Mit "Skizze zu Bild" bekommt Julian einen Schal
Live-Übersetzung mit Galaxy AI
Circle to Search mit Google – Objekte einkreisen und finden
Autor Julian van Dieken
Künstliche Intelligenz ist überall und hat mittlerweile auch unsere Smartphones erreicht, z. B. in Form der Galaxy AI von Samsung. Ich habe mir in den letzten Wochen diverse Funktionen von Samsung angeschaut.
Fünf, die ich hilfreich finde, weil sie meine Kreativität unterstützen und Aufgaben vereinfachen können, zeige ich hier – inklusive Praxis-Tipps.
Vorweg zum Verständnis: Der Begriff „Künstliche Intelligenz“ hat sich im Laufe der Jahre mehrfach gewandelt. Um es einfach zu halten, spreche ich in diesem Artikel von zwei Bereichen.
Erstens: Gerätefunktionen, die von maschinellem Lernen profitieren. Bei denen also mithilfe großer Datensätze im Hintergrund hochwertigere Outputs erzielt werden.
Zweitens: Funktionen, die Gerätehersteller selbst als K.I. bezeichnen. Diese Kategorisierung ist zwar keine präzise technische Abgrenzung, vereint aber verschiedene Tools unter einem übergreifenden Konzept.
Also, welche Features sollte man sich mal anschauen?
Die Handy-Kameras werden seit Jahren bereits immer besser dank „Computational Photography", also der computergestützten Optimierung der Ergebnisse. Nun wird das durch neue K.I.-Features ergänzt. Drei Funktionen stechen dabei besonders hervor:
Der Zoom
Inzwischen können einige der Geräte mit einer Kombi aus optischem und digitalem Zoom eine bis zu 100fache Vergrößerung erreichen. Ganz so nah solltet ihr zwar vielleicht doch nicht ran, denn dann verschwimmt das Bild. Aber bis 30-fach ist das Foto meistens für viele Zwecke noch nutzbar.
Die automatische Bildverbesserung
Dazu müsst ihr nicht viel tun: Die K.I. optimiert standardisiert Fotos, indem sie die Schärfe erhöht sowie den Kontrast und die Tonwerte korrigiert. Diesen Anpassungen kann man sogar nach dem Knipsen beim ersten Aufrufen des Bildes kurz live zuschauen.
Die generative Bearbeitung
Um die zu nutzen, tippt man in der Galerie App auf den blauen „Galaxy AI“ Button für „generative Bearbeitung“. Markiert z. B. Personen oder Objekte und verschiebt oder entfernt sie. An der entstandenen Lücke generiert die K.I. dann abhängig vom Kontext neue Details.
Praxisideen
So ließen sich diese drei Werkzeuge z. B. kombinieren:
Abstrakte Hintergrundbilder
Eine Idee visualisieren und auf Farbwirkung setzen, z. B. für eine PowerPoint. Versucht, nicht gegenständlich, sondern abstrakt zu fotografieren. Absichtlich beim Drücken des Auslösers wackeln, damit das Bild verwischt. Stärker auf Farben und Muster achten als auf konkrete Objekte. Dann Generative Bearbeitung nutzen, um diese Farbwirkungen und Schwünge zu verstärken.
Social-Media-Posts verbessern
Bilder für Social-Media-Kampagnen optimieren. Die finale Bearbeitung kann zwar immer noch mit Photoshop stattfinden. Aber so lassen sich Objekte im Hintergrund schon mal entfernen, um den Fokus auf das Hauptmotiv besser zu setzen. Besonders hilfreich, wenn man unterwegs ist oder Zeitdruck hat.
Präsentationen optisch aufwerten
Mit K.I. lassen sich heute auf Smartphones Details heranzoomen, für die es früher eine Spiegelreflex brauchte. Formen und Muster, die nicht nur Präsentationen kreativ aufwerten können. Damit kann man Themen visuell verstärken. Etwa weit entfernte Strukturen fotografieren und sammeln. Versuchen, in der Stadt unterschiedliche Linien zu finden. Stromkabel, Schienen, Fensterrahmen, Pflastersteine… Linien gibt es überall. Die Bilder später zu einer Collage kombinieren, so dass ein prägnanter und besonderer Eindruck für die Präsentation entsteht.
So langsam fallen die Sprachbarrieren. Musste man früher im Ausland oder im mehrsprachigen Kollegium noch unter vollem Einsatz mit Händen und Füßen kommunizieren, geht das mit dem Live-Übersetzung-Feature reibungslos.
