Elektronische Signaturen

Georedundanz schafft Vertrauen

Trust-Service-Provider stellen sichere Zertifikate für elektronische Signaturen und ­Siegel zur Verfügung. Um ihren Kunden ein Höchstmaß an Verfügbarkeit und ­Verlässlichkeit zu bieten, sollten diese Dienste auf georedundante Infrastrukturen ­setzen.

Frau in Rechenzentrum

Oft wird vergessen, dass auch die abstrakte Cloud eine konkrete physische Seite besitzt, wo die Daten gespeichert werden.

An elektronische Signaturen und Siegel werden hohe Anforderungen gestellt, dienen sie doch als Legiti­mation bindender Verträge. Es liegt in der Pflicht eines Trust-Service-Providers, die Nachvollziehbarkeit dieser Transaktionen für die Dauer der gesetzlichen Auf­bewahrungsfrist zu gewährleisten. Das sind etwa in Österreich 30 Jahre. In der schnelllebigen digitalen Zeit ist das ein sehr langer Zeitraum, in dem es zu ­allerhand unvorhergesehenen Ereignissen kommen kann.

Der Brand in einem Straßburger Rechenzentrum im letzten Frühjahr führte die Anfälligkeit der digitalen Datenspeicherung dramatisch vor Augen. In Zeiten der Cloud glaubt man gerne, dass die Daten dort für immer und ewig gesichert sind. Oft wird dabei vergessen, dass auch die abstrakte Cloud eine konkrete physische Seite besitzt, wo die Daten gespeichert werden – die daher auch durch Katastrophen oder Unfälle verloren gehen können. Tatsächlich erlitten einige Unternehmen durch den Brand in Straßburg einen Totalverlust ihrer Daten.

Neben Bränden muss man auch Naturkatastrophen wie Überschwemmungen einkalkulieren, die zum Ausfall von Rechenzentren führen können und in den letzten Jahren stark zugenommen haben. Um sich dagegen abzusichern, reicht es nicht aus, Daten lediglich am selben Ort nochmals zu sichern. Dies kann technischem Versagen oder der Alterung von Datenträgern entgegenwirken, bei verheerenden Zwischenfällen, die einen ganzen Standort lahmlegen, hilft dagegen nur noch eine georedundante Speicherung, um den Datenverlust zu verhindern.

Was ist Georedundanz?

Unter dem Begriff versteht man grundsätzlich die doppelte Ausführung eines Systems an voneinander getrennten geografischen Orten. Dies unterscheidet das Verfahren auch von der Sicherungsvariante eines Backups. Beim Backup wird immer nur eine Momentaufnahme zu einem bestimmten Zeitpunkt abgelegt. Die Zeitspanne zwischen zwei Backups entspricht dem maximalen Datenverlust im Fall einer Störung.

Im Bereich der sensiblen Vertrauensdienste strebt man „Datenverlust = null“ an, da es hier unter Umständen zu hohen Schadenersatzforderungen von Kunden kommen kann. Deshalb werden bei der Redundanz nicht nur Momentaufnahmen wie beim Backup ­gemacht, sondern der ganze Prozess wird praktisch ­gespiegelt und läuft bei führenden Trust-Service-Pro­vidern in ­einem räumlich getrennten Rechenzentrum noch mal gleich ab. Kommt es zum Ausfall, wird ein automatisches Fail-over eingeleitet und das „Ersatzrechenzentrum“ übernimmt.

Hohe Verfügbarkeit garantieren

Die Aufgabe der redundanten Systeme besteht nicht nur darin, historische Daten gegen Verlust zu sichern, es geht auch darum, eine hohe Verfügbarkeit zu gewährleisten. Kunden, die Verträge digital unterzeichnen, setzen hohes Vertrauen in den Trust-Service-Provider, der für die Signatur garantiert. Dieses Vertrauen sollte nicht enttäuscht werden, schon allein aus Gründen der Reputation.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 6/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Problematischer wird es aber noch, wenn durch den Ausfall des Trust Services kritische Fristen nicht eingehalten werden. Anbieter, die nicht georedundant arbeiten, können unter Umständen Tage benötigen, um ihre Systeme wieder ans Laufen zu bringen. Das Fail-over auf ein alternatives Rechenzentrum dauert hingegen nur wenige Minuten. Während die Prozesse nun am anderen Standort ablaufen, bleibt auch genügend Zeit, den Ausfall zu reparieren.

Noch ist Georedundanz für Vertrauensdienste nicht gesetzlich vorgeschrieben. Große Anbieter, wie Swisscom Trust Services, setzen dennoch auf diese Art der Absicherung, um Kunden das höchste Maß an ­Vertrauen zu garantieren. Mit der Novelle der eIDAS-Verordnung, die elektronische Identifizierung und Vertrauensdienste auf EU-Ebene reglementiert, könnte allerdings im nächsten Jahr eine Pflicht eingeführt werden. Bis dahin sollten Unternehmen selbst prüfen, welche Sicherungsmaßnahmen ihr Trust-Service-Provider ergreift.

Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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