Kryptowährung

Gefährlicher Kryptohype?

Warum Kryptowährungen hohe Unvorhersehbarkeiten bergen, erklärt Jerome Evans, Gründer und Geschäftsführer der Diva-e Cloud GmbH mit der Marke Firstcolo.­

Jerome Evans

Jerome Evans: „Auch wenn gerne das Gegenteil be­hauptet wird, unterliegen Kryptowährungen aktuell der Dynamik der Kapitalmärkte.“

Kryptowährungen haben in den vergangenen Jahren zunehmend hohe
Wellen geschlagen. Doch seit mehreren Wochen kommt es zu einem Fall der Kurswerte aller großen Kryptowährungen: So lag der Kurs von Bitcoin Anfang April bei circa 45.000 US-Dollar, mittlerweile hat er sich bei circa 30.000 US-Dollar eingependelt. Auch wenn gerne das Gegenteil behauptet wird, unterliegen Kryptowährungen aktuell der Dynamik der Kapitalmärkte. Insbesondere existiert eine hohe Korrelation zur Entwicklung der Marktkapitalisierung börsengehandelter Technologieunternehmen – und hier lässt sich seit Januar 2022 ein Abwärtstrend be­obachten.

Bei TerraUSD (UST) – einem sogenannten Stablecoin – ist eine Kopplung des Werts an den US-Dollar vorgesehen. Hierbei gilt die Formel: 1 UST = 1 US-Dollar. Die Preisstabilität lässt sich dabei algorithmisch steuern: durch die Regulierung von Angebot und Nachfrage mithilfe der Schwesterwährung Luna, die jederzeit gegen Terra getauscht werden kann. Anleger hatten über das Anchor-Protokoll die Möglichkeit, Renditen von bis zu 20 Prozent pro Jahr zu erzielen. Durch Neuinvestitionen in Terra ließen sich diese Zinserträge gewissermaßen subventionieren. Ein daraus folgender Rückgang der Rendite sorgte für einen Absturz der Nachfrage nach UST. Dies führte zu einem Bank Run der UST-Anleger, wodurch die besagte Schwesterwährung rapide an Wert verlor und der Balancierungsmechanismus nicht länger griff.

Das Risiko eines Investments in Kryptowährungen sollten Anleger also auf keinen Fall unterschätzen, schließlich handelte es sich bei Terra (Luna) um eines der größten Projekte im Kryptobereich und dennoch ließ sich der Einbruch nicht abwenden. Ebenso reden wir hier weiterhin von einer hoch volatilen Anlageklasse, welche ein sehr hohes Risikopotenzial birgt. Anleger sollten also genau überlegen, wie viel des eigenen Portfolios sie in derartige Assets fließen lassen, und Kryptowährungen nicht mit klassischen Werten wie etwa Aktien gleichstellen. Auch innerhalb des Kryptomarkts müssen Investierende auf ausreichende Diversifikation achten und Grundsätze des verantwortungsvollen Investierens befolgen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Konkrete Anwendungsfälle der Blockchain-Technologie bleiben ein Thema, das auch weiterhin eine hohe Relevanz besitzt. Als IT-Dienstleister beobachten wir hier, dass eine zunehmende Zahl an Kunden Blockchain-Anwendungen betreibt. Es ist anzunehmen, dass ein Wachstum in diesem Bereich Auswirkungen auf das Marktvolumen hat. Prognosen, die rein auf Spekulation und historischer Nachfrageentwicklung basieren, haben dagegen eine geringe Aussagekraft. Zudem bereitet vielerorts die Ökobilanz von Kryptowährungen Grund zur Beunruhigung. Allerdings gibt es hier einen wichtigen Meilenstein, der in den Fokus rücken sollte: der lange geplante Übergang von Ethereum zum sogenannten Proof of Stake-Modell, bei dem die Beanspruchung von Rechenressourcen zum Lösen komplexer mathematischer Gleichungen entfällt. Dieser soll diesen Sommer stattfinden, nach mehreren Verschiebungen. Natürlich gibt es auch eine Reihe weiterer Maßnahmen, um den ökologischen Fußabdruck zu minimieren – allen voran die Nutzung von klimaneutralem Strom.

Bildquelle: Diva-e Digital Value Excellence

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