So zumindest das Versprechen. Aber funktioniert es wirklich, dass wir unsere Smartphones als Dolmetscher nutzen?
Samsung integriert eine Version der „Dolmetscher“-App direkt ins System und machen sie damit schneller von überall auf dem Smartphone erreichbar.
Praxisideen
Sich mit anderen Touristen unterhalten. Das habe ich in einem Test vor dem Louvre getan. Einmal auf Englisch, weil ich so nachvollziehen konnte, was die App macht. Und einmal auf Chinesisch, das ich nicht sprechen kann.
So funktioniert’s: Ich rede, Galaxy AI übersetzt, dann macht mein Gegenüber das Gleiche. Das Interface ist so gestaltet, dass man sich gegenüberstehen und den Text jeweils richtig herum lesen kann.
Folgendes hilft:
- Klar sprechen und laute Umgebungen meiden, denn besserer Input ergibt besseren Output.
- Bewusst abwechselnd reden. Klingt banal. Aber es ist etwas ungewohnt, sich so zu unterhalten. Darauf muss man sich einstellen.
In meinem Italien-Urlaub habe ich damit jedenfalls einen äußerst mürrischen Carabinieri, der kein Wort Englisch sprach, davon überzeugt, eine Dokumenten-Verlustanzeige aufzugeben.
Ich konnte mich tatsächlich 30 Minuten lang mit dem Polizisten durch italienische Formulare hangeln.
Die Idee der visuellen Suche gibt es schon länger. Neu ist, dass sich jetzt, egal welche App gerade geöffnet ist, alles markieren und danach suchen lässt.
Konkret geht das so:
- Den Menü-Button gedrückt halten und mit dem Finger einen Kreis um ein Objekt ziehen.
- Eine Suche startet und zeigt Infos zu den Bildinhalten an. Falls es keinen genauen Treffer gibt, erscheinen dem Objekt ähnliche Bilder.
Das ist gut für die spontane Recherche und wenn man z. B. optisch nach etwas suchen möchte von dem man den Namen nicht kennt.
Zwei verschiedene Features, die sich gut ergänzen sind die Transkriptionshilfe und die Notizenassistenz.
Wie geht’s?
Sehr simpel. App aufrufen, Record drücken und einsprechen.
Idee für die Praxis
Folgendes Szenario. Ein Briefing oder eine Projektgliederung muss erstellt werden. Das Thema ist schon im Kopf, nur ist das alles noch etwas unstrukturiert. So könnte man damit umgehen:
Die K.I. übernimmt die Vorarbeit und der Mensch steigt dann wieder ein, wenn echte Kreativität gefragt ist. Voilà. So kommt man schnell von einer Idee zu einem kompletten Textentwurf.
Scribbles sind seit einer Weile sehr wichtig für mich. Soll heißen: Ich kritzle etwas, und wandle das per K.I. in komplexere Bilder um. Das geht jetzt ebenfalls mobil. Ideen für die Praxis- einen neuen Stil testen und eine Person mit neuer Kleidung ausstatten- Symbolbilder wie eine gesperrte Straße erzeugen- Räume ändern und Möbel hinzufügen
Oder man nutzt es zur Erstellung von Grafiken wie eigene Zeichnungen, Symbole und Icons – auch ganze Comic-Strips oder individuelle Clip Arts sind möglich.
Fazit
Vor allem die Kombination verschiedener Features ist eine Stärke. Ein Konzept mit den Assistenten-Funktionen erstellen, Fotos dafür schießen, sie mit K.I. bearbeiten, Inhalte mit Circle to Search mit Google zusammensuchen und dann die gesamte Präsentation anschließend mit gekritzelten Bildern visualisieren. Dabei kann man vom Tablet aufs Handy und auf den Laptop springen, weil die Geräte im Galaxy AI Ökosystem miteinander verbunden sind.
Und so entstehen neue Workflows für etwas, das vorher eine Sammlung von Spezialtools über verschiedene Geräte und Systeme verstreut war.
Zurück zur Frage „Lässt sich K.I. professionell und kreativ nutzen?“ – die Antwort: K.I. unterstützt Kreativität. Nicht vollautomatisch, sondern als Verstärkung für die Person, die die Geräte nutzt. Und das mehr und mehr auch im Job, da sie nun jederzeit griffbereit ist.
Bildquelle: Samsung