Georg Wagner, Niit

Interview mit Georg Wagner, Sales Director der Niit Technologies GmbH

Georg Wagner, Niit Technologies GmbH

IT-DIRECTOR: Herr Wagner, welche Bedeutung schreiben Sie Software-Tests zu?
G. Wagner:
Es gibt kaum einen weniger motivierten Tester als jemanden, der sich selbst eigentlich als Software-Entwickler sieht. Dies ist psychologisch erklärbar: Wer sucht schon gerne nach eigenen Fehlern? Beim Offshoring werden Testing Services von speziellen Testing-Mitarbeitern durchgeführt. Diese sind nicht nur in speziellen Testing-Verfahren ISTQB-zertifiziert, sondern werden an gefundenen Fehlern inkl. Root-Cause-Analyse gemessen. Diese Herausforderung ist insbesondere in Offshore Testing Factories mit hohem Automatisierungsgrad gelöst. Für Regressionstests ist Automatisierung fast unabdingbar – als Vorbereitung dazu fällt manuelle Arbeit an, die wiederum effizient von Offshore erledigt werden kann.

IT-DIRECTOR: Welchen Vorteil bringt das Auslagern von Software-Entwicklung/-Weiterentwicklung, Support und/oder Testing-Services mit sich?
G. Wagner:
Der Kostenvorteil ist evident, liegt aber meistens unterhalb der Erwartungen der deutschen Anwender. In der Realität kommen zum Zwecke der Koordination und der Qualitätssicherung gemischte Kostensätze (onsite plus offshore) zur Entfaltung. Der wirkliche Vorteil liegt in der Qualität der Software-Entwicklung und in der Schnelligkeit, in der spezielle Kenntnisse eingekauft werden können. Der Umfang von Nacharbeit und Bugfixing bei der Offshore-Entwicklung ist wesentlich geringer und kann zudem bei geeigneter vertraglicher Vereinbarung auf den Offshore-Anbieter verlagert werden.

IT-DIRECTOR: Inwiefern spielen kulturelle Unterschiede eine Rolle (bspw. bezüglich der Sicherheit), wenn ein Unternehmen auf Nearshore-/Offshore-Zentren zurückgreift?
G. Wagner:
Es wäre vermessen, Unterschiede bei der Sicherheit einer bestimmten kulturellen Prädisposition zuzuschreiben. Es ist allerdings auch so, dass in China Urheberrechtsverletzungen nicht ausreichend verfolgt werden (können). Jeder indische Software-Ingenieur wird dagegen von Beginn seiner Ausbildung an darauf trainiert, den Sinn von Qualitäts- und Sicherheitsvorschriften zu verinnerlichen.

Wichtiger als kulturelle Unterschiede sind juristische Grundsätze. Es kommt darauf an, ob Software-Entwicklung innerhalb oder außerhalb der EU stattfindet. Bei Offshoring außerhalb der EU ist es wichtig, den Provider auf die Anwendung der EU-Klauseln für den Transfer von persönlichen Daten in der neusten Fassung von 2010 zu verpflichten. Diese greifen auch denn, wenn gar keine persönlichen Daten, sondern nur Software-Code transferiert oder von außen bearbeitet wird.

IT-DIRECTOR: In welchen Fällen sollte man sich eher für Nearshoring und wann für Offshoring entscheiden?
G. Wagner:
Offshoring und Nearshoring haben durchaus unterschiedliche Stärken. Nearshoring kommt am besten im Sinne von "Body Shopping" zum Tragen. Es gibt in Osteuropa günstige und durchaus deutschsprachige einzelne Spezialisten aus allen Bereichen der Software-Entwicklung.

Wenn es um größere Teams geht, oder um das Outsourcing von einem Service, und damit um erprobte Prozesse der Qualitätssicherung bei der Software-Entwicklung, dann ist Indien gefragt: mit seinem großen Pool an bestens zertifizierten Software-Ingenieuren und deren Fähigkeit und Willen, sich in die Businessprozesse des Kunden hineinzudenken. Die räumliche Distanz ist ansonsten irrelevant. Indien ist vom Zeitversatz nur 3,5 Stunden entfernt.

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