithilfe von entsprechenden Funktionen können z.B. Anwender der Employee Experience Suite den Weiterbildungsbedarf von Mitarbeitern erkennen und entsprechende Maßnahmen in die Wege leiten. Nach Meinung von Mike Rhodin, Senior Vice President für das Softwaregeschäft bei IBM, stellt Analytics die neue Geschäftssprache dar. Dank dieser Technik ließen sich neue Informationsquellen im Unternehmen erschließen und daraus Wissen zur Verbesserung der Prozesse gewinnen. Auch Frank Heuer, Analyst bei der Experton Group, hält die Analysemöglichkeiten für sehr interessant. Generell sieht er den Anbieter auf einem guten Weg. „Er hat eine führende Position im Markt für Social-Business-Software und kann diese durch die Ankündigungen in Orlando weiter ausbauen“, meint Heuer. Neben Social Business adressiere man auch die anderen Topthemen der IT-Branche: „Der Anbieter führt die großen vier Trends Social, Big Data, Cloud und Mobile zusammen und Connections dient dafür als Klammer.“ Grundsätzlich versucht Big Blue mit seinen Produkten gleichwertig alle verschiedenen Nutzungsarten zu unterstützen – also Software sowohl on premise, in der Cloud und für Smartphone sowie Tablets anzubieten. So soll etwa die komplette Connections-Plattform noch dieses Jahr auch in der Cloud angeboten werden.
Verfügbar ist ab März auch eine neue Variante des E-Mail-Systems Notes/Domino. Version 9 ist die erste große Produktankündigung für Notes/Domino seit fünf Jahren und läuft unter der Bezeichnung Social Edition. Damit ist bereits klar, in welche Richtung die Entwicklung geht. Der Anbieter bindet die klassische digitale Post auch ins Social Business ein. „Der Notes-Client ist der erste E-Mail-Client, der Social-Inhalte in die Inbox bringt“, sagt Alistair Rennie, General Manager von IBMs Collaboration-Sparte. Will heißen: Notes wird zum Posteingang für alle Nachrichtenarten – sowohl für E-Mails als auch für Informationen aus den sozialen Netzwerken. Die Verantwortlichen von Big Blue sind allerdings auch realistisch genug, dem Umstand Rechnung zu tragen, dass Notes/Domino im Markt nicht das dominierende Mail-System ist. Die meisten Unternehmen arbeiten mit der Plattform Outlook/Exchange von Konkurrent Microsoft. Funktionen von Connections lassen sich daher jetzt in Outlook integrieren.