Harald Behnstedt ist seit 19 Jahren im Unternehmen tätig und hat sich von der Pike auf hochgearbeitet.
ITD: Herr Behnstedt, was genau steckt hinter dem Begriff Green-IT?
Behnstedt: Green-IT hat sich in den 1990er-Jahren entwickelt und steht als Sammelbegriff für umweltverträgliche Technologieprodukte und -dienstleistungen mit dem Ziel, diese möglichst ressourcenschonend zu nutzen. Mit Green-IT sind zwei Ebenen verbunden: energiesparende Computersysteme, in unserem Fall Industriecomputer, und eine weitere Auffassung, die sich für umweltbewusste Produkte und ein Bewusstsein für Mensch und Natur einsetzt. Alles, was eine Firma selbst machen kann, trägt dazu bei, nachhaltiger und verantwortungsvoller zu wirtschaften.
ITD: Für Unternehmen ist ein nachhaltiges Konzept inzwischen Pflicht. Wo sollten Firmen ansetzen, die den ersten Schritt noch nicht gemacht haben?
Behnstedt: Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) ist es eine Herausforderung, ein nachhaltiges Konzept zu entwickeln. Denn in KMU stehen Geldmittel, Zeit oder auch das Personal nicht in dem Umfang zur Verfügung wie in großen Firmen. Dennoch erachten wir es als machbar, und sehen es nicht immer als notwendig an, sich einer offiziellen Zertifizierung zu unterwerfen, wie beispielsweise der ISO14000. Gesunder Menschenverstand reicht oft aus, um folgende Punkte genauer zu betrachten: Mit dem drängendsten Thema starten, der CO2-Einsparung. Dazu erfassen wir z.B. die Daten, etwa mit dem Klimabilanzierungstool Ecocockpit. Damit wollen wir weitere Anhaltspunkte erhalten, um unsere Treibhausgasemissionen in Zukunft weiter zu verringern. Ein weiterer Punkt ist die Firma in den Blick zu nehmen, gerne auch mit Hilfe von Außenstehenden, wenn es darum geht, eigene Prozesse zu beleuchten und zu verbessern. Dazu gehört es u.a. die Transportarten zu prüfen, Produkte zu optimieren und im selben Maße Lieferanten sowie das Produktmanagement einzubinden.
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Punkt Nummer drei sind kleine Schritte, die positive Effekte erzielen. Auch eine kleine Verbesserung ist eine Verbesserung. Diese gilt es anschließend, in der Firma einzuführen, und dann an den nächsten 90 Prozent zu arbeiten. Und zuletzt: Wir folgen keinem offiziellen Standard. Für uns zählt unser Bewusstsein für Mensch und Natur, daraus haben wir unseren Firmencodex entwickelt und 2022 verabschiedet.
ITD: Vermehrt ist aktuell in diesem Kontext auch von „Greenwashing“ die Rede. Was hat es damit auf sich?
Behnstedt: Unter „Greenwashing“ verstehe ich z.B. das Abholzen von Wäldern und das erneute Wiederaufforsten, in Verbindung mit dem Verkauf von CO2-Zertifikaten. Wenn Firmen Anstrengungen unternehmen, CO2 zu reduzieren, indem alternative Antriebe oder Treibstoffe eingesetzt werden, um Transportwege zu optimieren oder auf Ökostrom umzustellen, sehe ich dies nicht als „Greenwashing“. Wird zudem der verbleibende CO2-Ausstoß kompensiert, indem z.B. ein Unternehmen den Bereich der erneuerbaren Energien fördert, ist das aus meiner Sicht eine „saubere“ Lösung, bis entsprechende Transportmittel oder -lösungen parat stehen, die komplett emissionslos durch die Lande fahren. Dazu gibt es bereits vielversprechende Ansätze, die in Zukunft sicherlich dazu beitragen werden, dass der Versand emissionslos vonstatten geht.
ITD: Greenwashing – worauf sollten Kunden achten?
Behnstedt: Ist es nicht möglich, nachzuvollziehen, in welcher Weise das Produkt, die Dienstleistung oder auch die Firma nachhaltiger sind, raten wir dazu, davon Abstand zu nehmen. Mit Sicherheit sind Standards, ESG-Berichte etc. hilfreich, für kleine und mittlere Unternehmen z.B. jedoch oft schwierig zu erlangen. Daher hilft nur der direkte Kontakt zu den Firmen. Bei Produkten ist das etwas „einfacher“. Es gibt bspw. Standards wie die Öko-Design-Richtlinie, die sich u.a. mit der Effizienz der Netzteile befasst, z.B. mit einem eingekreisten VI-Symbol. Markennetzteile haben in der Regel dieses Zeichen. Hohe „Mean Time Between Failure“- oder „Mean Time To Failure“-Zeiten sind ein Indiz für die Lebensdauer. Beim Produktvergleich ist dies ein gutes Auswahlkriterium. Viele Firmen denken auch bereits an das Lebenszyklusende eines Produkts. Das System wird so designt, dass wenige Handgriffe genügen, um es zu zerlegen und wiederzuverwerten oder getrennt zu entsorgen.
Bildquelle: ICP Deutschland